Home
http://www.faz.net/-gs6-xvh1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Bibliothek

Reaktionen zum Tod Bernd Eichingers Ein leidenschaftlicher Antreiber und Träumer

Der plötzliche Tod von Bernd Eichinger hat nicht nur in der Filmwelt große Trauer ausgelöst. Auch viele Politiker zeigten sich bestürzt. Die Reaktionen sind einhellig: Deutschland hat seinen bedeutendsten Filmemacher mit internationalem Format verloren.

© dpa Vergrößern Bernd Eichinger, 1949-2011

Mit Bestürzung haben Filmwelt und Politik auf den überraschenden Tod Bernd Eichingers reagiert, der am Montag im Alter von 61 Jahren in Los Angeles an einem Herzinfarkt gestorben war. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Mittwoch in Berlin: „Unser Kino verliert mit ihm nicht nur den erfolgreichsten Produzenten der letzten Jahrzehnte, sondern auch seinen leidenschaftlichsten Antreiber und Träumer. Millionen verdanken ihm berührende Filmmomente“. In seinen Filmen, von „Christiane F.“ über „Der Untergang“ bis hin zum „Baader Meinhof Komplex“, werde Eichinger weiterleben.

Bundespräsident Christian Wulff würdigte Eichinger als „außergewöhnliche Persönlichkeit“. „Ihr Mann hat sich um das Filmschaffen in Deutschland und das Ansehen des deutschen Films in der Welt verdient gemacht“, erklärte Wulff in einem Kondolenzschreiben an Eichingers Witwe Katja Hofmann. „Seine Leidenschaft für den Film hat mich beeindruckt, ebenso wie seine Fähigkeit, die Kinoleinwand mit Stoffen zu bereichern, die großen Mut und Tatkraft erforderten“, schreibt Wulff.

Mehr zum Thema

Kulturstaatsminister Bernd Neumann hatte zuvor erklärt: „Bernd Eichinger war ein ganz Großer des Films - national wie international erfolgreich als Autor, Regisseur und Produzent. Er hat den Film in den letzten Jahrzehnten so nachhaltig wie niemand sonst in Deutschland geprägt“.

Filmproduzent Bernd Eichinger ist tot © dpa Vergrößern Bernd Eichinger und Regisseur Wolfgang Petersen beim Deutschen Filmball 1985

Kreative Besessenheit

In München hatte die Nachricht vom plötzlichen Tod Bernd Eichingers am Dienstagabend die „Diva“-Verleihung überschattet. Viele der Filmleute, Musiker und Moderatoren erfuhren erst auf dem roten Teppich und vor laufenden Kameras vom Tod des 61-Jährigen, der so oft dabei gewesen war, wenn in München gefeiert wurde. Der als Bester Schauspieler ausgezeichnete Herbert Knaup sagte bei der Preisübergabe: Die „Diva“ werde er immer mit Eichinger in Verbindung bringen. Eichinger, „der auch irgendwie eine Diva war, mit seinen weißen Turnschuhen“, hinterlasse ein Riesen-Loch in der deutschen Filmlandschaft.

Der deutsche Regisseur Wolfgang Petersen zeigte sich in seiner Wahlheimat Amerika „total schockierend“ von der Todesnachricht. „Er war wie ein Bruder, ein Freund und ein Partner für mich, der es mit seiner kreativen Besessenheit unglaublich ernst meinte“, sagte der 69-jährige Hollywood-Regisseur am Dienstagnachmittag (Ortszeit) der Deutschen Presseagentur. Eichinger hätte immer „sehr riskant“ gelebt, aber gerade in den letzten Jahren, dank seiner „tollen Ehe“ mit der Journalistin Katja Hoffmann, „war er endlich zur Ruhe gekommen“, meint Petersen. „Leider waren ihnen nur so schmerzlich wenige Jahre vergönnt.“

„Einer wie ihn haben wir nicht mehr“

Als „Giganten des europäischen Films“ hat der Oscar-Juror und Filmproduzent Mark Johnson den deutschen Filmproduzenten Bernd Eichinger bezeichnet. Eichinger sei ein Türöffner für deutsche Produktionen gewesen, sagte der Chef des Gremiums, das ausländische Filme für die Oscar-Nominierung auswählt, in New York. Johnson bezeichnete den Film „Der Untergang“ als Eichingers wichtigstes Werk.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) würdigte Eichinger als „einen großen deutschen Filmemacher und Produzenten, der die internationale Filmkunst wie wenige geprägt“ habe. Mit seinen Leinwanderfolgen bleibe er dem Publikum „unvergesslich“, erklärte Westerwelle in Berlin. Grünen-Chefin Claudia Roth erklärte: „Seine Verdienste um das Filmland Deutschland können gar nicht überschätzt werden.“

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Schauspieler und Regisseur Richard Attenborough ist tot

Der britische Schauspieler und Regisseur Richard Attenborough ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Premierminister David Cameron würdigt ihn als einen der „Großen der Filmwelt“. Mehr

24.08.2014, 23:34 Uhr | Feuilleton
„Die geliebten Schwestern“ Dominik Graf hofft auf Oscar-Nominierung

Der Kinofilm „Die geliebten Schwestern“ von Regisseur Dominik Graf geht als deutscher Beitrag in das Rennen um eine Oscar-Nominierung für den besten nicht-englischen Film. Die Liebesgeschichte setzte sich gegen 16 andere deutsche Beiträge durch. Mehr

27.08.2014, 21:06 Uhr | Feuilleton
Filmfestspiele in Venedig Alternde Helden und philosophierende Vögel

An diesem Mittwoch Abend werden in Venedig die 71. Filmfestspiele eröffnet. Auch ein deutscher Beitrag läuft im Wettbewerb um den Goldenen Löwen. Mehr

27.08.2014, 12:35 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 26.01.2011, 15:25 Uhr

Technologie als Tücke

Von Stefan Schulz

Von Computern darf man sich überfordert fühlen. Der Spähskandal hat an der Koketterie nichts geändert. Der Diebstahl privater Fotos von Hollywoodstars bedeutet jedoch neue Spielregeln über Nacht. Mehr