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Programmreform Frieden zwischen ARD und ZDF

 ·  ARD und ZDF haben ihren Kampf um Sendeplätze für ihre Hauptnachrichten doch noch beendet - mit Verlusten auf beiden Seiten: Die „Tagesthemen“ werden auf 22.15 Uhr vorgezogen.

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Am Ende des Tages zogen sie die Kuh doch noch vom Eis: Die Intendanten der ARD haben am Dienstag - wie erwartet - beschlossen, die „Tagesthemen“ von 22.30 Uhr auf 22.15 Uhr vorzuziehen und den „Bericht aus Berlin“ auf sonntags, 18.30 Uhr, zu verlegen.

Und sie haben hernach auch mit dem ZDF eine Einigung erzielt, die da lautet: Auch freitags laufen die „Tagesthemen“ um 22.15 Uhr und nicht, wie zwischenzeitlich geplant, schon um 21.45 Uhr.

Da läuft dafür im ZDF vom 1. April an das „heute journal“, das bislang um 22 Uhr beginnt. Und das erste Programm will sich für die halbe Stunde dazwischen ein unterhaltendes Format einfallen lassen. Der Kampf um die Programmierung, der sich binnen weniger Tage zu einer regelrechten Schlacht ausweitete, ist damit beenedet - mit Verlusten auf beiden Seiten, die sich aber spätestens bis Donnerstag wieder zusammenraufen müssen. Da stehen sie nämlich gemeinsam den Parteien im sächsischen Landtag Rede und Antwort auf die Frage, warum die Rundfunkgebühren zum 1. April auf 17,03 Euro im Monat erhöht werden sollen.

„Plan B“

Das ZDF ist dem Druck der ARD also nicht gewichen. Einige Intendantent des Senderverbunds hatten dem ZDF-Chef Markus Schächter nach Abschluß ihrer zweitätgigen Runde in München noch ausreden wollen, daß er ein Vorrecht auf Nachrichten um viertel vor zehn habe. Anderfalls gelte „Plan B“: das ZDF, wenn es im Streit um den Freitag nicht nachgibt, auf andere Weise hart treffen - eben durch Unterhaltung statt Nachrichten.

Dabei hatten sich in der vergangenen Woche die Programmdirektoren Günter Struve (Das Erste) und Thomas Bellut (ZDF) und hernach die Intendanten Thomas Gruber (ARD-Vorsitzender) und Markus Schächter über den Freitagabend - den nun einmal alle für „kriegsentscheidend“ gehalten haben - bereits geeinigt. An diesem Tag beginnt das „heute journal“ bis dato um 22 Uhr, gingen die „Tagesthemen“ auf 21.45 Uhr, lägen sie vor dem ZDF - so wie künftig der „Bericht aus Berlin“, der sonntags um 18.30 Uhr eine halbe Stunde vor „heute“ und „Berlin direkt“ einsetzt. Die „Lindenstraße“ wird um zehn Minuten auf 18.50 Uhr verschoben, das „Sportschau Telegramm“ ersatzlos gestrichen.

Hinweis auf die BBC

Die Zukunft der politischen Magazine nach der Programmreform des Ersten ist derweil weiterhin ungewiß. Die Entscheidung über ihren künftigen Zuschnitt auf den 23. Februar vertagt worden, dann wollen in einer gemeinsamen Sitzung die Intendanten der ARD und die Programmdirektoren entscheiden.

Der ARD-Vorsitzende Gruber sagte auf der Pressekonferenz am Dienstag, daß die traditionellen, einstündigen Magazine wohl eher der Vergangenheit angehörten. Das könnte ein Fingerzeig sein, wie ihn kräftiger der Programmdirektor Struve noch gab mit dem Hinweis, daß die britische BBC nur eine Stunde pro Woche insgesamt für ein Politmagazin übrig habe.

Mehr Sendezeit für „W wie Wissen“

Mit Blick auf das Wissenschaftsmagazin „W wie Wissen“ stellte Struve fest, daß dieses zuwenig junge Zuschauer anspreche. Die Sendezeit wird trotzdem ausgeweitet von zwölf- auf vierundzwanzigmal dreißig Minuten, sonntags um 17 Uhr. Auf die Frage, wer den neugeschaffenen Posten des Generalsekretärs der ARD übernehmen werde, sagte der ARD-Vorsitzende Gruber, daß es inzwischen vierzehn Kandidaten gebe, die sich bewürben, er wolle mit jedem einzelnen sprechen, erst dann stehe die Entscheidung an. Eine andere Personalie ist vorläufig entschieden: Thomas Baumann bleibt bis Ende 2006 stellvertretender Chefredakteur im ARD-Hauptstadtstudio Berlin.

Die Entscheidung aber, ob künftig zwischen ARD und ZDF Krieg oder, wie es früher einmal hieß, „Freundschaft unter Konkurrenten“ herrscht, ist vorerst gefallen. Mehr als ein Waffenstillstand freilich scheint es nicht zu sein.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. Februar 2005
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