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„My Little Pony“ im Kino : Das Glück der Wiehervereinigung

Bild: Tobis

Wer sich an „Game of Thrones“ und „House of Cards“ wegen Vorhersehbarkeit sattgeguckt hat, sollte es mal mit „My Little Pony“ probieren – als Fernsehshow wie jetzt endlich im Kino.

          Eine traurigere Szene findet man in keiner der vielen Geschichten, die von diesen Pferdchen handeln: Prinzessin Twilight Sparkle, geflügeltes lila Zauberpony mit Horn, schleicht im nassen Sand davon.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Ihre Freundinnen haben sich von ihr abgewandt und trotten in die andere Richtung. Die „mane six“ sind damit getrennt (ein Wortspiel: „mane“ – Mähne – klingt wie „main“, also „das Wichtigste“), Twilight Sparkle muss ohne die fünf andern zurechtkommen: ohne die orangefarbene Farmerin Applejack, die schneeweiße, großzügige, aber etwas eitle Designerin Rarity, die durchgeknallte rosa Partybombe Pinkie Pie, die schüchterne gelbe Naturschützerin Fluttershy und die blaue, fliegende Draufgängerin Rainbow Dash.

          Alle sechs (und den kleinen Drachen Spike, Faktotum der Prinzessin bei Wissenschaft und Zauberei) gibt es als Waren aus Plüsch oder Plastik von der Firma Hasbro. Seit einiger Zeit wecken und erhalten solche Spielzeugfirmen das Interesse an ihren Produkten (vom Computerspiel bis zum Legobausatz) mittels multimedial formatierter Geschichten, die Kundschaft soll als Publikum Gefühle investieren. Hasbros „My Little Pony“-Produktpalette gibt es seit Anfang der achtziger Jahre, das gegenwärtige Erscheinungsbild und damit der Film, von dem hier die Rede ist, gehören zur vierten Generation. Deren Erfolgsgeschichte begann 2010 mit der ersten Folge der Trickfilm-Fernserie „My Little Pony – Friendship is Magic“, entwickelt von der Animationskünstlerin Lauren Faust. Bis in die zweite Staffel betreute sie ihre schöne Schöpfung selbst, dann gab sie das Reich „Equestria“, wo Twilight Sparkle und ihre Mitrösser leben, in die Obhut der nicht minder fähigen Meghan McCarthy, von der auch das Konzept zum Kinofilm stammt.

          Was in Equestria passiert, beruht auf einer von Faust und ihrem Stab ersonnenen Mythologie um Sonne, Mond und Sterne inklusive physische, soziale und politische Landschaft. Dieser Kontext, sagt der Hasbro-Designer Matt Mattus, „verleiht jeder Blume, jedem Törtchen, jeder Drossel auf dem Baum in den Geschichten einen Daseinsgrund“. Ethisch geht’s dabei vor allem um die Idee „Wir sind alle verschieden, aber gleichberechtigt“. Die „cutie marks“ oder Schönheitsflecken, kleine Symbole (Äpfel, Sterne, Ballons et cetera) auf den Flanken der Ponies unterscheiden sie voneinander und versinnbildlichen ihren Charakter, ihre Berufungen, ihre Talente.

          Bleibt beieinander, dann kann euch keiner Zaumzeug anlegen: Fluttershy, Applejack, Twilight Sparkle, Spike, Rarity (vordere Reihe, von links), Pinkie Pie und Rainbow Dash (hinten, auch von links).

          Erwachsene Fans haben das Ganze, weil Erwachsene leider so sind, sowohl linksuniversalistisch-utopisch (kein Pony ist besser als ein anderes) als auch marktkonservativ (nur Wettbewerb schafft Reichtum) ausgelegt; es gibt eine hochumstrittene Doppelfolge in der fünften Staffel der Serie, die man sowohl als Angriff auf linke Gleichmacherei wie als Polemik gegen rechten Konformitätsdruck lesen kann.

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