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Prognose Wer beim Deutschen Filmpreis gewinnen wird

11.05.2006 ·  „Knallhart“, „Sommer vorm Balkon“ oder doch „Das Leben der anderen“? Am Freitag vergibt die Deutsche Filmakademie den Deutschen Filmpreis. Wir bewerten die Chancen der nominierten Filme.

Von Peter Körte
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Am Freitag vergibt die Deutsche Filmakademie den Deutschen Filmpreis in 15 Kategorien. Der Preis ist mit insgesamt rund drei Millionen Euro dotiert, davon entfallen 500.000 auf den Siegerfilm und jeweils 400.000 auf zwei weitere Filme. Wir haben uns die sechs Nominierten in der Kategorie bester Spielfilm angesehen und ihre Stärken, Schwächen und Chancen geprüft.

„Knallhart“ von Detlev Buck

Stärken: Der Titel verspricht nicht zuviel, die Inszenierung ist schnörkellos und das Thema auf der Höhe der Zeit.

Schwächen: Auch Buck braucht den Blick des Außenstehenden, den Zehlendorfer Jugendlichen, den es nach Neukölln verschlägt, und das Drehbuch hat auch ein paar Sackgassen.

Chancen: Wenn es in Neukölln dann zugeht, als spielte das Leben den Film nach, bleiben die Zuschauer weg, und der Akademie wird's wohl auch ein bißchen zu hart am Leben sein. (Siehe auch: )

„Komm näher“ von Vanessa Jopp

Stärken: Die Großzügigkeit gegenüber den Schauspielern, die sich durch ein rauhes, spätwinterliches Berlin improvisieren.

Schwächen: Die Improvisation führt zu oft mitten ins Klischee.

Chancen: Neben „Paradise Now“ der größte Außenseiter. (Siehe auch: )

„Das Leben der anderen“ von Florian Henckel von Donnersmarck

Stärken: Schluß mit dem lustigen Bild von der vertrottelten DDR, beste Haltungsnoten in allen Kategorien und ein Gespür für einen publikumswirksamen Kinostoff.

Schwächen: Von den Einwänden der Stasi-Historiker mal abgesehen, sind Schuld und Sühne und Tragik und Versöhnung so säuberlich austariert, daß es mitunter steril wirkt.

Chancen: Eigentlich kann nichts schiefgehen. Der Konsensfilm erzeugt auch Akademiekonsens, und die Mitglieder dürften wie im letzten Jahr zur Blockbuchung neigen: Wer in elf Kategorien nominiert ist, der geht auch mit mindestens sechs Lolas nach Hause, darunter die für den besten Film und für die beste Regie. Und an Hauptdarsteller Ulrich Mühe kommt die Akademie nicht vorbei. (Siehe auch: )

„Paradise Now“ von Hany Abu-Assad

Stärken: Der Mut, zwei jungen Palästinensern bei der minutiösen Vorbereitung eines Selbstmordattentats zuzuschauen.

Schwächen: Vor allem die moralische Indifferenz der Schlußsequenz.

Chancen: Ein Film, der zwei deutsche Produzenten, sonst aber nichts mit dem deutschen Kino zu tun hat, kann nicht gewinnen.

(Siehe auch: )

„Requiem“ von Hans-Christian Schmid

Stärken: Schmid weiß, was man bei dieser Exorzismus-Geschichte zeigen, und vor allem, was man nicht zeigen muß.

Schwächen: Das Siebziger-Jahre-Kolorit bleibt zu blaß.

Chancen: „Das Leben der anderen“ ist zwar auch kein Wohlfühlfilm, aber „Requiem“ geht mehr unter die Haut, als es Akademien mögen. Deshalb wird es, trotz zehn Nominierungen, wohl bei einer Lola für die überragende Hauptdarstellerin Sandra Hüller bleiben. Auf die aber kann man wetten. (Siehe auch: )

„Sommer vorm Balkon“ von Andreas Dresen

Stärken: Das Unprätentiöse und Alltägliche.

Schwächen: Das Unprätentiöse, das mitunter fast schon wieder prätentiös wirkt, und das Alltägliche, das auf Dauer ein bißchen harmlos und langweilig wird.

Chancen: Der Film könnte die Rolle von „L. A. Crash“ bei den Oscars spielen. Da viele Akademiemitglieder hinter vorgehaltener Hand versichern, „Das Leben der anderen“ nicht sonderlich zu mögen, hat Dresen durchaus eine kleine Siegchance. (Siehe auch: )

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 07.05.2006, Nr. 18 / Seite 31
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Jahrgang 1958, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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