15.02.2007 · Nicht nur Clint Eastwood und Robert De Niro, auch ihre Schauspielerkollegen Julie Delpy, Antonio Banderas und Steve Buscemi präsentieren sich auf der Berlinale als Regisseure. Mit unterschiedlichem Erfolg.
Von Verena LuekenFrüher war es die große Ausnahme, dass Schauspieler auch Regie führten, ein Traum vieler, verwirklicht nur selten wie etwa von Charles Laughton mit seinem „Night of the Hunter“ und regelmäßig nur von exzeptionellen Doppeltalenten wie Orson Welles. Inzwischen ist das längst anders geworden; das Misstrauen gegenüber den kreativen Kräften von Leuten, die am Set vermeintlich nur tun, was andere ihnen sagen, ist geschwunden. Clint Eastwood und Robert De Niro sind die bekanntesten Beispiele, aber auch Tommy Lee Jones oder George Clooney etwa haben in den vergangenen Jahren mit eigenen guten, originellen Filmen überrascht.
Auf Filmfestivals sind solche Schauspielerfilme, Debüts oder nicht, gern gesehen. Die Aufmerksamkeit des Publikums ist garantiert, und die Regisseure, die eigentlich Schauspieler sind, nehmen, ohne zu murren, die Reise auf sich, um ihre Werke vorzustellen, lieber wahrscheinlich als die Werke anderer, in denen sie auftreten. So kamen in diesem Jahr also außer Eastwood und De Niro mit ihren Filmen im Hauptprogramm auch Julie Delpy, Steve Buscemi und Antonio Banderas nach Berlin, jeder brachte seinen jüngsten Film mit, und alle drei wirkten überbordend liebenswürdig.
Julie Delpy flatterte grazil auf der Bühne herum, als sie ihren Film „Zwei Tage in Paris“ vorstellte, während Antonio Banderas sich mit einer perfekten Torero-Verbeugung dem Publikum unterwarf und den Premierenabend für „El camino de los ingleses“ seinem komplett anwesenden Ensemble junger, attraktiver spanischer Nachwuchsdarsteller widmete. Für Buscemi war das Ganze vielleicht schon Routine: Sein „Interview“ ist bereits sein siebter Film.
Wie ein früher Woody Allen
„Zwei Tage in Paris“ ist Julie Delpys erster langer Spielfilm, und die Ähnlichkeiten zu Richard Linklaters „Before Sunset“, in dem sie nicht nur spielte, sondern zu dem sie auch das Drehbuch geschrieben hatte, halten dem zweiten Blick nicht stand. Denn es geht zwar auch hier um die Liebe zwischen einer Französin und einem Amerikaner in Paris, aber das Paar ist schon eine Weile zusammen, lebt eigentlich in New York und wird nun in einer Art culture clash herumgewirbelt, dass die Fetzen fliegen, hauptsächlich im Dialog. Der klingt wie Woody Allen in seinen besten frühen Jahren, ist gerecht verteilt auf die Hauptfiguren, gespielt von Julie Delpy und Adam Goldberg; und die Nebenfiguren, darunter die Schauspieler-Eltern von Julie Delpy, bekommen ebenfalls perfekte one-liner.
Dass Amerikaner ihre verflossenen Lieben möglichst ignorieren, während Franzosen weiterhin charmanten Umgang mit ihnen pflegen, ist nur einer der Konfliktpunkte zwischen dem Paar, und ernster werden die Probleme nicht. Die überaus bewegliche Kamera liefert einen zügig rhythmisierten Mix aus Großaufnahmen, Standbildern, grafischen Elementen in verschiedenen Drehgeschwindigkeiten, so dass der Film wie ein guter langer Song vorüberzieht, ohne nach höherer Bedeutung zu streben.
„Interview“ von Steve Buscemi ist das Remake eines Films von Theo van Gogh von 2003, der selbst dieses Remake und das zweier weiterer seiner Filme plante, bevor er 2004 ermordet wurde. Es ist ein Zwei-Personen-Stück, in dem Buscemi selbst einen abgetakelten, leicht versoffenen Journalisten spielt, der wegen Quellenfälschung nur noch Gesellschaftsstücke schreiben darf, die er für unter seinem Niveau hält.
Er soll eine blonde soap celebrity, gespielt von Sienna Miller, interviewen. Was sich zwischen den beiden abspielt an Misstrauen und Verachtung, vorübergehender Anziehung und sofortigem Rückzug, an Berechnung, kurzem Vertrauen und augenblicklichem Vertrauensentzug, Verrat und Überkreuzverrat, ist nicht nur ein Schauspielerduell erster Qualität, sondern auch eine geschickt in Szene gesetzte, mit drei digitalen Kameras gleichzeitig gefilmte und dann ineinander verwobene Analyse von Starkult, Medienmanipulation und korrumpierter Öffentlichkeit.
Man muss den Film bewundern
In Sachen Coolness kann Antonio Banderas mit seinen beiden Kollegen nicht mithalten, aber das hatte er wohl auch nicht vor. Sein Film ist, wie er sagt, eher ein Gedicht, ein großes Poem über die Jugend und vor allem darüber, wie sie vergeht, über den Tod also. „Sommerregen“ heißt der Film auf Deutsch, und es geht um eine Gruppe Jugendlicher in Málaga, der Heimatstadt Banderas', um ihre Träume, ihre Affären und jungen Lieben, darum, wie sie enttäuscht und etwas erwachsener werden, bis der Sommer vorbei ist.
Das ist teilweise schön melancholisch, teilweise in seinen Bildmetaphern unerträglich sentimental, nicht immer geschmackssicher und stilistisch manchmal ganz schön pompös - aber es ist gleichzeitig von so strikter Ablehnung jedweder kommerzieller Ausbeutbarkeit und so getragen von einer Leidenschaft fürs Poetische, dem ganz Anderen zu Hollywood, wo Banderas bekanntlich sein Geld verdient, dass man den Film mit all seinen missratenen Passagen bewundern muss. Und was auch immer ihm hier nicht gelungen ist, eines hat er geschafft: Alberto Amarillo, María Ruiz, Félix Gómez und Raúl Arévalo, einer Gruppe ganz junger, talentierter Darsteller aus Spanien, eine Bühne bereitzustellen, wie es einst Pedro Almodóvar tat, und zwar für ihn.