29.03.2011 · Fauler Trick im Trickfilm: Die Handlung von Shakespeares Romeo und Julia in einen nachbarschaftlichen Streit zwischen Gartenzwergen zu übertragen, klingt nach einer lustigen Idee. Leider wird die neue Animationsästhetik nicht lange durchgehalten.
Von Andreas PlatthausIst dieser Shakespeare animiert? In einer Hinsicht ja, in anderer nein. Technisch betrachtet, hat man aus „Romeo und Julia“ nun einen Animationsfilm gemacht, beseelt aber wurde der Stoff dadurch nicht. Dabei waren die Voraussetzungen gut: Die Ränke zwischen den Veroneser Häusern Capulet und Montague auf die schlechte Nachbarschaft zwischen zwei Kleingärtnern im Verona Drive der englischen Kleinstadt Stratford-upon-Avon, des Herkunftsorts Shakespeares, zu übertragen ist witzig, und diesen Konflikt durch die jeweiligen Gartenzwerge ausfechten zu lassen verspricht viel trickfilmtaugliches Geschehen. Und so lässt Kelly Asbury, der als Regisseur immerhin 2004 schon den zweiten Teil der erfolgreichen Animationsfilmserie „Shrek“ verantwortet hat, die rot (Capulet) beziehungsweise blau (Montague) bemützten Tonfiguren munter aufeinander los- und in Scherben gehen. „Gnomeo und Julia“ heißt das Ganze übrigens nun.
Zwergenaufstand im Genre
Wie da allerlei Gartengerät bis hin zu einem PS-starken Motormäher namens „Terrafirminator“ eingesetzt wird, um die Zwerge von nebenan zu terrorisieren, das liefert schönen Slapstick. Und dass die Figuren bewusst statisch animiert wurden und jeder Kontakt miteinander noch durch ein tönernes Klacken untermalt ist, das hätte eine völlig neue Trickästhetik begründen können. Doch leider wird dieser Gag nicht durchgehalten, und die Figuren werden immer beweglicher. Zudem glaubte Asbury wohl, dass man nach „Toy Story“ gar nicht mehr erklären muss, warum und wie solche Figuren lebendig werden. Das ist ein fauler Trick in diesem Trickfilm.
Dass Shakespeares Vorlage dadurch Gewalt angetan wird, dass es kaum noch Gewalt in der Handlung gibt, kann man vernachlässigen. In „Gnomeo und Julia“ geht es ja nicht um Werktreue, sondern um ein großes Familienpublikum. Wobei der Disney-Konzern dem Stoff schon nicht genug vertraut hat, um ihn ins eigene Studio zu übernehmen: Man ließ den Film in Großbritannien herstellen und belebte dafür die Trickfilmtradition der eigenen Tochterfirma Touchstone neu. Die 3D-Effekte fügen der ohnehin bescheiden gestalteten Animation nichts Sinnvolles hinzu. Nach zwanzig Minuten der Freude vergeht einem das Lachen. Der Film ist ein Zwergenaufstand in seinem Genre.
Nicht nur ein Kindermärchen: Liebe ist stärker als Hass
Herold Binsack (Devin08)
- 29.03.2011, 22:37 Uhr
Andreas Platthaus Jahrgang 1966, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Bilder und Zeiten“.
Jüngste Beiträge