05.12.2006 · Alle Welt lacht über die Filmsatire „Borat“. Nur drei Rumänen nicht, die sich in dem Film als chauvinistische Kasachen wiederfanden. Jetzt verklagen sie den Verleiher 20th Century Fox auf Schadensersatz.
Von Katja Gelinsky, WashingtonWer zuletzt über die Filmkomödie „Borat“ lachen wird, ist noch nicht entschieden. Das wird vom Ausgang eines Gerichtsverfahrens in New York abhängen, in dem es um Millionenforderungen gegen das amerikanische Filmverleihunternehmen 20th Century Fox geht. Geklagt haben drei rumänische Dorfbewohner, die den Kinohit „Borat“ überhaupt nicht witzig finden.
Nicolae Todorache, Spiridon Ciorobea und Nicolae Staicu aus der rumänischen Ortschaft Glod, knapp 120 Kilometer nordwestlich von Bukarest, fühlen sich von dem britischen Filmemacher und Satiriker Sacha Baron Cohen verunglimpft und betrogen. Für die Verletzung ihrer Menschen- und Persönlichkeitsrechte sollen 20th Century Fox und beteiligte Produktionsgesellschaften mit Schadensersatz in Höhe von 30 Millionen Dollar büßen. In der Satire spielt der britische Komiker einen kasachischen Journalisten, der aus seinem Heimatdorf in die Vereinigten Staaten reist und die Menschen dort mit rassistischen, antisemitischen und schwulenfeindlichen Sprüchen zu ebensolchen Aussagen verleitet.
Als Vergewaltiger, Rassisten, Fanatiker dargestellt
Szenen von „Borat“ waren in Glod gedreht worden, das die Filmemacher als Kulisse für das rückständige kasachische Kaff ausgewählt hatten, aus dem sich der Protagonist Borat (Cohen) aufmacht, um die Vereinigten Staaten zu erkunden. Einwohner Glods, unter ihnen auch zwei der Kläger, hatten vor allem als Statisten an dem Film mitgewirkt. Aber dazu wären sie niemals bereit gewesen, wenn sie gewußt hätten, daß sie in dem Streifen als Vergewaltiger, Diebe, Rassisten, Fanatiker und Flegel dargestellt würden, heißt es in der Klageschrift.
Cohen habe den Dorfbewohnern vorgespiegelt, daß er einen Dokumentarfilm über die Lebensbedingungen in Glod drehen wolle. Vertreten werden die klagenden Dorfbewohner von dem amerikanischen Anwalt Ed Fagan, der an zahlreichen vielbeachteten Prozessen mitgewirkt hat. Gemeinsam mit dem Münchener Rechtsanwalt Michael Witti, der ebenfalls an dem Borat-Prozeß beteiligt ist, hatte Fagan unter anderem erfolgreich Kläger in den Holocaust-Verfahren um Entschädigungsfonds für Zwangsarbeiter in der Nazi-Zeit vertreten. Nach einer ersten Anhörung im „Borat“-Prozeß am Montag hat die New Yorker Bundesrichterin Loretta Preska den amerikanischen Rechtsanwalt aber zunächst wieder nach Hause geschickt. Die Vorwürfe müßten genauer begründet werden, damit über „Borat“ verhandelt werden könne.
Jagshemash! oder: im keller lachen
jörg bausch (A_K_O_A)
- 06.12.2006, 00:41 Uhr
Klage Borat
Ulrich Lengenfeld (ulrich.lengenfeld)
- 06.12.2006, 12:09 Uhr