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Oscar-Verleihung Alle Macht den Verlierern

22.02.2007 ·  Achtmal war er nominiert, kein einziges Mal hat er gewonnen. Und wieder hofft Martin Scorsese auf einen Oscar: Vielleicht verzeiht Hollywood dem Regisseur in diesem Jahr endlich, dass er eigene Maßstäbe setzt.

Von Verena Lueken
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Die Welt wird auch in der Nacht zum kommenden Montag bei der Oscar-Verleihung auf den schauen, der mit einer Statuette in der Hand um Fassung ringend auf der Bühne die Geschichte des Films erzählt, für den er geehrt wurde. Die Verlierer streift die Kamera nur, um zu dokumentieren, ob sie Haltung bewahren. Dabei sind die Geschichten der Verlierer manchmal spannender als die der Sieger. Anrührender allemal und manchmal skandalös.

Zu den skandalösen und regelmäßigen Verlierern in der Oscar-Nacht zählt Martin Scorsese. Achtmal war er nominiert, kein einziges Mal hat er gewonnen. Sein Gesicht versteinerte zwischen 1981, als er mit „Raging Bull“ zum ersten Mal verlor, und 2005, als er für den „Aviator“ wieder leer ausging, zusehends, und gute Freunde wie Michael Ballhaus, der ebenfalls nie einen Oscar gewonnen hat, rieten ihm dringend, den Verleihungen doch fernzubleiben. Aber Scorsese kam immer wieder, litt immer mehr und wurde, was niemand sein mag, eine bemitleidete Figur.

Unbewegte Lächelmaske

Das ist bei einem Mann von seinem Format und einem Ausnahmeregisseur wie ihm natürlich eine völlig unangebrachte Herablassung. Obwohl er Jahr für Jahr in seinem Stuhl zu schrumpfen schien und nur noch mit unbewegter Lächelmaske seinen Mitarbeitern gratulieren konnte, Thelma Schoonmaker, seiner Schnittmeisterin, etwa und Robert De Niro zum Beispiel, die beide wiederholt für ihre Arbeit in seinen Filmen geehrt wurden, wuchs um ihn eine gewisse Tragik - die Tragik des New Yorkers, des Außenseiters, des Rebellen, der offenbar so gern in Hollywood dazugehören und Teil des Film-Establishments werden würde, obwohl es dort außer Geld nichts gibt, was ihn interessieren könnte.

Scorseses Geschichte mit den Hollywood-Studios ist die einer Hassliebe und schließlich eines Arrangements. Mit „The Departed“, seinem erfolgreichsten Film bisher, mit dem er in diesem Jahr als Regisseur wieder einmal im Oscar-Rennen startet, hat Scorsese seinen Teil des Verabredung erfüllt, nämlich das Geld, das investiert wurde, und etwas mehr wieder einzuspielen. Dass Scorsese nie der Mainstream-Regisseur mit künstlerischem Anspruch geworden ist, wie die Academy sie liebt, sondern immer der Künstler geblieben ist, dem manchmal auch das Publikum folgt, ist wahrscheinlich sein größtes Problem in Hollywood. Seine Filme sind nie darauf ausgerichtet, was beim Publikum funktioniert, sondern immer darauf, was für seine Figuren und das, was sie tun und wie sie fühlen, die folgerichtige Entwicklung ist. Scorsese wartet nicht darauf, dass die Zuschauer ihm folgen, und in den vergangenen Jahren sah es zunehmend so aus, als würde Hollywoods Establishment ihn dafür strafen.

Ebenfalls ohne Oscar bisher und zum achten Mal nominiert sind Peter O'Toole und der Komponist Thomas Newman. Während Scorsese wieder einmal hoffen darf, werden diese beiden allerdings wohl erneut leer ausgehen.

Der größte Verlierer der Oscar-Geschichte

Nach achtzehn Oscar-Nominierungen ohne eine einzige Auszeichnung setzt der Ton-Ingenieur Kevin O'Connell auf die diesjährige Preisverleihung am kommenden Sontag. Der 50-Jährige, der mit seinen vergeblichen Nominierungen als größter Verlierer in der 79-jährigen Oscar-Geschichte gelten muss, beteuerte, dass er dennoch seine positive Haltung zu dem Ereignis behalte. Er sei bereits „sehr glücklich“ an dem bedeutendsten Abend der Filmindustrie teilzunehmen. „Es ist eine Ehre und eine große Freude, schon so oft nominiert worden zu sein.“

Für den Fall, dass er diesem Jahr endlich den begehrten Oscar in der Kategorie beste Tonabmischung für den Film „Apocalypto“ von Mel Gibson erhält, hat er seine Dankesrede schon fertig in der Tasche: Darin will er seiner Mutter vor aller Welt danken, die ihm dazu geraten hatte, vom gefährlichen Beruf des Feuerwehrmannes zu lassen und auf Toningenieur umzusatteln. Nach dem beruflichen Wechsel war O'Connell erstmals 1984 für den Oscar nominiert. Zur Erinnerung an seine zahlreichen Nominierungen sammelte er seither nicht nur seine vorbereiteten Dankesreden auf Visitenkarten und Servietten, sondern rahmte sie auch ein. Die Wand sei schon voll, aber für eine Statue finde sich anderswo schon noch ein Platz, witzelte er. (AFP)

Quelle: F.A.Z., 22.02.2007, Nr. 45 / Seite 37
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