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„The Promise“ im Kino : Salonbilder vom Völkermord

Draußen vor der Kirche kämpfen ihre armenischen Freunde um ihr Leben, drinnen leistet Ana (Charlotte Le Bon) für die Kamera in Ruhe Trauerarbeit. Bild: Capelight

„The Promise“ will über den Genozid an den Armeniern erzählen. Doch der Film versucht das Unerträgliche für die Zuschauer erträglich zu machen. Deshalb bleibt er ungenau.

          Ein Film über den Genozid an den Armeniern tritt immer mit einem Handicap an. Er kann nicht irgendeine Geschichte erzählen; er muss eine Geschichte finden, die in das historische Geschehen passt, einen Hebel, der ein Fenster auf das Panorama des Völkermords öffnet. Etwa eineinhalb Millionen armenische Einwohner des Osmanischen Reichs wurden zwischen 1915 und 1916 in ihren Dörfern und Städten, in Lagern und auf Todesmärschen in die syrische Wüste ermordet. Bis heute weigert sich die türkische Regierung, ihre Verantwortung für die Verbrechen anzuerkennen.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Terry George, der Regisseur von „The Promise“, versucht diesen Hemmschuh in einen Vorteil zu verwandeln. Wenn schon die Welt von damals als Kulisse dienen muss, kann man sie auch gleich mit allem Drum und Dran beschwören: Paläste und Varietés von Konstantinopel, deutsche Kriegsschiffe im Goldenen Horn, Straßenschlachten, Tanzvergnügen, Infanteriegefechte, das alles gibt es in „The Promise“ zu sehen. Die Tragödie um den Medizinstudenten Mikael (Oscar Isaac) und seine in Kleinasien zurückgebliebene Braut kommt dennoch nicht wirklich in Gang, sie wird nur genremäßig aufgemotzt, denn Mikael verliebt sich in die aus Paris zurückgekehrte Tanzlehrerin Ana (Charlotte Le Bon), deren Lebensgefährte (Christian Bale) als amerikanischer Journalist die Vorgänge im Osmanischen Reich beobachtet.

          Liebesdreiecke zwischen Salonmöbeln

          Ein Liebesdreieck zwischen türkischen Salonmöbeln – das ist die Perspektive des Films auf den Armeniergenozid, und sosehr sich die Regie auch bemüht, im weiteren Verlauf der Geschichte ihre Erzählhaltung zu korrigieren, kann sie den Parfümgeruch dieser Grundkonstellation doch nie ganz abschütteln. Ja, man sieht Arbeitslager, Todesmärsche und Leichenberge in „The Promise“, aber die Lager wirken gefällig, die Leichen wie frisch sortiert, und der Blick auf das Entsetzliche bleibt halbherzig und ungenau.

          Kinotrailer : „The Promise – Die Erinnerung bleibt“

          Kirk Kerkorian, der vor zwei Jahren gestorbene Hollywood-Milliardär armenischer Herkunft, hat neunzig Millionen Dollar für die Verfilmung des Drehbuchs gestiftet. Am Geld hat es also nicht gelegen, dass „The Promise“ sein Thema so gründlich verfehlt, und auch nicht an den Stars, denn Christian Bale macht als Kriegsberichterstatter keine schlechte Figur, und Oscar Isaac hat bei den Coen-Brüdern und bei J. C. Chandor sein schauspielerisches Potential bewiesen. Es ist der Versuch, das Unerträgliche visuell erträglich und marktgängig zu machen, der dem Film den Hals bricht. Auch Fatih Akin („The Cut“) und die Brüder Taviani („Die Lerchenfarm“) sind zuletzt an diesem Widerspruch gescheitert, wenn auch auf weniger peinliche Weise. In Amerika war „The Promise“ trotz aller Weichzeichnerei ein Flop.

          Vor fünfzehn Jahren hat der Kanadier Atom Egoyan einen Film über die Unmöglichkeit gedreht, den Völkermord an den Armeniern im Kino zu zeigen. Die Bilder, die Egoyans fiktiver Regisseur (gespielt von Charles Aznavour) in „Ararat“ inszeniert, sehen denen von „The Promise“ auf teuflische Weise ähnlich. Egoyan wusste, warum er sie verwarf. Terry George hat es nicht gewusst.

          Quelle: F.A.Z.

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