25.02.2013 · Die Oscars sind vergeben worden, und nie war mehr Vielfalt. Einen eindeutigen Sieger wie in manchem vergangenen Jahr gab es diesmal nicht, aber zahlreiche Preise für die richtigen Gewinner. Und trotzdem eine ziemliche Fehlentscheidung.
Von Andreas PlatthausRichtlinien für Lesermeinungen
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Klar, Dokus werden gemacht. Haben Sie den Überblick inwiefern in
USA Dokumentationen über die Kriege gemacht werden, die sich
kritisch mit dem eigenen Land auseinandersetzen?
Davon mal abgesehen geht es hier ja um Filme. Und da ist absolutes
Stillschweigen auf deutscher Seite. Mir fällt nicht ein einziger
deutscher Film oder eine deutsche Serie ein, in der aus der
nicht-deutschen Opfer-Position heraus die Greuel der deutschen Kriegs-
und Vernichtungsmaschinerie dargestellt werden. Andere Kriege
außer dem zweiten Weltkrieg, so wie etwa der Boxer-Aufstand oder
die blutrünstigen Kolonial-Kriege in Afrika, bei der die Deutschen
schon mal den Genozid geprobt haben, werden sogar überhaupt nicht
zur Kenntnis genommen. Ne, ne, obwohl es ein beliebter Sport ist, bei
jeder sich bietenden Gelegenheit, und sei es eine Oscar-Verleihung, auf
die Amis einzuschlagen, aber was die "selbstverliebte"
Darstellung in Filmen anbelangt, sollte man als Deutscher sich erst mal
an die eigene Nase fassen.
US-Folter Flim geht leer aus, wen wunderts? Könnte in den USA ja als regimekritisch verstanden werden.
"Und auch bei den Original-Drehbüchern geht er [Lincoln] nun leer aus."
Mich persönlich hätte es hingegen mehr als überrascht, wenn Lincoln trotz Nominierung in der Kategorie adapted screenplay in der Kategorie original screenplay gewonnen hätte und nicht etwa Django. Aber Herr Platthaus scheint das anders zu sehen - oder wie habe ich die im Titel genannte Passage zu verstehen?
hat denn nun Ihre persönliche-aber sowohl historisch als auch
cineastisch (zB wäre als Gegenbeispiel "Apocalypse Now"zu
nennen) falsche- Ansicht mit der diesjährigen Oscar-Verleihung zu
tun ? Wurden denn bei den diesjährigen Oscars irgendwelche
Kriegsfilme nominiert oder gar geehrt ?
.
Vielmehr werden bei den Oscars seit vielen,vielen Jahren viele,viele
"nichtamerikanische Filme nominiert udn auch geehrt ! Das
weiß man allerdings nur,wenn man sich für den Oscar
interessiert und deswegen den Blick auf die vielen Kategorien wirft.
.
Von "Selbstverliebtheit" kann also gar keine Rede sein !
.
Und gibt und gab es denn einen Bambi , die Goldene Palme von Cannes ,
den Goldenen Bären in Berlin, oder den David di Donatello
(Italienischer "Oscar") oder den "Pierro"
(Bay'rische Filmpreis!) für nationale Filme über selbst
geführte Kriege ?
.
Es gibt keine Verlierer bei diesem Spektakel
Aber einen ganz großen Gewinner: Ben Affleck. Nix mehr "Jennifer-Lopez"-Boytoy oder Schönling-Schnulzenschauspieler. Ganz seriöser Filmmensch mit gutem Gespür für seine Arbeit.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 25.02.2013 14:58 Uhrsehr richtig:
aus dem nichts 3 geniale Filme gemacht, jeder in einem anderen Genre,
intelligentes Auftreten,
für mich schon nach "Gone, Baby gone" jeder neue Film von
ihm ein Muß!
"Lewis (...) bestenfalls durchschnittsgroß"???
"Denn Day-Lewis, dessen Körper im Film so schlaksig-riesig
wirkt, ist in Wahrheit, wie sein Auftritt bei der Übergabe der
Trophäe bewies, bestenfalls durchschnittsgroß."
Seit wann ist ein 187cm-188cm großer Mann (übereinstimmende
Berichte online und auch klar ersichtlich, wenn man sich mal Fotos von
ihm ansieht) denn durchschnittsgroß??? Dass er keine 193cm ist -
wie Lincoln - ist ja klar, aber bestenfalls durchschnittsgroß
heißt für mich und die vergleichsweise
"große", deutsche Gesellschaft 178-180. So groß
ist die Bevölkerung nun auch wieder nicht...
Die Pro7-Berichterstattung war gewohnt katastrophal, von der diffusen
Regie über Steven "da vorne läuft gerade Bradley Cooper
vorbei" Gätjen bis hin zu den beiden Berufsklatschtanten
Warnkross und Gerke, bei denen man sich zwischenzeitlich fragen musste,
ob sie überhaupt wissen, dass es bei den Oscars um eine
Filmpreisverleihung geht und nicht um ein Fantreffen mit den
heißesten Männern der Regenbogenpresse. Geschenkt.
