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Diane Keaton zum Siebzigsten : Ihr Spiel ist jung wie eh und je

Diane Keaton: Ihr Spiel ist jung wie eh und je. Bild: dpa

Viel zu oft wurde sie als drollige Alte besetzt, dabei ist sie eine Charakterdarstellerin durch und durch: Diane Keaton, die mit dem „Paten“ ersten Erfolg hatte und mit Woody Allen berühmt wurde.

          Natürlich ist ihr Name wie sonst nur der von Mia Farrow – aber dafür weniger ambivalent – mit dem Werk von Woody Allen verbunden. Mit „Play It Again, Sam“, für den Allen nur das Drehbuch schrieb, aber auch die Hauptrolle spielte, wurden sie und er nicht nur auf der Leinwand (und zuvor schon am Broadway in der Bühnenversion) ein Paar, und in den nächsten Jahren entstanden unter Allens Regie gemeinsame Filme, die zum Schönsten gehören, was das Kino in den siebziger Jahren geschaffen hat: vor allem „Annie Hall“ (auf Deutsch zu „Der Stadtneurotiker“ verdummt), für den Keaton 1978 den Oscar gewann, aber auch „Die letzte Nacht des Boris Gruschenko“ (auf Deutsch ebenfalls dumm betitelt; im Original einfach „Love and Death“) oder „Manhattan“, den Schwanengesang von 1979 auf ein Jahrzehnt künstlerischen und privaten Glücks.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Keaton aber brach nicht ganz mit Allen, sie kehrte 1987 und 1993 vielmehr noch einmal für zwei Meisterwerke aus der mittleren Periode des Regisseurs zurück: „Radio Days“ und – in höchster Not, denn Mia Farrow hatte die Hauptrolle niedergelegt, als sie entdeckte, dass Allen ein Verhältnis mit ihrer Adoptivtochter begonnen hatte – „Manhattan Murder Mystery“.

          Eigentlich eine Charakterschauspielerin

          Wie sie in Letzterem agierte, ist unvergesslich. Und nebenbei auch noch einmal so witzig wie in den Siebzigern, als das schüchtern-schelmische Lächeln Diane Keatons das unentbehrliche Korrektiv zu Woody Allens gestischer und verbaler Überdrehtheit gebildet hatte, wodurch aus Slapstick erst Romantik wurde und umgekehrt.

          1978 gewann sie den Oscar für „Annie Hall“, zu deutsch „Der Stadtneurotiker“. Bilderstrecke
          1978 gewann sie den Oscar für „Annie Hall“, zu deutsch „Der Stadtneurotiker“. :

          Leider ist Diane Keaton danach viel zu oft als drollige Ältere eingesetzt worden denn als das, was sie ist: eine Charakterschauspielerin, die ihren ersten großen Hollywood-Erfolg im Film eines Regisseurs hatte, der nicht gerade für Humor bekannt ist: 1972 im ersten Teil des „Paten“ von Francis Ford Coppola. Dort ist sie Kay, die junge Ehefrau von Michael Corleone, dem designierten Nachfolger seines Mafiaboss-Vaters. Diese Kay ist die Einzige, die an die immer wieder beschworene Aufrichtigkeit der Corleones glaubt, deshalb ist sie auch die am schlimmsten Betrogene. Und dass es Keaton gelang, neben Al Pacino und Marlon Brando (und James Caan und Robert Duvall und und und) als Newcomerin nicht nur zu bestehen, sondern herauszustechen, hätte sie zu einer Ikone von New Hollywood machen können, wenn sie sich danach nicht fast ganz Woody Allen verschrieben hätte. Erst nach dem Bruch bekam sie ihre zweite große Dramarolle: in Warren Beattys „Reds“ über einen amerikanischen Bolschewisten, doch die eigentümliche Mischung aus Spiel- und Dokumentarfilm wurde nicht der erhoffte Hit.

          Wieder einmal das entscheidende Korrektiv

          Immerhin traf Diane Keaton dabei aber zum ersten Mal auf Jack Nicholson. Mit ihm sollte sie 2003 einen Film drehen, der ihrer Karriere im Alter von Ende fünfzig noch einmal Schwung gab: „Was das Herz begehrt“, unter der Regie von Nancy Meyers, einer Spezialistin für romantische Komödien. „Something’s Gotta Give“ hieß er im Original, und Keaton gab im Gegensatz zu Nicholson, der sich da schon nur noch auf seine Manierismen verließ, noch einmal alles. Ihr Mienenspiel als vielfach vom Leben – und speziell dem von Nicholson gespielten Mann – enttäuschte Frau ist wiederum das entscheidende Korrektiv in diesem Film. Über Diane Keaton hat kein Akteur triumphieren können.

          Unter eigener Regie wäre das dagegen beinahe passiert: In „Aufgelegt!“ (2000) ist Diane Keaton eine von drei Töchtern von Walter Matthau, und zumindest sticht sie aus der hochkarätigen Darstellerriege um Meg Ryan und Lisa Kudrow diesmal nicht heraus. Kurz danach schloss sie mit dem Regieführen ab. Als Schauspielerin aber war sie erst kürzlich wieder in „Alle Jahre wieder – Weihnachten mit den Coopers“ zu sehen. Schweigen wir über alles darin außer ihr. Heute wird Diane Keaton siebzig Jahre alt, ihr Spiel aber ist jung wie eh und je.

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