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Porträt Ruth Klüger : Bilder vom Weiterleben

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Die Autorin und Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger Bild: Kairos Film

Ein Film über Ruth Klüger geht an die Orte ihrer Vergangenheit und zeigt: Trotz des Grauens des europäischen Faschismus ist ihr der Lebensmut nicht abhanden gekommen.

          Der eigentliche Kontrast, der mich beschäftigt, ist nicht zwischen Opfersein und Täter, sondern zwischen Opfersein und Freisein.“ Der KZ-Überlebenden und Schriftstellerin Ruth Klüger ging es immer um die Frage, wie eine Existenz nach der Vernichtung überhaupt möglich sein kann. Was ihr half, war das Schreiben, nicht eines gegen das Grauen, sondern eines für etwas - ein wenn auch schwieriges Bekenntnis zum Leben.

          Nach ihrem ersten Memoirenband „weiter leben. Eine Jugend“ über die Kindheitsjahre zwischen Vertreibung, Deportation und ihrer Flucht in den letzten Tagen des Krieges sollte die Literaturwissenschaftlerin bald schon zu einer der wortmächtigsten und wohl auch der letzten Zeitzeuginnen des Nationalsozialismus werden. Selbstironisch nennt sie sich in dem Dokumentarfilm „Das Weiterleben der Ruth Klüger“ daher ein „Auslaufmodell“.

          Jenseits der Opferstilisierung

          Ähnlich wie in ihrem Film „Ruth Klüger im Porträt“ (2005) sucht die Autorin Renata Schmidtkurz mit der inzwischen Zweiundachtzigjährigen für „Das Weiterleben der Ruth Klüger“ noch einmal die Stationen auf, die den Lebensweg der Schriftstellerin geprägt haben. Zwischen Pool, Fernsehen und Vorlesungen verfolgt die Kamera zu Beginn Ruth Klügers Alltag in ihrem kalifornischen Domizil, lässt ihre Kollegen und Söhne zu Wort kommen und offenbart entgegen allen Klischees um Opferstilisierung und Schulddebatten eine Frau, die trotz historischer Wunden mitten im Leben steht.

          Sie spricht darüber, wie ihr Vater bei Nacht und Nebel aus Österreich fliehen musste und so für die Tochter, die sich lediglich noch im Halbschlaf von ihm verabschieden konnte, zum „Gespenst“ wurde. Allerdings sind ihr die Vereinigten Staaten, wenn auch nie ganz Heimat, so doch zum Ort eines erträglichen Lebens geworden.

          Dagegen erscheint ihr Wien noch heute unbehaglich. Nach Göttingen, wo Ruth Klüger seit 1988 lehrt und halbjährlich lebt, ist Renata Schmidtkurz der Literaturwissenschaftlerin in ihre Geburtsstadt gefolgt, mit der sie seit den eigenen Vertreibungserfahrungen eine „Hassliebe“ verbindet. Metaphorisch bringt sie ihr Unbehagen zu Ausdruck: „Da atmen die Pflastersteine den Antisemitismus.“ Und doch ist mit dieser Stadt ihre ganze Kindheit verbunden. Gemeinsam mit ihrem amerikanischen Sohn sucht sie das Haus ihrer Eltern auf und streicht über die Klingelschilder, sonst nichts. Wenn sie auf ihr Leben zurückschaut, wundert sie sich.

          Dass sie überlebt hat, ist „der große Zufall in meinem Leben“, sagt sie bei einem Besuch in Bergen-Belsen. So weigert sie sich auch, in den Inschriften auf einer Gedenktafel über das eigentlich Unsagbare einen übergeordneten Sinn auszumachen. Den Greueln wohnt kein Sinn inne, nur ein Bewusstsein, das die Autorin mit den Versen von Herta Müller beschreibt: „Einmal ging ich unterwegs verloren, einmal kam ich an wo ich nicht war“ - ein Bild für die Diaspora, das sie zum Titel ihres zweiten autobiographischen Bandes „Erinnerungen. Unterwegs verloren“ (2008) inspirierte.

          Israel - „Bestandteil meines inneren Mobiliars“

          In Jerusalem, einer weiteren Station des Films, wo Ruth Klüger aus jenem Werk lesen sollte, wird deutlich: Obwohl sie sich in den letzten Jahrzehnten in den Vereinigten Staaten und Göttingen eine Existenz aufbauen konnte, ist Heimat für sie immer Konjunktiv geblieben. Hebräisch sei ihr immer näher als das Englische gewesen, mit dem sie ihre Söhne großzog. Wo sie lehrt, ist ihr Zuhause. Doch eine Idee von Heimat spürt sie vor allem in Israel. Es ist eben ein „Bestandteil meines inneren Mobiliars“, so die Autorin, die uns in diesem Dokumentarfilm eine konzentrierten Einblick in ihr Seeleninneres schenkt.

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