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Salma Hayek im Gespräch : Welches Mexiko wollen Sie der Welt zeigen, Mrs Hayek?

  • Aktualisiert am

Bild: Illustration Burkhard Neie/xix

Demnächst ist sie in Oliver Stones Thriller „Savages“ im Kino zu sehen. Salma Hayek spricht über ihre Rollen, das Regieführen und humanitäres Engagement.

          Wissen Sie noch, wann Ihre Lust an der Schauspielerei geweckt wurde?

          Ja, mit fünf Jahren, als ich im Kino den Film „Charlie und die Schokoladenfabrik“ sah: Da wurde mir klar, dass es eine Welt gab, wo ein Fluss aus Schokolade sein und wo man mit Kaugummiblasen fliegen konnte - die Welt des Kinos. Zu dieser Welt, in der alles möglich schien, wollte ich auch gehören. Außerdem konnte ich mich, obwohl ich streng katholisch erzogen wurde, nie recht mit der Idee anfreunden, dass wir alle angeblich nur ein einziges Leben haben. Die Schauspielerei bot mir die Gelegenheit, diverse Leute zu verkörpern und dadurch mehrere Leben zu leben.

          Mit der Titelrolle in der erfolgreichen Telenovela „Teresa“ wurden Sie in Mexiko zum gefeierten Fernsehstar. Warum sind Sie nach Hollywood gegangen, wo Sie in einer fremden Sprache völlig neu anfangen mussten? Ist es wahr, dass Sie wegen einer Affäre mit dem mexikanischen Präsidenten geflohen sind?

          Nein, mein Lover war nicht der Präsident, sondern ein Minister! (Lacht.) Im Ernst: Der Ruhm war mir total egal. Ich wollte weg vom Fernsehen, ich wollte anspruchsvolles Kino machen. Aber in meiner Heimat wurden vor zwanzig Jahren einfach keine Filme gedreht - zumindest keine guten. Darum gab es nur einen Weg für mich: hinein in die Welthauptstadt des Films.

           Dachten Sie, man hätte dort auf Sie gewartet?

           Ich war naiv. Mir dröhnt heute noch das Hohngelächter entgegen, mit dem ich empfangen wurde: Man sagte mir, als Mexikanerin mit spanischem Akzent hätte ich nicht die geringste Chance auf eine Karriere in Hollywood. Für uns Latinas gab es allenfalls Mini-Nebenrollen als Putzfrau oder Prostituierte - und selbst um die musste man hart kämpfen. Ich war dankbar für jeden dämlichen Kurzauftritt, den ich ergattern konnte - ich musste ja meine Rechnungen bezahlen. Und ich war froh, dass ich in Penelope Cruz, der es ähnlich erging wie mir, eine enge Freundin fand.

          Eigentlich würde man vermuten, dass Sie und Penelope erbitterte Konkurrentinnen sind.

           Im Prinzip machen wir uns natürlich gegenseitig Konkurrenz. Doch wir haben als spanische Muttersprachler unsere harten Anfangsjahre in Hollywood gemeinsam durchgestanden. Wir waren stets füreinander da. Manchmal bewarben wir uns tatsächlich für denselben Film - und meistens bekam dann keine von uns beiden den Zuschlag. So spuckten wir beispielsweise Gift und Galle wegen Catherine Zeta-Jones, die uns die Rolle in „Die Maske des Zorro“ weggeschnappt hatte. Ich sage Ihnen: So etwas schweißt einen zusammen!

          Regisseur Robert Rodriguez gab Ihnen schließlich eine Hauptrolle in „Desperado“. 

          Ja, er hatte mich in einer Talkshow gesehen, in der ich über die Diskriminierung der Mexikaner in Hollywood gewettert hatte. Ohne Robert säße ich zweifellos jetzt nicht hier. Allerdings hat er mich in der Fortsetzung von „Desperado“ auch für einige lebensgefährliche Stunts missbraucht. Ich musste mich zum Beispiel in schwindelerregender Höhe so lange an Fensterbrettern festkrallen, dass ich abends die Hände kaum mehr schließen konnte. Dass ich dabei hätte draufgehen können, juckte Robert nicht - er meinte: „Ich habe dich zum Hollywood-Star gemacht, also kann ich dich auch jederzeit wieder zerstören!“ Heute bin ich sogar froh über die Szenen. Denn wenn ich eines Tages alt und fett sein werde, kann ich sie meinen Enkeln zeigen und sagen: „Seht mal, wie athletisch eure Oma war!“

          Warum haben Sie damals acht Jahre lang geradezu fanatisch für Ihren Film über Frida Kahlo gekämpft?

          Tequila zeigen - das Mexiko der intellektuellen Künstler. Und Frida Kahlo, dieser einzigartige Freigeist, hat mich seit meiner Jugend fasziniert. Aber leider wollte kein Hollywood-Produzent einen Film über eine verkrüppelte, bisexuelle, kommunistische Malerin finanzieren. Endlich ließ sich Miramax-Boss Harvey Weinstein breitschlagen. Doch als das Projekt deutlich teurer wurde als geplant, verlor auch er die Geduld und stellte mir ein knallhartes Ultimatum: „Salma, ich gebe dir noch exakt zwei Wochen, um einen Ko-Produzenten zu finden, einige prominente Schauspieler und jemanden, der das Drehbuch umschreibt. Wenn du das nicht schaffst, ist das Projekt endgültig gestorben!“

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