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Sachbücher des Jahres

Quentin Tarantino im Gespräch Die Leute sollen Django applaudieren!

Bei den Golden Globes erhielt Tarantinos Western „Django Unchained“ den Preis für das beste Drehbuch, Christoph Waltz wurde für die beste Nebenrolle ausgezeichnet - und am Donnerstag kommt der Film ins deutsche Kino.

© dapd Vergrößern Quentin Tarantino bei der Berliner Premiere seines neuen Films

Mr. Tarantino, können Sie sich noch an den ersten Django-Film erinnern, den Sie gesehen haben? War es der von Sergio Corbucci? Oder eines der vielen Rip-offs?

Es war Corbuccis „Django“, und das muss Anfang der neunziger Jahre gewesen sein, der Film ist in Amerika nie ins Kino gekommen, im Gegensatz zu anderen Filmen von Corbucci. Deshalb gibt es bis heute keine Kopie in Amerika. In England ist er eine halbe Ewigkeit verboten gewesen, man konnte nur ein Stück von ihm sehen, wenn Jimmy Cliff in „The Harder They Come“ ins Kino geht, um ihn anzusehen. Es kam dann auf Video raus, als ich Publicity für „Reservoir Dogs“ oder „Pulp Fiction“ in England machte, und da habe ich natürlich sofort zugegriffen.

„Django Unchained“ ist zwar nun kein Spaghetti-Western, aber er ist von diesem Subgenre massiv beeinflusst, visuell, im Umgang mit der Musik…

... es kann auch gar keiner sein, denn es lässt sich heute kein legitimer Spaghetti-Western machen, weil er ein Phänomen seiner Zeit war. Man kann allenfalls mit Motiven spielen. Meine Inspiration hat auch weniger mit „Django“ zu tun als mit Corbuccis gesamtem Werk. Ich habe an einem Essay über Corbucci gearbeitet, und es gibt da etwas ganz Spezifisches, was sich so nur bei Corbucci findet. Jeder Westernregisseur schafft seine eigene Westernlandschaft, und Corbuccis Westen ist der brutalste, der erbarmungsloseste, was daran liegt, dass sich all seine Western meiner Ansicht nach in der einen oder anderen Weise mit dem Faschismus auseinandersetzen, das ist natürlich ein Überrest des Zweiten Weltkriegs. Corbucci benutzt zwar immer wieder Archetypen, doch was bei ihm heraussticht wie bei keinem anderen Regisseur, mit Ausnahme von Budd Boetticher, das sind seine Schurken. Seine Schurken sind monströs. Wenn Outlaws bei ihm eine Stadt übernehmen, wirkt das wie eine Nazi-Besatzung. Ich hatte beim Schreiben eine Menge Spaß. Das Gute bei einem Essay ist ja auch, dass einen nicht interessieren muss, was der Regisseur dachte, als er den Film drehte, sondern dass man seine eigene These plausibel machen kann. Und irgendwann habe ich mich gefragt: Warum mache ich daraus nicht eine Vorlage für einen eigenen Film? Das Amerika des Italowesterns ist ja doch ziemlich verdreht und schräg, ich kann dagegen eine wirklich amerikanische Geschichte erzählen. Was wäre also das amerikanische Äquivalent zum Corbucci-Universum? Der amerikanische Süden vorm Bürgerkrieg natürlich, die Zeit der Sklaverei.

Ihr Regisseurskollege Spike Lee, der Ihren Film gar nicht gesehen hat, hat ja vom Besuch dringend abgeraten und gesagt, die Sklaverei sei kein Spaghetti-Western gewesen. Macht Sie das wütend, oder ist es Ihnen egal?

Ich erwarte nichts anderes von Spike Lee.

Allzu viele Filme, in denen die Zeit der Sklaverei vorkommt, hat es ja nicht gegeben. Es gibt „Mandingo“, Spielbergs „Amistad“, die Serie „Roots“ im Fernsehen. War das ein zusätzlicher Reiz, den Film zu machen?

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