Tom Hanks, leger in Hemd und Hose, mit Brille vor den aufmerksamen Augen, hat sich noch nicht gesetzt, da fängt er schon an, in der Zeitung zu blättern, die vor ihm auf dem Tisch liegt. „Hi, I’m Tom“, hatte er zuvor gesagt und mir die Hand entgegengestreckt. Halle Berry, ruhiger als ihr Kollege und im schwarzen Kleid, sehr klar und schön, nimmt neben ihm Platz. Wir sitzen in einem Saal in einem teuren Berliner Hotel, der noch ein Stück deprimierender ist als sonst bei Presseterminen: leer bis auf ein paar Stühle an den Rändern und drei, vier Tischen mit Kaffee und Getränkeflaschen.
Ich habe Ihnen mal die Zeitung mitgebracht, für die ich arbeite. Sie sehen so viele Leute heute, alle 15 Minuten jemand anderen, da wollte ich, dass Sie wenigstens wissen, woher ich komme.
Hanks: (hat das Interview mit Ben Affleck aus der letzten Ausgabe gefunden) Hey, da ist Ben! Ich muss sagen, es ist schön, wieder in Berlin zu sein. Obwohl: Dieses Mal sehen wir davon nur das Innere von Autos und Hotelzimmer.
Und gestern abend waren Sie bei „Wetten, dass . . .?“
Hanks: Ja, ja, yeah. (grinst)
Berry: (lacht)
Als Zuschauer muss ich sagen, mir sank das Herz. Man hat Sie herumgeschoben wie Requisiten.
Hanks: Wir waren - na ja, ich war verwirrt. (zu Berry) Warst du auch verwirrt?
Berry: Ich war über weite Strecken lost in translation. Diese Ohrstecker für die Dolmetscher funktionierten nicht richtig.
Hanks: Ich war ja schon mal in der Show gewesen, ich kannte das.
Berry: Mir hat man gesagt, ich sei auch schon mal da gewesen, aber ich erinnere mich nicht daran.
Hanks: „Mir hat man gesagt, ich sei auch schon mal da gewesen“! (lacht, bis er hustet) Zum Schreien.
Ist das so Ihr Leben: Autos und Hotelzimmer?
Hanks: Die einzigen Male, die ich vorher in Berlin war, das war für kurze, durchorganisierte Pressetermine; einmal war ich auch ganz kurz hier und lief drei Tage lang durch die Stadt. Dann den Film hier zu drehen war phantastisch. Aber wenn man gerade dabei ist, einen Film zu verkaufen, geht es einem wirklich so: „Ich war schon mal in dieser Show?“
Berry: Weil einfach alles so rasend schnell geht. Man hat keine Zeit, irgendetwas wirklich aufzunehmen.
Was tun Sie, damit Ihr Leben halbwegs normal bleibt? Mr. Hanks, Sie gehen gerne zu Garagenverkäufen, bei denen Leute gebrauchten Hausrat verkaufen, habe ich gelesen.
Hanks: Ja, tue ich.
Berry: (fängt an zu lachen)
Hanks: Wenn ich die Schilder sehe: „Yard sale“, halte ich an und gehe hin.
Berry: Bist du so ein Hamsterer? (lacht)
Hanks: Ich mag ganz bestimmte Sachen. Wissen Sie, jetzt gerade arbeite ich. Wenn ich nicht arbeite, lebe ich wie Sie.
Wie ist das bei Ihnen?
Berry: Ich versuche es. Aber wir haben in Amerika diese Paparazzi-Kultur, wo gerade Frauen und ihre Kinder jedes Mal, wenn sie nur das Haus verlassen, fotografiert werden, und für meine Tochter ist das eine große Belastung. Auch für mich als Mutter ist es hart, zu sehen, wie sie ausgebeutet wird.
Mr. Hanks, Sie haben dieses Problem nicht.
Hanks: Nun, ehrlich gesagt, ich bin eben keine schöne Frau. Ich bin nur ein Kerl, schon immer. Ich bin nur so ein Schussel. Aber diese Industrie der Bildergangster, die gibt es natürlich.
