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Oscar-Verleihung : Falscher Umschlag, richtige Gewinner

Einen Moment lang teilen sich die beiden großen Gewinner des Abends die Bühne: Verwirrung um den Oscar für den besten Film. Bild: AFP

Der große Siegeszug für „La La Land“ blieb aus. Und vielleicht werden die Oscars dieses Jahres nicht nur wegen einer peinlichen Verwechselung in Erinnerung bleiben. Eine Einordnung der Academy Awards.

          Der falsche Umschlag? Vermutlich werden die Produzenten der Oscar-Show gefeuert. Was für ein Gefühl muss es für das Team von „La La Land“ gewesen sein, erst als Sieger ausgerufen zu werden – als Sieger, auf den weithin gewettet wurde –, um dann den Oscar für den besten Film weitergeben zu müssen? Und zwar an den tatsächlich besten Film des letzten Jahres, nämlich „Moonlight“? Unfassbar, dass das tatsächlich an diesem frühen Morgen passiert ist. Aber so war es. Faye Dunaway und Warren Beatty waren auf die Bühne gekommen, um den fünfzigsten Jahrestag ihres gemeinsamen Films „Bonnie and Clyde“ zu markieren, und zwar mit der ehrenvollen Aufgabe, den Gewinner des Oscars für den besten Film zu verkünden. Warren Beatty öffnete den Umschlag, schien es spannend machen zu wollen, zeigte die Karte darin Faye Dunaway, und schließlich verkündeten sie „La La Land“ als Sieger. Offenbar hatten sie den falschen Umschlag, ein zweites Mal den, der Emma Stone als beste Hauptdarstellerin auswies.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Was auch immer passiert ist: Für beide Teams war es nicht, was sie verdienten. Denn auch die „Moonlight“-Mannschaft sah zunächst eher verdattert als geehrt aus. Das Ergebnis aber ist wunderbar.

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          „Moonlight“ ist von all den Filmen, die nominiert waren, und die in ihrer Menge ein ziemlich großartiges Kinojahr ausmachen, derjenige, der am meisten wagt, der visuell, erzählerisch und auch in der Musik am avanciertesten gestaltet ist. Und der dennoch nicht auf ein Nischenpublikum zielt, sondern für alle ist. Wären wir in Hollywood, würde ich sagen: für alle, die ein Herz haben und einen offenen Blick.

          Was bewirken siebenhundert neue Mitglieder?

          Der große Siegeszug für „La La Land“ blieb aus. Vierzehn Nominierungen waren einige zu viel für diesen Film, der mit sechs Oscars immer noch die meisten des Abends mit nach Hause nehmen kann. Aber der Film, dessen Regisseur Damien Chazelle als bester Regisseur ausgezeichnet wurde, dominierte den Abend nicht.

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          Es dominierte, genau genommen, gar kein Film. Denn obwohl es keine Rede gab wie die von Meryl Streep bei den „Golden Globes“, über die bis heute gesprochen wird, war die Botschaft des Abends doch eindeutig nicht nach innen, zur Gemeinschaft der Filmschaffenden gerichtet, sondern klar gegen die isolationistische Politik und Sprache des neuen amerikanischen Präsidenten: für Vielfalt, gegen Grenzen, Mauern, Abschottung. Alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen in einer Situation, in welcher der Gewinner des Oscars für den besten fremdsprachigen Film, Asghar Farhadi aus Iran, der Zeremonie aus Protest fernblieb, weil zur Zeit seiner Nominierung gar nicht klar war, ob er überhaupt ins Land gelassen würde.

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          Academy Awards : Die Oscar-Gewinner auf einen Blick Bild: dpa

          Politik bei den Oscars ist aber mehr als das erwartbare Einverständnis in der Regel liberal gesinnter Mitglieder einer Industrie, die immer schon Menschen aus aller Herren Länder angezogen hat. So preist sie sich gern selbst, meinte damit aber bis eben hauptsächlich weiße Männer. Es ist gerade mal ein Jahr her, dass sich genau diese Industrie, deren Trophäen die Oscars sind, als exklusiv gegenüber Minderheiten beschimpfen lassen musste, weil diese weißen Männer  aus aller Herren Länder unter sich blieben. Diesem Zustand, in den letzten Jahren weithin geklagt, wirkte die Präsidentin der Academy, Cheryl Boone Isaacs  durch die Aufnahme von etwa siebenhundert neuen Mitgliedern vor allem aus den unterrepräsentierten Gruppen entgegen. Liegt es an ihren Stimmen, dass es in diesem Jahr so ausging wie es ausging? So verstreut in den sogenannten technischen Kategorien, in denen sich Sachverstand gegenüber Hype durchsetzte? Lag es an ihnen, dass der beste Film des Jahres auch der beste Film des Jahres wurde?

          Hollywoods Welt ist größer geworden

          Wir wissen es nicht. Auch kennen wir, anders als bei politischen Wahlen, nicht die Anzahl der Stimmen, wissen nicht, ob die Entscheidungen knapp  ausfielen oder ob ein Erdrutschsieg darunter war, und es spielt auch keine große Rolle.

          Eine Rolle spielt dies: Vielleicht werden die Oscars dieses Jahres nicht nur wegen des peinlichen Fehlers am Ende der Verleihung in Erinnerung bleiben, sondern weil sie endlich offener geworden sind. Ein Film über einen schwarzen queeren Jungen aus einem Armenviertel in Miami, gedreht von einem jungen Regisseur, der auch von dort stammt, ein Film aus einer Welt, die nun zum ersten Mal in Hollywood überhaupt zur Kenntnis genommen wird, gewinnt die höchste Auszeichnung dieser Industrie, die so viel lieber, so dachten fast alle, sich selbst und die Träume, die sie verkauft, gefeiert sieht. In diesem Jahr nicht. In diesem Jahr ist die Welt Hollywoods ein ganzes Stück größer geworden. Und für alle, die Hollywoods alte Träume weiterträumen wollen, ist in ihr noch eine Menge Platz. „Moonlight“ kommt übrigens am 9. März in die deutschen Kinos.

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          Quelle: FAZ.NET

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