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Sarkozy in Cannes Kleiner Mann, ganz groß

18.05.2011 ·  Mit „La Conquête“ ist dem französischen Regisseur Xavier Durringer ein spannender Politthriller über den Aufstieg von Nicholas Sarkozy ins Staatspräsidentenamt gelungen. Ein solcher Film wäre in Deutschland völlig unmöglich.

Von Rüdiger Suchsland, Cannes
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Viel schwieriger, schrieb einst der politische Realist Machiavelli, als die Macht zu erringen, sei es, sie zu erhalten. Es mag gut sein, dass der französische Staatspräsident Nicholas Sarkozy derzeit gerade die gleiche Erfahrung macht. Andererseits war sein Aufstieg, das zeigt jetzt Xavier Durringers Spielfilm „La Conquête“, schon schwer genug. Gestern hatte der in Frankreich mit Spannung erwartete Film außer Konkurrenz im Wettbewerb von Cannes seine Premiere.

Voller sprechender Details und mit vielen boshaften Spitzen gegen Sarkozy und seine innerparteilichen Rivalen schildert der Film den Weg Sarkozys zur Präsidentschaft, beschreibt den großen Ehrgeiz des kleinen Mannes, den sein Konkurrent, der groß gewachsene zwischenzeitliche Außen und Premierminister Dominique De Villepin, immer nur den „Zwerg“ nennt, und bietet Szenen der zerbrechenden Ehe zwischen „Sarko“ und seiner Frau Cecilia, die mit ihm bereits insgeheim in Trennung lebte, ihrem Noch-Ehemann im Wahlkampf aber dennoch als Beraterin zur Seite stand.

Ein solcher Film wäre in Deutschland völlig unmöglich - schon aufgrund eines in Europa einmalig scharfen Persönlichkeitsrechts, in dem selbst eine Figur nur dann „Kanzler“ heißen darf, wenn sie mit Angela Merkel möglichst keine Eigenschaft teilt. In Frankreich kennt man dergleichen Schutzrechte für die Mächtigen nicht. In „La Conquête“, der sich als von Sarkozys Karriere nur „inspiriert“ bezeichnet, genügt es, den Film zu Anfang als „a work of fiction“ auszugeben.

Im Trainingsanzug durch den Elyséepalast

Dann tragen aber alle Beteiligten ihre richtigen Namen, und keines ihrer Portraits ist schmeichelhaft: Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac säuft und flucht, läuft im mit Barockmöbeln ausgestatteten Elysée meist in geschmacklosen roten Trainingsanzügen herum und ist ein mit allen Wassern gewaschener Intrigant. De Villepin sieht etwas besser aus, vielleicht aber auch nur, weil er den Kampf um die Präsidentschaft verliert.

Am schlechtesten kommt Sarkozy selbst weg. Von Ehrgeiz zerfressen, neidisch, misstrauisch, verlogen, ordnet er jede Handlung dem Machttrieb unter und wechselt seine politischen Ziele wie die Hemden. Ein Konkurrent sagt über ihn: „Es wäre falsch zu glauben, er hätte Überzeugungen. Er hat nur Behauptungen.“ Seine potenziellen Wähler sieht „Sarko“ nicht mehr als Bürger, sondern als Konsumenten, nach deren Bedürfnissen er sein Programm designt.

Ein Lehrstück über politisches Kino

Darin zeigt Durringer den Amtsinhaber allerdings nur als erfolgreichsten Repräsentanten eines politischen Systems, das zur Lösung von Problemen immer weniger in der Lage ist, weil es keine Überzeugungen hat, nach denen es sich ausrichten könnte. Zugleich entfaltet der Film Milieu und Rhetorik des Rechtspopulismus in einem Panorama, das nicht nur in Frankreich als treffend empfunden werden dürfte.

Blendend und mit sichtbarem Vergnügen spielen die Schauspieler ihre auch in Gestik, Sprachduktus und kleineren Ticks wohlbekannten Figuren überaus nahe an ihren Vorbildern in der Wirklichkeit. Besonders Bernard Le Coq als Chirac und Denis Podalydès in der schwierigen Hauptrolle beeindrucken. So ist „La Conquete“, ohne dass Durringer mit großen Enthüllungen oder neuen Einsichten aufwarten könnte, ein Lehrstück darüber geworden, wie ein unterhaltsamer Politthriller im Kino aussehen kann und wie sich manche oft ernüchternde Einsicht über den Politbetrieb vermitteln ließe. Man wünscht sich mehr solche Filme.

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