Ich habe mir schon vorher gedacht, dass Seth MacFarlane einen -von
einigen Grobheiten abgesehen- eher brave Moderationsstil an den Tag
legen wird. Er ist einfach zu sehr Teil des Geschäfts, ihm fehlt
die Narrenfreiheit. Anders war das bei Ricky Gervais, der dreimal in
Folge die Golden Globes moderiert hat, um der selbstverliebten Filmwelt
Hollywoods ohne Rücksicht auf Verluste den Spiegel vor zu halten.
Ein Mann, der mit "The Office" und "BBC Extras" zwei
bahnbrechende Formate erfunden hat und nun in "Derek" einen
geistig behinderten Altenheim-Freiwilligen spielt.
Warum gibt es in Deutschland keinen Haneke oder Seidl?
Warum musste Christoph Waltz die Roy Black Story oder jede Menge
dämlicher Fernsehfilme oder Tatorts drehen, bis man ihn als
schauspielerische Grösse wahrnahm?
Warum kommt, wenn ein deutscher Regisseur sich am Western ausprobiert,
ein Film wie "Gold" statt "Django unchained" heraus?
Sicherlich kennt jemand die Antworten......
...und die Belgier nicht vergessen
Auf der Berlinale lief ein wunderschöner Film aus Belgien, "The broken circle breakdown", soll sogar schon eine Kinostarttermin haben.
trösten Sie sich ...
in genügend dieser Filme dürfte deutsches Geld stecken.
Aber zu Ihrer Frage: Weil es dem deutschen Film an Mut mangelt. Es
gäbe sicherlich auch Kreative, die etwas abgedrehtes wie Django auf
die Reihe bekämen, aber wenn man dann bei den Sendern für Geld
anfragt wird sowas als unsendbar abgewiesen. Außerdem kann die
Ferres bei sowas nicht mitspielen, auch die Furtwängler wäre
hier wohl nicht zu gebrauchen, wie auch sonst eigentlich. Als
fast-Positiv-Beispiel sei hier mal Iron Sky genannt, der wenigstens Mut
beweist, aber zum Teil im Nerd-Klamauk versinkt, außerdem ist der
Regisseur ein Finne. Die Skandinavier, die können solche Filme
drehen, die werden hier aber nicht wahrgenommen.
sind ein äußerst selbstverliebtes Volk.
Kein einziger Kriegsfilm, der von Amis gedreht wurde, zeigt das Leid der
unschuldigen Opfer dieser sinnlosen Kriege.
Mit einer solchen aggressiven Außenpolitik, wie die Amis diese
seit 1945 betreiben, wird unvermeidlich der Tag kommen, ab dem die Amis
dieses Leid selbst erfahren werden.
Entschuldigung ?
Warum müssen sich die USA denn bei Japan entschuldigen ?
.
Japan wurde zu jener Zeit ohne Grund von einer
faschistisch-militaristisch orientierten Regierung gesteuert,welche sich
in keinster Weise von der damaligen NAzi-Regierung in Berlin oder der
faschistischen Duce-Regierung in Rom unterschied.
Diese stürtzte Japan ohne Grund in den asiatischen Teil des WWII.
"Diese" Japaner jener Zeit hielten sich für das
asiatische Pendant der deutschen Herrenmenschen und sich für
ausersehen ,die asiatische Halbkugel zu beherrschen .
.
Am 7. Juli 1937 überfielen "die Japaner" China. Die
Chinesen wurden von den die damalige japanische Politik bestimmenden
faschistischen Gruppen in Japan als "Untermenschen" angesehen
-ein weiteres auffälliges Pendant zu den deutschen
Nationalsozialisten jener Zeit .
.
Es gibt diesbezüglich noch viele weitere Paralellen .
Doch das wurde in D sehr wohl gezeigt
Ich habe als Kind endlose Doku Serien über den Holocaust, die
Gräuel der Nazis gesehen am TV.
Derweil sich die Amis trotz ihrer Kriege in aller Welt immer nur an Rin
Tin Tin, Bonanza, Mickey Mouse und Ähnlichem ergötzten.
Deutschland entschuldigt sich bis heute für das Leid. Die Amis
verweigern den Japanern jegliche Entschuldigung bis Heute. Sorry, Sie
haben sich noch nie bei einem Land entschuldigt.
Nicht umsonst steht die Traumfabrik in den USA
Was Wunder, die meisten Länder welche unter den US Bomben zerplatzten wurden von den Piloten ja nur aus der Vogelperspektive gesehen. Meist waren es riesige Pilzwolken oder Rauchsäulen die zu sehen waren. Damit war die kulturelle Neugier der Neu Engländer auch schon erschöpft. Den Rest verarbeitete die "internationale Gemeinschaft".
Nur die Amis?
Nennen Sie doch mal aus dem Stegreif einen deutschen Kriegsfilm, der das Leid der unschuldigen Opfer der deutschen Kriege in den Vordergrund stellt, oder die Greueltaten in den deutschen Kolonien. Und welche Filme haben sich intensiver mit den Opfern des Holocausts beschäftigt? Es gibt Filme aus Frankreich, USA und Italien. Und aus Deutschland? Da macht man lieber Filme über den Führer und über Rommel.
