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Schleichwerbeskandal Den WDR kommt Schleichwerbung teuer zu stehen

18.07.2005 ·  Frank Döhmann, Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft von WDR und Bavaria, soll Schleichwerbung veranlaßt und über seine eigene Agentur abgerechnet haben. Der WDR mußte dabei sogar draufzahlen.

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Der Schleichwerbeskandal bei der Bavaria und der ARD geht weiter: Der Westdeutsche Rundfunk bereitet einen Strafantrag gegen den Produzenten Frank Döhmann wegen Untreue vor. Döhmann war Geschäftsführer der "Colonia Media", einer Tochtergesellschaft, die der WDR gemeinsam mit der Bavaria betreibt.

Als solcher soll er Schleichwerbung, sogenannte "Placements", veranlaßt und über die Agentur "Sieben Tage Fernsehen" abgerechnet haben, an der er selbst zu achtzig Prozent beteiligt gewesen sein soll, heißt es aus dem WDR.

109.000 Euro mehr

Diese Schleichwerbung fand sich unter anderem in den "Tatort"-Filmen aus Köln. Was nicht nur illegal war, sondern sogar noch zu Verlusten geführt hat. Die Rechnungen, welche die Tochterfirma Colonia Media der Agentur "Sieben Tage Fernsehen" bezahlte, überstiegen nämlich die Einkünfte aus der dort verhandelten Schleichwerbung um exakt 109.000 Euro im Zeitraum von Anfang 2002 bis Mai 2005. Nach dieser "beachtlichen Differenz" habe man den Produzenten Döhmann gefragt, doch da dieser sich "außerstande" sah, bis vergangenen Freitag auf die Fragen zu antworten, werde man nun Strafanzeige stellen.

Döhmann war vergangene Woche fristlos als Geschäftsführer des Studios Hamburg gefeuert worden, wo er sogar noch nachträglich bei einer Lottogesellschaft ein Honorar von 15.000 Euro für einen "Tatort"-Film eingeworben hatte, in dem es ums Lottospielen ging, bei dem aber niemand daran gedacht hatte, dafür eine Lottogesellschaft auch zur Kasse zu bitten. Bei der Colonia Media ist, dem WDR zufolge, nicht nur schleichgeworben worden, sondern auch noch das Kunststück geglückt, damit Verluste zu erwirtschaften.

Bis jetzt 117 Fälle nachgewiesen

Der ARD-Vorsitzende Thomas Gruber hat derweil die Forderung des CDU-Medienpolitikers Bernd Neumann zurückgewiesen, der Direktor des Ersten Programms, Günter Struve, solle zurücktreten. "Die Vorstellungskraft eines Politikers", sagte Gruber, "schafft noch keine Fakten. Nach derzeitiger Erkenntnis ist diese Forderung nicht in Ordnung." Die Programmdirektion der ARD, die für das Erste Programm zuständig ist, war spätestens im Mai 2004 auf die Schleichwerbung in der Vorabendserie "Marienhof" aufmerksam geworden, die den Bavaria-Skandal ins Rollen brachte. Sie war zudem mit einer sogenannten "Cross-Promotion" befaßt, die dazu führte, daß der Motorsportwettbewerb "Deutsche Tourenwagen Masters" im "Marienhof" wochenlang auftauchte.

Dabei sei jedoch kein Geld geflossen, auch bei der Nennung von Musikbands und Musiktiteln habe es sich nicht um Schleichwerbung gehandelt. Im Schleichwerbeskandal der Bavaria sind bis jetzt 117 Fälle von verdeckter Werbung im Wert von 1,467 Millionen Euro für die Jahre 2002 bis 2005 nachgewiesen.

Quelle: miha, F.A.Z., 19.07.2005, Nr. 165 / Seite 37
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