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Retrokino : Der Berliner Zoo-Palast ist wieder offen

Wo Nierentisch und Tablet sich küssen: der mit Pomp und Technik sanierte Hauptsaal des Berliner Zoopalasts. Bild: Jan Bitter/Zoo Palast

Vom Abrisskandidaten zum Retrokino-Hoffnungsträger: Die Neueröffnung des Berliner „Zoo-Palast“ lässt im modernisierten Gewand ein längst vergangenes cineastisches Lebensgefühl wiederkehren.

          Noch ist die Innensanierung des Zuschauersaals der Staatsoper Unter den Linden nach dem Vorbild von Richard Paulicks Neobarock von 1954 nicht beendet, und es kann drei oder vier Jahre dauern, ehe dort wieder ein Orchester spielt. Am anderen Ende der Berliner Innenstadt aber, neben dem Bahnhof Zoo, wird heute schon ein wiederbelebtes architektonisches Relikt der fünfziger Jahre nach dreijährigem Umbau neu eröffnet, wie man es sich gegensätzlicher und damit für Berlin passender nicht vorstellen kann.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Der Zoo-Palast, 1957 von Gerhard Fritsche auf dem Gelände des zerbombten Ufa-Palasts am Zoo als West-Berliner Großkino errichtet, hat einen langen Niedergang hinter sich, vom zentralen Laufsteg der Berlinale zum Pseudo-Multiplex und Abrisskandidaten, dessen Schicksal das Kinosterben in der City West zu vollenden schien. Dann aber fand sich ein gemeinsamer Investor für das Gebäude und das nebenan gelegene, zur gleichen Zeit entstandene Bikinihaus in der Budapester Straße – und mit Hans-Joachim Flebbe ein Kinobetreiber, dessen Ehrgeiz über die möglichst kostensparende Abschöpfung des Besucherinteresses hinausgeht.

          Und das ist auch gut so

          Der neue Zoo-Palast tritt als „Grand Cinema“ an, und um diesen Anspruch einzulösen, haben Flebbe und das von ihm beauftragte Architekturbüro Maske + Suhren weder Kosten noch Mühe gescheut. Der große Saal, das Staatsstück des Hauses, wurde von zwölfhundert auf gut achthundert Plätze zurückgebaut, dafür mit großzügig bemessenen Sesseln, Regenmaschine, drei verschiedenen Vorhängen und achtundfünfzig Lautsprechern im Dolby-Atmos-System bestückt.

          Willkommen im Cineasten-Club: Wer will, kann in den Clubkinos des „Zoo-Palast“ ein Buch mitnehmen und dafür ein anderes dalassen.
Bilderstrecke

          Das als Komplementär dazu angelegte einstige „Atelier“, Fritsches eigentliche architektonische Pointe, bietet jetzt sechzig Logenplätze mit Liege-Automatik (nebst zweihundert Normalsitzen). Und die drei Säle im Anbau – früher waren es fünf – sind mit allem Schnickschnack versorgt, der zum Retro-Kinogenuss gehört, Kuppeln, Lüstern, Samtbezügen, aufgearbeiteten Original-Edelhölzern, Pastell-Anstrichen wie zu Nierentischs Zeiten. Die zwei Schachtelkinos im Obergeschoss hat Flebbe mit Bars und Bücherregalen zu Cineasten-Clubs aufgerüstet; wer will, kann ein Buch mitnehmen und dafür ein anderes dalassen: Filmegucken als Lektüretauschgeschäft.

          Es ist die museale Apotheose eines Ausstattungsstils, der nie fürs Museum gedacht war, aber sich gerade deshalb so gut dafür eignet; die Beschwörung einer Ganzheit, in der Adenauer und Eiermann, Papas Kino und die 3D-Ästhetik der Enkel zusammenkommen. Die City West ist dabei, zur Freilichtausstellung der Nachkriegsmoderne zu werden. Und das ist gut so. Gut für Berlin.

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