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Freitag, 17. Februar 2012
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Nach dem Outing David Lat bloggt aus Washington

20.02.2006 ·  Als „Article III Groupie“ hatte Staatsanwalt David Lat per Weblog Klatsch und Tratsch aus den obersten Bundesgerichten verbreitet. Jetzt schreibt er unter richtigem Namen für die scharfzüngige „Wonkette“. Ein riskanter Wechsel.

Von Alexandra Kemmerer
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Sie ist eben doch Diva, nicht bloß Sternchen. Nur einige Wochen währte das Schweigen der spitzzüngigsten Netzkolumnistin der amerikanischen Juristenszene. Seit Jahresbeginn verbreitet „Article III Groupie“ (A3G), deren Pseudonym auf die Verfassungsbestimmung über die Bundesgerichte verweist, mit ihrem Weblog „Underneath Their Robes“ (UTR) wieder eifrig Klatsch und Tratsch aus den heiligen Hallen der obersten Bundesgerichte.

Offen spricht sie nun auch über den Autor, der unter ihrer rosa Robe im vergangenen Herbst die Diskussion um die Neubesetzungen am Obersten Gerichtshof gehörig aufmischte. Der (inzwischen ehemalige) Staatsanwalt David B. Lat, den der Erfolg seiner virtuellen Gerüchteküche an die Öffentlichkeit drängte, hatte sich im „New Yorker“ als Urheber des skandalumwitterten Weblogs geoutet (siehe auch: Autor des Weblogs „Underneath Their Robes“ enthüllt). Zunächst nur noch mit Paßwort erreichbar, wurde seine Seite Mitte November ganz vom Netz genommen. Lats Vorgesetzte bei der Bundesanwaltschaft in New Jersey waren wenig begeistert von der Doppelidentität ihres Anklägers.

Ob seine virtuelle Präsenz den realen Autor verträgt?

Seine Postings zur jüngsten Washingtoner Weblog-Affäre um die Enthüllungen der Abgeordneten-Mitarbeiterin Stormie Janzen lassen zwar vermuten, daß es im Konflikt zwischen Meinungsfreiheit und Amtspflichten internen Klärungsbedarf gab. Zum Märtyrer für die Meinungsfreiheit wollte man den dreißigjährigen Harvard- und Yale-Absolventen durch eine Entlassung aber nicht machen, und so blieb es beim subtilen Rat, doch zu sehen, „ob sich aus dem Bloggen etwas ergibt“. Neben Fernsehauftritten ergab sich ein Vertrag mit dem kommerziellen Weblog-Netzwerk Gawker Media, das neben allerlei Politischem auch Pornographisches vermarktet.

Zum Jahresende hat Lat in Newark gekündigt, sein New Yorker Apartment verkauft und ist nach Washington umgezogen. Nun lebt er vom Bloggen, „und das nicht schlecht“, wie sein Alter ego A3G ausplaudert. Der wahre Lat ist seit einigen Tagen auf den Seiten des scharfzüngigen politisch-boulevardesken Weblogs „Wonkette“ zu lesen, dessen Gründerin Ana Marie Cox sich aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hat, um ihren bislang eher mäßig aufgenommenen Hauptstadt-Schlüsselroman „Dog Days“ zu vermarkten. Man darf also mit üppigem Weiterwuchern des Juristenklatschs rechnen, gewiß zur Freude der Bundesrichter Alex Kozinski und Richard Posner, die sich bei UTR gelegentlich selbst zu Wort meldeten.

Weniger glücklich dürfte der Verfassungsrechtler Jeffrey Rosen sein, der eben in der „New York Times“ den ausufernden höchstrichterlichen Exhibitionismus gegeißelt hat. Aus der straff geordneten Welt der Aktenberge ist David Lat, strebsamer Sohn philippinischer Ärzte, vorerst ins wichtigtuerische Establishment der Kapitale entkommen. Für ihn mag das der glückliche Ausgang einer kafkaesk beklemmenden Zwangsehe mit dem Recht sein. Ob aber seine virtuelle Präsenz, die als Werk eines verborgenen Staatsanwalts bei allen halbseidenen Details immer etwas Aufklärerisches hatte, auch den realen Autor verträgt? Wir werden es lesen.

Quelle: F.A.Z., 20.02.2006, Nr. 43 / Seite 40
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