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Schauspieler Claude Brasseur : Unser Mann am Steuer

Mit breiter Krempe und süffisantem Lächeln: Claude Brasseur 1988 in „Dandin“ von Roger Planchon. Bild: www.bridgemanimages.com/bridgema

Wer ihn im Kino sieht, ahnt nicht, dass er im Zweitberuf Rennfahrer ist. Auch in seinem neuesten Film nimmt er das Tempo raus: Der französische Schauspieler Claude Brasseur wird achtzig.

          Es gibt viele Schauspieler, die teure Autos fahren, aber nur wenige, die auch auf einem Rennplatz eine gute Figur machen würden. Und es gibt nur einen Schauspieler, der im selben Jahr in einem Film von Godard aufgetreten und bei der Rallye Paris-Dakar mitgefahren ist. Das ist Claude Brasseur. In Jean-Luc Godards labyrinthischem Spätkrimi „Detective“, der im Sommer 1986 bei uns ins Kino kam, spielte er einen Piloten, der mit seiner Frau in ein Hotel kommt, um eine alte Geldschuld einzutreiben. Im Januar zuvor hatte er zum sechsten Mal als Kopilot von Jackie Ickx am härtesten Autorennen der Welt teilgenommen. Brasseur und Ickx waren unter den Favoriten gesetzt, drei Jahre vorher hatten sie die Rallye durch die Wüste gewonnen. Erst ein defekter Kühler an ihrem allradgetriebenen Porsche 959 warf sie auf einen der hinteren Plätze zurück.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Die Rennfahrerkarriere, die inzwischen ein paar Jahre zurückliegt, sieht man Claude Brasseur in seinen Filmrollen nicht an. Hier gibt er den archetypischen französischen Klein- oder Großbürger, banal, charmant, ewig unzufrieden, mal kriminell, mal melancholisch, aber immer für ein gutes Essen und beizeiten auch für einen Seitensprung zu haben. In Claude Sautets „Eine einfache Geschichte“ ist er der eifersüchtige Partner von Romy Schneider, die ihn erst mit ihrem Exmann und dann mit einer Freundin betrügt. In Truffauts „Ein schönes Mädchen wie ich“ ist er einer der düpierten Liebhaber von Bernadette Lafont. Die meisten Kinozuschauer außerhalb Frankreichs aber kennen ihn weder aus diesen beiden Filmen noch aus den vielen Liebesfarcen, Ehedramen, Mordgeschichten und Männerkomödien („Camping“), in denen er in den vergangenen sechzig Jahren mitgespielt hat, sondern als untreuen Vater von Sophie Marceau in „La Boum - die Fete“. Als er ein paar Jahre nach „La Boum 2“ in Francis Girods Säufertragödie „Abstieg zur Hölle“ den Ehemann von Marceau verkörperte, was man wegen der Nacktszenen der beiden durchaus wörtlich nehmen muss, gab es einen Skandal, der so rasch verflog wie der Sand auf der Piste nach Dakar.

          Mit Godard fing alles an

          Angefangen hat alles mit Godard. In dessen „Außenseiterbande“ spielte Brasseur neben Anna Karina und Sami Frey den Draufgänger Arthur, den frechen Bohemien des Trios, von dem der Film erzählt. Zuvor hatte Brasseur, der einer bekannten Schauspielerfamilie entstammt, einige kleinere Auftritte in mittleren Filmen gehabt, aber mit dieser Rolle wurde er ein Gesicht des französischen Kinos. Später schrieb er sich mit der dreizehnteiligen Serie „Die Abenteuer des Monsieur Vidocq“ auch in die Fernsehgeschichte ein, und auf der Bühne hat er von Racine und Molière bis Ayckbourn, Pagnol und Sacha Guitry beinahe alles gespielt, was in Frankreich zum Kanon des Theaters gehört. In seinem jüngsten Film „Frühstück bei Monsieur Henri“, der bei uns im Juli anläuft, ist er nun als verbitterter Rentner zu sehen, den erst seine neue Untermieterin, eine Studentin, davon überzeugt, dass er vom Leben noch lange nicht genug hat. Das ist natürlich die reine Fiktion. Heute wird Claude Brasseur achtzig Jahre alt.

          Quelle: F.A.Z.

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