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Terence Stamp zum 80. : Was die schönen Augen taugen

Diesen bösen Blick kann man im Spukhaus gut gebrauchen: In The Haunted Mansion, 2003. Bild: Picture-Alliance

Er trägt den peinlichsten Rollennamen mit Würde: Der britische Schauspieler Terence Stamp hat diesen besonderen Blick.

          Man muss schon einen besonderen Blick am Leib haben, um den von Christopher Reeve verkörperten besten Kino-Superman aller Zeiten mit einer bloßen Handbewegung zum Niederknien zu zwingen. In Richard Lesters „Superman II“ (1980) bringt der englische Schauspieler Terence Stamp als General Zod nicht nur dieses Kunststück fertig, sondern dominiert die Szene sogar in Anwesenheit von Gene Hackman, der normalerweise nicht viel mehr zu tun braucht, als am Drehort zu erscheinen, um eine Kameraeinstellung in Besitz zu nehmen.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Stamp wusste schon als Jungstar mit blondem Wuschelkopf, wie er schauen muss, um den herausfordernden Satz „Is it a fight you want then?“ in Peter Ustinovs „Billy Budd“ (1962) wie eine Trumpfkarte auszuspielen. Seine Blickintensität hat bis heute nicht nachgelassen. Noch den abwegigsten Rollen verleiht er damit Sinn und Wert, sogar einen Figurennamen wie „Kanzler Finis Valorum“ in „Star Wars Episode I: The Phantom Menace“ (1999) kann er tragen, ohne an Peinlichkeit zu krepieren.

          Was ein Männergesicht so alles zusammenschaut

          Seit Laura Mulveys Entdeckung des „männlichen Blicks“ als fundamentale Filmgesichtskreiskategorie 1975 sind Tankerladungen von Aufsätzen darüber geschrieben worden, wie Männer in den Positionen von Kamera und Regie die Lenkung des Kinoblicks organisieren. Ein wichtiges Moment dieser Arbeit ist die Ablenkung der Publikumsaufmerksamkeit von der Inszenierung auf das, was ein Männergesicht (Held, Schurke, Liebender, Geliebter) im Bild so alles zusammenschaut: Peter Lorre glubscht, Jim Carrey blinzelt, Clint Eastwood nicht.

          Wie guckt Terence Stamp? Unbestechlich? Durchdringend jedenfalls: Seine Blicke nehmen Maß am Gegenüber, ob in Feindschaft oder Liebe, und wenn er dann etwa in „Billy Budd“ sagt, es sei falsch, einen Mann auszupeitschen, denn „it’s against his being a man“, dann beglaubigt der Blick des Schauspielers die Empörung mit einer Würde, die ein so junger Darsteller sich eigentlich noch nicht erarbeitet haben kann. Er muss damit auf die Welt gekommen sein; wahrscheinlich hat so ein Blick schon seinen ersten Schrei angekündigt.

          Als liebevoller Großvater, dessen Tod seinen Enkel zum Helden macht, hat Stamp zuletzt in Tim Burtons „Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children“ (2016) ins absolut Böse und Dunkle geschaut, ohne zusammenzuzucken – man kann nur ahnen, wie oft sich seine Zuschauerinnen und Zuschauer im Laufe der Jahrzehnte wohl gewünscht haben, diesen Blick erlernen zu können, damit sie ihn im eigenen Leben parat haben, wenn sie im persönlichen Umfeld, auf der Arbeit oder in der überfüllten Straßenbahn mal wieder von irgendwem auf besonders unnötige Art von der Seite angequatscht werden. Morgen wird Terence Stamp achtzig Jahre alt.

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