01.12.2004 · Die Hauptversammlung der ARD hat Thomas Gruber zum neuen Vorsitzenden des Sendeverbunds gewählt. Der Intendant des Bayerischen Rundfunks übernimmt diesen Job in einer Zeit, in der es vor allem ums Geld gehen wird.
Wie nicht anders zu erwarten, hat die Hauptversammlung der ARD den Intendanten des Bayerischen Rundfunks, Thomas Gruber (61), zum neuen Vorsitzenden des Sendeverbunds gewählt. Am 1. Januar 2005 löst er in dieser Funktion turnusgemäß den NDR-Intendanten Jobst Plog (63) ab.
Gruber ist zunächst für ein Jahr gewählt, dem in der Regel eine Verlängerung um ein weiteres Jahr folgt. In der Hauptversammlung der ARD sitzen die Intendanten der Sender und die Vorsitzenden der Rundfunkräte.
Zeit des Sparens
In die Amtszeit des scheidenden ARD-Chefs Plog fiel die große medienpolitische Auseinandersetzung um die Erhöhung der Rundfunkgebühren, die mit 88 Cent mehr im Monat auf 17,03 Euro weit geringer ausfällt, als von ARD und ZDF gewünscht. Die Sender hatten bei der zuständigen Gebührenkommission KEF eine Erhöhung um 2,01 Euro pro Monat beantragt. Im Rahmen einer heftig geführten Debatte hatten die drei Bundesländer Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen den Sendern vor einem Jahr mit massiven Sparmaßnahmen und einer Reform ihrer Struktur gedroht, die jedoch auf die nächste Gebührenperiode verschoben worden ist, die am 1. April 2005 beginnt. Dann tritt die neue Gebühr in Kraft, die von 2007 an auch für alle internetfähigen Computer gilt, sie ist von April des kommenden Jahres bereits für PCs fällig, die per Einsteckkarte als Rundfunkempfänger genutzt werden können.
Der neue ARD-Vorsitzende Gruber übernimmt seinen Job also in einer Zeit, in der es vor allem ums Geld gehen wird - das die ARD nicht mehr in dem Maß zur Verfügung hat wie gewohnt, das sie aber für Sonderaufwendungen gerne zur Verfügung hätte wie etwa die Fußballweltmeisterschaft 2006, für die sie gemeinsam mit dem ZDF 230 Millionen Euro aufwenden muß. Für seinen eigenen Sender, den Bayerischen Rundfunk, hat Gruber bei einem Jahresetat von rund 900 Millionen Euro bereits ein Sparprogramm in Höhe von 54 Millionen Euro - gestreckt auf die nächsten vier Jahre - aufgelegt, womit die erwarteten Mehreinnahmen kompensiert werden sollen, die es nun durch die geringere Gebührenerhöhung nicht gibt. Beschlossen wurde unter anderem die Schließung des Rundfunkorchesters, das eines von zwei Orchestern des BR ist. Gruber ist seit zwei Jahren Intendant des BR, er war zuvor Hörfunkdirektor und setzte sich bei seiner Wahl gegen den Fernsehdirektor Gerhard Fuchs durch.