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Sibel Kekilli im Interview : Es ist mein Leben

  • Aktualisiert am

Sibel Kekilli: „Vielleicht auch eine Art Rebellion” Bild: Christian Thiel

Erst strahlende Berlinale-Gewinnerin, zwei Tage später geouteter "Porno-Star" auf der Titelseite der "Bild"-Zeitung. Der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gab Sibel Kekilli das erste Interview nach den Schlagzeilen.

          Das erste Gespräch mit der Berlinale-Gewinnerin Sibel Kekilli.

          Am Samstag waren Sie die strahlende Berlinale-Gewinnerin, zwei Tage später als geouteter "Porno-Star" auf der Titelseite der "Bild"-Zeitung. Seither ist kein Tag vergangen, ohne daß diese Zeitung über Sie berichtet hätte. "Eltern verstoßen sündige Film-Diva", "Uschi Glas steht sündiger Filmdiva mutig bei" - das Neueste ist, daß Sie heimlich verheiratet sind. Frau Kekilli, wie geht es Ihnen?

          Ich wundere mich selber, aber es geht mir eigentlich ganz gut.

          „Ich möchte nicht als die Türkin bekannt sein, sondern einfach als Schauspielerin. Auch nicht als Ex-Pornodarstellerin. Schauspielerin. Das ist die Gegenwart.”

          Sie wohnen derzeit an einem geheimen Ort. Dieter Kosslick hat Ihnen den berühmtesten Medienanwalt des Landes besorgt. Das klingt selbst schon fast wie ein Film.

          Ich möchte nicht fotografiert werden, wenn ich aus der Wohnung gehe und den Müll rausbringe. Ich will auch nicht, daß meine Nachbarn da mit hineingezogen werden, deshalb bin ich erst mal woanders untergebracht.

          Wird Ihre Wohnung von Reportern belagert?

          Es steht sogar ein Ü-Wagen vor meiner Tür.

          "Gegen die Wand" ist Ihr erster Kinofilm. Kameraerfahrung hatten Sie bereits: Sie haben in mehreren Hardcore-Pornofilmen mitgespielt. Hatten Sie denn nicht damit gerechnet, daß Ihre Vergangenheit bekanntwerden würde?

          Natürlich habe ich damit gerechnet, aber daß "Bild" so eine große Sache draus macht, daß sie es auf die Titelseite nehmen, so riesig, so schmutzig, das hätte ich nicht gedacht.

          Warum haben Sie Pornofilme gedreht?

          Aus Geldmangel. Ich hatte immer mehrere Jobs - ich habe zum Beispiel Obst und Gemüse verkauft, gekellnert, als Türsteherin gearbeitet, ich war sogar mal für einen Monat Geschäftsführerin eines Nachtclubs - es war wirklich so, wie es immer heißt: ich war jung und brauchte Geld. Und daß ich diese Filme gemacht habe, das war vielleicht auch eine Art Rebellion.

          Eine Rebellion gegen was?

          Ich wollte mir damit vielleicht selber beweisen, daß ich mein eigenes Leben leben kann, wie ich will.

          Für Eltern ist es wohl immer ein Schock zu erfahren, daß die eigene Tochter Pornos dreht - für türkische Eltern um so mehr.

          Klar. Ich kann nur für mich sprechen: Ich habe einen ziemlich starken Freiheitsdrang, und je mehr man versucht, mir etwas zu verbieten, desto mehr rebelliere ich.

          Ihre Eltern sind in den siebziger Jahren aus der Türkei nach Heilbronn gezogen. Wenn es nach ihnen gegangen wäre - wo wären Sie heute?

          Erst einmal möchte ich sagen, daß meine Eltern ziemlich modern und offen sind. Aber insgesamt wären sie wahrscheinlich ganz froh, wenn ich weiterhin im Heilbronner Rathaus als Verwaltungsfachangestellte arbeiten würde, vielleicht verheiratet mit einem türkischen Mann.

          Die "Bild"-Zeitung hat Ihren Vater befragt - es sei eine Schmach für die Familie, und er wolle Sie nie wieder sehen, sagte er. Hat er erst jetzt erfahren, daß Sie in Pornofilmen gespielt haben?

          Ich habe es ihm vorher nicht gesagt.

          Es war zu lesen, daß Ihre Familie Sie nun verstoßen hat.

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