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Sir Michael Caine im Gespräch : Warum ich Alfred Hitchcock einen Korb gab

  • Aktualisiert am

Sir Michael Caine bei der Filmpremiere von „The Dark Knight“ Bild: dpa

Der britische Filmschauspieler Sir Michael Caine verrät, wie er durch eine Vorliebe für Humphrey Bogart zu seinem Künstlernamen kam, weswegen er Woody Allen über die Maßen schätzt und was im Leben wirklich zählt.

          Sir Michael, Sie sind in diesem Jahr achtzig Jahre alt geworden und haben einen vollen Terminkalender.

          Ich habe gerade in Bulgarien einen Film abgedreht, der „Eliza George“ heißt, und in den nächsten Wochen werde ich in Kanada sein, um dort mit Christopher Nolans „Interstellar“ zu beginnen - eine Art Science-Fiction-Film. Im Dezember geht es dann weiter mit Colin Firth für den Film „The Secret Service“.

          Ihre langjährigen Freunde Sean Connery, Roger Moore oder Peter O’Toole arbeiten nicht mehr. Wieso Sie noch?

          Ich weiß, dass Sean und Roger sehr krank waren. Und Peter hat sich zur Ruhe gesetzt, er will nicht mehr. Diesen Sommer sind es schon achtzehn oder zwanzig Monate, seit ich „Mr. Morgan’s Last Love“ gedreht habe. Danach kam ein Drehbuch nach dem anderen, und jedes konnte ich einfach nicht ablehnen.

          Was bedeutet Ihnen das Schauspielen?

          Ich versuche immer wieder, besser als beim letzten Mal zu sein. Ich wetteifere nicht mit anderen Schauspielern, sondern mache es mir selbst schwer.

          Ist das Schauspielen für Sie ein zweites Leben neben dem realen? Oder kann man das nicht voneinander trennen?

          Es ist ein zweites Leben für mich. Ich nehme die Rolle nicht mit nach Hause, wie es zum Beispiel Daniel Day-Lewis tut, dessen Frau ihn monatelang Abraham Lincoln rufen musste. Ich lege die Rolle in dem Moment ab, in dem ich das Set verlasse und nach Hause gehe.

          Sie haben es aus dem Londoner Viertel Elephant and Castle nach Hollywood und bis zum Ritterschlag durch Queen Elizabeth geschaffen. Was ist das Wichtigste für Sie im Leben?

          Das Allerwichtigste für mich ist die Familie. Ich fühle mich aber auch gesegnet, fürs Kino arbeiten zu können. Ich war zwar neun Jahre am Theater, aber von dem Moment an, in dem ich zum Film gegangen bin, kam ich nie mehr zum Theater zurück.

          Und der Ritterschlag?

          Das ist der Tag, auf den ich mit größtem Stolz blicke. Und das wird er auch bleiben, vom Familiären abgesehen. Denn ein Ritterschlag ist keine Auszeichnung wie ein Oscar oder etwas Ähnliches, es ist was fürs Leben. An dem Tag, als die Queen mich zum Ritter schlug, hätte ich mich beinahe in Schwierigkeiten gebracht, weil ich eine große Klappe habe. Sie sagte zu mir: „Ich habe das Gefühl, dass Sie das, was Sie machen, schon seit sehr langer Zeit tun.“ Und beinahe hätte ich erwidert: „Ganz wie Sie.“ Doch ich dachte mir: „Verdammt, sie werden dir den Titel wegnehmen und dich in den Tower werfen. Sei still, Michael!“

          Wenn Sie zurückblicken auf Ihre Frühzeit am Theater, die Zeit von „The Long and the Short and the Tall“ - hat Ihnen diese Bühnenerfahrung geholfen als Filmschauspieler?

          Meine neun Jahre auf der Bühne waren das beste Training fürs Kino. Ich bin ein Stanislawski-Schauspieler: „Die Probe ist die Arbeit, die Darstellung ist Erholung.“ Das funktioniert ganz wunderbar im Kino: Man muss vollkommen entspannt sein vor der Kamera, denn sie sieht einfach alles.

          Wie kamen Sie zum Kino?

          Die Rolle, die mich wirklich ins Filmgeschäft brachte, war 1964 jene in „Zulu“. Darin spielte ich einen sehr feinen englischen Offizier. Das ist eigentlich ein gutes Beispiel für das Klassensystem in England: Am Theater sprach jeder diesen hochgestochenen Posh-Akzent - ich aber im Cockney-Akzent der Arbeiterklasse. So würde ich nie Schauspieler, hieß es. Ich kam also zum Vorsprechen, um mich als Cockney-Working-Class-Korporal vorzustellen, als einfacher Soldat. Ich hatte damals kein Telefon, und so konnten sie mich vorher nicht anrufen, um mir abzusagen. Denn als ich dort ankam, war meine Rolle schon gecastet. Daraufhin sagte der Regisseur zu mir: „Können Sie jemanden mit feinem Posh-Akzent spielen, einen Offizier?“ Ich antwortete: „Ich spiele Ihnen jeden Akzent, den Sie wollen.“ So gab er mir die Rolle des Offiziers. Allerdings war der Regisseur Cy Endfield ein Amerikaner. Und ich glaube nicht, dass ein britischer Regisseur mir diese Rolle gegeben hätte. Das war der Beginn meiner Filmkarriere.

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