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Saudi-arabische Filmkomödie : Bitter lachen mit Abu Shakespeare

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Sein? Oder vielleicht lieber doch nicht Sein? Zwei Schauspieler erklären einander den „Hamlet“ auf einer saudi-arabischen Bühne. Bild: Arsenal

Individuelle Liebe und digitale Freiheiten unter sehr strengen gesellschaftlichen Bedingungen ergeben keine Filmkomödie? Doch! Das zeigt „Barakah Meets Barakah“ aus Saudi-Arabien.

          Ein Push-up-Bra ist das sekundäre Geschlechtsmerkmal einer Ophelia, die in einem saudi-arabischen „Hamlet“ von einem Mann namens Barakah gespielt wird. Mit dem Theater ist es eine heikle Sache in dem wahhabitisch-muslimischen Königreich. Ganz verboten ist es nicht, Frauen haben dabei aber nichts verloren, und so spielt eben Barakah, ein junger Ordnungshüter, die Rolle der Frau aus dem Stück von Shakespeare. Dass sie an den Verhältnissen irre wird, hat dabei über die Jahrhunderte hinweg Bedeutung behalten, bekommt in Saudi-Arabien aber eine besondere Prägnanz. Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern geht hier so weit, dass die Männer sogar noch an Stelle der Frauen vor die Hunde gehen sollen.

          Nun, ganz so schlimm ist die Sache dann doch nicht, schließlich ist der Film „Barakah Meets Barakah“ von Mahmoud Sabbagh eine Komödie, und zwar eine, die sich zum Ziel gesetzt hat, einer „verlorenen Generation“ den letzten Ausweg zu öffnen: bitteres Lachen. Das Ordnungsamt, für das Barakah auf den Straßen von Jeddah unterwegs ist, darf nicht verwechselt werden mit der Religionspolizei, mit der bei Veranstaltungen jeglicher Art immer zu rechnen ist. Für Frauen gibt es dann häufig einen Hinterausgang, und bei Konzeptkunst kann man immerhin darauf hoffen, dass die frommen Männer nichts verstehen. Bei einem Fotoshooting trifft Barakah auf Bibi, die so gar nicht zu dem traditionellen Bild der saudi-arabischen Gesellschaft passen will. Bibi trägt die Haare offen, sie verschleiert sich nur gelegentlich, sie ist eine „Modetussi“, und vor allem bewegt sie sich in einer Öffentlichkeit, in der die Religionspolizei keine Razzien veranstaltet: Sie ist ein Instagramstar, also ein Phantasieprodukt.

          Bibi macht Werbung für die Firma „Himmlische Hüften“. Mit ihrer Adoptivmutter lebt sie in einem permanenten Spannungsverhältnis, das auch damit zu tun hat, dass diese vor allem darum bemüht ist, in fortgeschrittenem Alter noch eine eigene Tochter zu bekommen. Bibi ist, wie so viele Heldinnen in romantischen Komödien, nach außen stark, in Wirklichkeit aber verletzlich und anlehnungsbedürftig. Das heißt aber nicht, dass sie sich Barakah sofort an den Hals werfen würde, der sich in sie verliebt, dann aber vor den landesüblichen Problemen steht: Eine Brautwerbung oder wie man dergleichen früher nannte, ein Kennenlernen unter entspannten Bedingungen ist in Saudi-Arabien nicht möglich. Man könnte einfach heiraten, dann hätte sich das, oder man könnte in die Emirate fahren, aber das wäre eine Flucht aus den falschen Verhältnissen. Bibi hat ihren Stolz, man muss sich etwas einfallen lassen. Barakah, der eigentlich ein einfacher Kerl ist, lässt sich etwas einfallen: eine Bootsfahrt vor der Skyline von Jeddah, mit Musikdarbietung und einem psychedelischen Licht, das hundert Jahre Glück überstrahlen könnte.

          Was ist im Vergleich dazu heute Glück?

          Doch vor das Glück haben die Gesetze des Genres die Krise im dritten Akt gesetzt. Das gehört sich einfach so, und dass Mahmoud Sabbagh sich da dran hält, ist zugleich Ausweis des neuen Selbstbewusstseins seiner Generation („Wir sind gleich weit wie im Westen“, dieses Wort fällt so oder so ähnlich mehrfach) wie auch Zeichen für deren Einsamkeit. Denn „Barakah Meets Barakah“ hat eben nicht den Rückhalt einer bewährten Tradition, wie ihn die entsprechenden amerikanischen Komödien haben, die mit großem Selbstbewusstsein ihren Spaß mit den Sitten treiben können. „Barakah Meets Barakah“ ist eine Ausnahme, ein Film gegen den Umstand, dass es in Saudi-Arabien eigentlich kein Kino gibt. Und wie Bibi schließlich ihre digitalen Freiheiten auf den Prüfstand stellt, so sucht Mahmoud Sabbagh für seine Figuren schließlich doch nach genuinen Lösungen, also nach Vermittlungen mit einer rigiden Ordnung.

          Die stärksten Passagen des Films sind reflektierende Momente, in denen auf alten Fotos ein anderes Land zu erkennen ist. Die Frage der Generationen spielt im gesamten arabischen Raum eine enorme Rolle, weil der gesellschaftliche Aufbruch, der sich von Marokko bis Afghanistan erkennen ließ, noch gar nicht so lange zurückliegt. Sabbagh zeigt auf schwarzweißen Aufnahmen eine offene Gesellschaft in den sechziger Jahren, auch wenn das damit eigentlich schon die Generation der Großeltern von Barakah und Bibi betrifft. Was ist im Vergleich dazu heute Glück? Das Bild von vollkommen schwarz verschleierten Frauen, an deren Handgelenken teure Juwelen erkennbar sind und die alle auf ihre Telefone starren.

          Diskriminierung auf die Spitze getrieben

          „Wir leben in einer Zwischenwelt“, heißt es einmal, und da hilft es langfristig auch nichts, „praktisch zu sein“ oder den Behörden ein Schnippchen zu schlagen. So viele Schnippchen kann man nämlich gar nicht schlagen, wie diese Ordnung es verlangen würde, sie umzustoßen.

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          So ist „Barakah Meets Barakah“ zugleich ein revolutionäres Dokument und ein Arrangement mit den Verhältnissen. Und seine beste Spitze liegt dann vielleicht wirklich in einem Gag, der eigentlich dem Boulevardtheater entlehnt ist: während früher die Frauen, um ihre Hintanstellung zu umgehen, in Hosenrollen ihre Sache voranbrachten, muss hier ein Mann in einer Miederrolle (oder eben: Push-up-Rolle) antreten, um die Diskriminierung der saudi-arabischen Frauen auf die Spitze zu treiben. Das kann eigentlich nur in Freiheit umschlagen.

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