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Regisseur Nicolas Roeg : Seine Kamera zielt ins Unsichtbare des Intimen

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Er drehte Filme wie „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ oder „Hexen hexen“, und doch ist der britische Regisseur Nicolas Roeg einer der großen Unterschätzten des Weltkinos. An diesem Freitag feiert er seinen 80. Geburtstag. Ein Interview.

          Der britische Regisseur Nicolas Roeg ist einer der großen Unterschätzten des Weltkinos. Er zielt mit seiner Kamera mitten hinein ins reine Denken, ins Unsichtbare des Intimen. An diesem Freitag feiert er seinen Achtzigsten Geburtstag. Ein Interview.

          Sehen Sie Ihre früheren Filme eigentlich manchmal wieder?

          Nein, die alten Dinger sind für mich nicht interessant. Es ist sehr schwer, etwas wiederzusehen, das man für sich abgeschlossen hat.

          Ihr neuer Film „Puffball“ greift einiges wieder auf, was Sie bereits in früheren Filmen gemacht haben. Nach spätestens fünf Minuten kann man sehen, dass es ein Film von Ihnen ist.

          Mich erschreckt es immer, dass sich die Leute sehr schnell ihre Meinung bilden. Gerade dieser Film hat ganz schlimme Kritiken bekommen. Alle Leute fragen immer: Worum geht es? Aber meine Filme haben keine Genres. Es geht um das Leben: Glück, Hoffnung, Ehrgeiz, Gier, Magie, um alles. Und das Ende meiner Filme ist keine „Botschaft“. Es ist einfach ein Ende, weil jeder Film ein Ende haben muss. Man erfasst nie ganz das, was man tut. Um es mal mit der Malerei zu vergleichen: Man ist entweder zu nahe am Bild dran oder zu weit weg. Ich finde auch keinen meiner Filme perfekt.

          Gibt es einen Ihrer Filme, der für Sie am nächsten dran ist an der Perfektion?

          Das ist eine verflixte Frage, eine Falle! Am perfektesten ist immer der letzte Film.

          Viele Ihrer Filme scheinen von der Natur und unserem Verhältnis zu ihr zu handeln.

          Das stimmt absolut. Aber ich bin natürlich kein Naturalist. Die reine Wirklichkeit hat mich nie interessiert. Eher schon bin ich ein Supernaturalist. Die einzige Wirklichkeit, für die ich mich interessiere, ist die des menschlichen Verhaltens. Der Mensch und die menschliche Natur sind außerordentlich. Oft verhalten sich die Menschen in meinen Filmen ungewohnt, unnormal in den Augen der Anderen. Aber ich verstehe eigentlich immer alles, was die Figuren tun. Ich mag diesen Satz: „Nimm das Vertraute und mach es unvertraut“ (take the familiar and make it strange) - ich weiß nicht, wer das gesagt hat. Wir leben unser Leben so. Plötzlich erwachen wir in der Mitte der Nacht und haben Angst. Alles, was wir kennen, ist fremd. Um solche Erfahrungen geht es mir. Das Leben selbst ist übernatürlich. Aufregend. Es gibt kein größeres Drama als dies.

          Immer wieder begegnet man in Ihren Filmen Szenen, die man für Tagträume halten kann, für Phantasien. Wie würden Sie das nennen?

          Das ist die Schönheit des Filmemachens, die das Kino vom Theater, von der Malerei, sogar von der Literatur unterscheidet: Plotline und Storyline, das was heute alle so wichtig nehmen, sind völlig unwichtig für das Gelingen und die Ausdruckskraft eines Films. Die Bilder ändern alles. Auf der Leinwand kann man Dinge sehen und in Bilder verwandeln, die tiefer gehen, ins Unbewusste, die selbst fürs eigene Bewusstsein unsichtbar sind. Ich hasse es übrigens, wenn man das dann als „Flashback“ oder „Flashforward“ beschreibt. Das ist einfach das, was im Leben dauernd passiert. Das Leben funktioniert anders, die inneren Dinge und Erlebnisse sind das Entscheidende. Das Kino kann sie sichtbar machen. Es ist ein phantastisches wunderbares Medium.

          Wie schaffen Sie es, dass trotz Ihres Desinteresses an Realismus Ihre Darsteller so natürlich, ungezwungen, so glaubhaft wirken?

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