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Schröder und Ringier : Ich kochte in Berlin für ihn, Ringier war dabei

Schröders neue Heimat Bild: picture-alliance/ dpa

Vor der Pipeline kam der Pressejob: Der Schweizer Publizist Frank A. Meyer gilt als Charmeur und Verführer. Er war es, der dem Altkanzler zur ersten neuen Stelle beim Ringier-Verlag verhalf. Schröder ist Meyers edelste Trophäe.

          Der Tag rückt näher, am Freitag könnte es schon soweit sein. In den Redaktionen im Pressehaus ist Besuch angesagt. Empfangen wird er von einer „Art Gutsherr, der gerne schöne Anzüge trägt und einen Jaguar fährt“.

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

          So beschreibt die „NZZ am Sonntag“ den Drahtzieher des Deals: „Frank A. Meyer bewohnt eine Fabrikantenvilla im zürcherischen Kilchberg, er hat eine Zweitwohnung in Berlin und ein Haus in Südfrankreich, eine Suite im Hotel ,Bellevue' in Bern.“ Jeder Residenz entspricht eine andere Rolle. Die einzigartige Karriere ist von Freundschaften und Feindseligkeiten geprägt. Eine Aura von Verschwörungstheorien und Verfolgungswahn umgibt Frank A. Meyer. Sie bestimmt auch seine eigene Wahrnehmung der Wirklichkeit.

          Küche und Kultur

          Er stammt aus einfachen Verhältnissen. Meyer machte eine Lehre als Schriftsetzer und wollte Schriftsteller werden. „Weil ich schneller denke, als ich schreiben kann“, waren seine Gedichte nicht so gut. Frank A. Meyer wurde Journalist. Er war an einem Pressebüro in seiner Heimatstadt Biel beteiligt und als alternativer „Freier Bürger“ in der Lokalpolitik engagiert. Die zweisprachige Kleinstadt hat seine Vorstellungen von Politik und Publizistik bestimmt. Küche und Kultur gehören dazu. Meyer glaubt an den Einfluß der Ideen und der Intellektuellen auf die Macht.

          Vor einem Vierteljahrhundert kam er zu Ringier. Was den Erben des größten Verlagshauses und den etwas älteren Arbeitersohn so untrennbar verbindet, ist schwer zu ergründen. Michael Ringier bekam als Kind die moralische Empörung der Nation zu spüren, als der Verlag mit deutscher Schützenhilfe das Boulevardblatt „Blick“ gründete. Michael Ringiers Vater war eine gesellschaftliche Randfigur geblieben. Meyer betrieb die Politisierung des Verlags. Er fungiert als „Chefpublizist“ - und das klingt nicht nur wie Chefpolizist. Seine legendären Einmischungen werden von den Chefredakteuren, die ihm gar nicht wirklich unterstehen, als um so ärgerlicher empfunden, als er selber nie die Verantwortung für eine Publikation übernommen hat. Der Chefpublizist ohne Portefeuille schreibt Kolumnen.

          Beziehungspflege in feinen Restaurants

          Bekannter noch als für diese ist Meyer für seine Beziehungen. In feinen Restaurants werden sie gepflegt. Das größte Privileg ist es, von Meyer persönlich bekocht zu werden. Keiner knüpft zwischen Vorspeise und Zigarre schnellere und bessere Männerfreundschaften. Meyer ist ein Verführer und Charmeur. Seine Suite im Hotel Bellevue - das näher zum Berner Bundeshaus liegt als das „Adlon“ zum Kanzleramt - bekam den Ruf eines Hinterzimmers der Macht. Es soll Zeiten gegeben haben, da war er mit allen Ministern und der Hälfte des Parlaments auf du. Christoph Blochers Einzug in die Regierung konnte er nicht verhindern, obwohl er ihn jahrelang als „Führer“ bekämpfte, wie der heutige Sat.1-Geschäftsführer Roger Schawinski einmal über Blochers Wahl und Meyers Wende spottete. Seither ist der „Blick“ brav, bieder und politisch korrekt.

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