@Kirsch
Die Amis drehen wenigstens Filme über eigene Kriege, die Deutschen keine.
@ Kirsch
Also, ich mag die Amis. Alleine schon deshalb, weil sie uns vom
"böhmischen Gefreiten" und dessen Entourage nachhaltig
befreit haben.
Und wenn Sie in die Geschichtsbücher blicken, dann wird Ihnen
sicherlich auch auffallen, dass die Amerikaner selbst auch unschuldige
Opfer bringen mussten...
Im Übrigen sind die Amerikaner eben ein sehr patriotisches Volk -
immerhin haben sie ja auch oftmals für andere die Köppe
hingehalten. Kein Wunder, dass man dort sehr stolz ist.
Das mit dem Stolz und der bejubelten Vaterlandsliebe war
"hier" übrigens auch mal so. Lesen Sie mal "Der
Untertan" von Heinrich Mann - der Roman beschreibt sehr anschaulich
die Zustände in Deutschland zur Kaiserzeit - vom später
folgenden, oben genannten "böhmischen Gefreiten" und dem
deutschen Selbstverständnis zu dieser Zeit mal ganz zu schweigen...
LA ist allenfalls der Mittelpunkt der Gesichts-Chirologie.
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 25.02.2013 14:57 Uhr@Matthias
Der ganze Hype um Hollywood, diese Geldmaschine auf Abruf ist einfach dekadent und Exhibitionismus in Reinkultur obendrein. Die Unsummen an Dollars, die in diese unsinnigen Produktionen gepumpt werden, sollten sinnvoller verwendet werden. Da werden billige storys in ein 2-Stunden-Format gepackt und die Hollywood-Enthusiasten geraten in Verzückung. Nicht nachvollziehbar...
Wen sollten sie auch sonst feiern?
Die Oscars sind der Filmpreis schlechthin. Golden Globes, Palmen,
Bären? Alles nichts wert, solange man nicht den Oscar holt. So
zumindest für das Prestige am Endverbrauchermarkt.
Ob ein Produkt, welches bei Erscheinen schon Mainstream ist, Kunst sein
kann, darüber kann man trefflich streiten, aber Hollywood liefert
die Filme, die die Welt sehen will; zumindest sieht.
Alles Fake und Schminke? Sicher, aber das finden Sie auch in den
No-Budget-Produkten unserer TV-Nachmittagsunterhaltung.
Wer es lieber alternativ mag, der kann zu den entsprechenden
Verleihungen gehen, aber deshalb die Oscars in Frage stellen? Auch die
Frage nach der Sinnhaftigkeit stellt sich nicht. Das Produkt verkauft
sich exzellent - Zweck erfüllt. Daran Kritik zu üben wäre
doch zu "typisch Deutsch".
Das hat nichts damit zu tun, das der Film gegen den Iran ist
weil Argo anfürsich geil ist
Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 25.02.2013 23:34 Uhrzugegeben, das war sehr plaktiv von mir ausgedrückt
eher als ein Versuch im FAZ Forum gedacht und meine Anmaßung wurde
verstanden - bzw. erfolgreich ignoriert. Im Ernst, es ist Ihnen doch
nicht entgangen, das die USA und Israel in jenem Teil der Welt und
besonders im Iran zunehmend paramilitärisch unterwegs sind.
Argo rechtfertigt Operationen im Iran, entweder indirekt oder durch das
Drehbuch intendiert -
zwar werden in Anführungsstrichen nur Geiseln befreit - und nicht
schlimmere Sachen aufgezeigt, das kriminalisiert jedoch Iran als Staat
unterschwellig. In der Realität werden ja dort Atomwissenschaftler
durch US/Israelische Killteams beseitig um "die Bombe" zu verhindern/aufzuschieben.
Ich gehe davon aus, das der Durchschnittsami nach Genuss dieses von
Michelle Obama empfohlenen Films etwas weniger gegen die Drohnen und
ohne Gerichtsverfahren Murksstrategie auszusetzen hat. Da ich nicht
feststellen kann, ob das bezweckt worden ist, sondern meiner Meinung
nach nur bewirkt wird - nenne ich es auch nicht Propaganda.
Bester Film laut Obamas
Gattin. Ein Film über einen CIA Agenten -lassen sie mich raten- Er deckt machenschaften auf die er nicht mittragen will und wechselt die Seite. Der iranische Geheimdienst muß ihn schützen bis alles aufgeklät ist. Am Ende schenkr der US-Präsident dem Iran Atomwaffen aus Beständen die in den USA nicht mehr beötigt werden.
Wo da genau?
Habe den Film am Wochenende gesehen und war angenehm überrascht
(für einen amerikanischen Film mit Bezug auf den Iran).
Wo genau war der Film gegen das Land und nicht gegen die Zustände
gerichtet?
Andreas Platthaus Jahrgang 1966, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Bilder und Zeiten“.
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