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Öko-Aktivist Al Gore Kriegsmilliarden für den Klimaschutz

09.10.2006 ·  Schmelzende Gletscher, geflutete Millionenstädte und wachsende Wüsten: Mit einem aufrüttelnden Film warnt Amerikas früherer Vizepräsident Al Gore vor einer Klimakatastrophe. Im Gespräch mit der F.A.Z. mahnt Gore, auch die Deutschen müßten mehr für die Umwelt tun.

Von Christian Schwägerl und Nico Fickinger
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Ein Film über eine Dia-Show? Das konnte sich zunächst auch der frühere amerikanische Vizepräsident Al Gore nicht vorstellen, als der Filmproduzent Lawrence Bender ihn aufforderte, seine Warnungen vor einer Klimakatastrophe in einen aufrüttelnden Spielfilm zu verwandeln. Doch am Donnerstag kommt das Ergebnis - „Eine unbequeme Wahrheit“ - auch in die deutschen Kinos. Gore präsentiert den Film an diesem Montag abend auf Einladung der „American Academy“ vorab im „International“ in Berlin.

Schmelzende Gletscher, geflutete Millionenstädte und wachsende Wüsten: Dia um Dia flößt Gore dem Zuschauer harte wissenschaftliche Erkenntnisse über das Weltklima ein - und die Angst vor globalen Wetterstürzen. Er inszeniert sich als globalen Umweltmissionar, der Amerikaner und andere Energieverschwender zum Umdenken und Umsteuern bringen will.

Kurz vor der Deutschlandpremiere sagte Gore im Gespräch mit Redakteuren der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Berliner Hotel Adlon, auch die Deutschen müßten ihr Umweltbewußtsein wieder stärker mobilisieren: „Keiner von uns tut genug, um die Klimakatastrophe abzuwenden.“

Harte Kritik an Bush

Am wenigsten aber unternehme der Mann, der im Jahr 2000 statt Gore ins Weiße Haus eingezogen ist: George W. Bush hat Gore zufolge fast alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. „Er hätte die Milliarden für den Irak-Krieg in Klimaschutz- und Energieforschung investieren sollen“, sagte Gore. Auf diese Weise wären die Vereinigten Staaten unabhängiger vom Öl und damit sicherer geworden. „Das wäre besser gewesen, als ein Land anzugreifen, das uns gar nicht attackiert hat.“

Nach dem Ende der Ära Bush werde sich in Amerika schnell die Einsicht durchsetzen, daß die im Protokoll vorgesehene Reduktion der Treibhausgase um rund fünf Prozent gegenüber 1990 das Mindeste sei, was man tun müsse, um den Klimawandel aufzuhalten. „Fünfzehn Minuten, nachdem Bush sein Büro verlassen hat, wird Amerika eine andere Klimaschutzpolitik betreiben.“ Dies höre man schon jetzt aus den Vorstandsetagen der größten amerikanischen Konzerne.

Die Verschwendung in der westlichen Welt habe eine „absurde“ Größenordnung erreicht. Mit Hilfe neuer Technologien könnten enorme Mengen an Treibhausgas-Emissionen gespart werden, sagte Gore und verwies auf den Verbrennungsmotor. Dieser sei vor einem Jahrhundert entwickelt worden und müsse nun völlig neu erfunden werden, um die Welt vor klimaschädlichen Autoabgasen zu schützen. Zugleich warnte er davor, zu große Hoffnungen auf die Kernenergie zu setzen. Der nordkoreanische Atomtest zeige, wie groß die Mißbrauchsgefahr dieser Technologie sei.

Ausführlicher berichtet am Dienstag der Wirtschaftsteil der F.A.Z.. Das Interview in voller Länge erscheint am kommenden Freitag im Feuilleton der F.A.Z.. Gore verrät darin, ob er vielleicht doch noch amerikanischer Präsident werden will.

Quelle: F.A.Z.
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