Berry: In Deutschland habe ich das nicht erlebt; meine Zeit hier war himmlisch, was das betraf. Ich wurde bei der Ankunft fotografiert, aber danach, wenn ich rausging - überhaupt kein Problem.
Ms. Berry, wo immer Sie hingehen, wollen Leute Sie küssen. Als Sie 2003 bei den Oscars verkündeten, der Preis für den besten Darsteller gehe an Adrien Brody, kam er auf die Bühne und küsste Sie heftig. Und . . .
Berry: Ja, auch gestern, bei „Wetten, dass. . .?“ hätte ich jemanden küssen müssen.
Wenn Sie die Wette verloren hätten.
Hanks:Ja, was ist eigentlich damit? Müssten die Leute einen nicht vorher fragen?
Berry: Und in diesem Moment dachte ich: Uh-oh, wie erkläre ich das meinem Verlobten? Aber ehrlich: Ich muss das nicht haben.
Lassen Sie uns schnell über Ihren neuen Film reden, „Cloud Atlas“. Jeder von Ihnen spielt sechs Figuren, die miteinander verbunden zu sein scheinen; da ist mehr als nur eine Andeutung von Reinkarnation. Woody Allen hat mal gesagt, wenn er daran glauben würde, käme er im nächsten Leben gerne als die Fingerspitzen von Warren Beatty zurück, lange Jahre Hollywoods erfolgreichster Herzensbrecher. Und Sie - als wer oder was kämen Sie gerne zurück?
Hanks: Kann man als Körperteil von jemandem zurückkommen? Das wäre faszinierend. Okay, erst mal müssen wir ein paar Regeln festlegen: Man kann nur zurückkommen als jemand, der noch nicht existiert, okay? Man kann nicht in der Zeit zurückgehen, okay?
Berry: Muss es ein Mensch sein?
Hanks: Nein, muss es nicht. Okay, ich käme gerne zurück als die erste Frau, die den Mars betritt. Wie wäre es damit?
Oh, ein doppelter Wunsch.
Hanks: Genau. Warum nicht? Wie es ist, ein Kerl zu sein - das habe ich schon erfahren, das war ein Spaß. Jetzt mal die andere Route. Die Frau, die der erste Mensch auf dem Mars ist: Man muss schlau sein, muss Dinge fliegen können, reist durch den interplanetaren Raum . . . Und der Name dieser Frau ist Chang Gi-Wo. Ich glaube, sie wird eine Chinesin sein. Die wäre ich gerne.
Berry: Ich wäre gerne ein Tier.
Hanks: (grinst)
Ihn scheint das zu amüsieren.
Berry: Ja, ich amüsiere ihn.
Sie haben ja etwas Katzenhaftes, haben „Catwoman“ gespielt.
Berry: Ja, habe ich.
Hanks: (lacht schallend) Was für ein Tier?
Berry: Ein Löwe. Ich wäre nicht gerne die Beute, ich wäre gern das Raubtier.
Und unter den Lebenden, gibt es da jemanden, mit dem Sie gerne Plätze tauschen würden?
Hanks: Oh. (denkt nach)
Berry: Für mich wäre es Angela Davis. Die fasziniert mich.
Die schwarze Aktivistin.
Berry: Ich hätte sie gerne in einem Film gespielt, aber sie lässt mich nicht; sie will nicht, dass ihr Leben erzählt wird, während sie noch lebt. Ich wüsste gerne, was in ihr vorgeht.
Hanks: Jacques Cousteau. Er half mit, den ersten Tauchapparat zu erfinden, war ein brillanter Wissenschaftler, und was er alles gesehen hat! Ich erinnere mich, als Kind seine Fernsehsendungen geschaut zu haben, und ich konnte die nächste nicht erwarten.
Ein weiteres Motiv des Films ist, dass Menschen miteinander verbunden sind, auch über Epochen hinweg. Ist es das, was Kunst ist: ein Damm gegen die Einsamkeit?
Hanks: Jeder von uns ist auf dieser therapeutischen Erkundungsreise. Und in welchem Medium ein Künstler auch arbeitet, er muss diese Reise in eine physische Form bringen, die andere Menschen berührt. Man schafft ein kollektives Bewusstsein und stellt eine Verbindung zu anderen her, und das ist das Gegenteil von Einsamkeit, oder?
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