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Mr. Tarantino goes shopping Schickt mir die Bastarde her!

04.09.2008 ·  Ein altes Erfolgsrezept kommt wieder in Mode: Amerikanische Regisseure heuern deutsche Schauspieler für Kriegsfilme an. Doch wie gewohnt geht Quentin Tarantino nicht nach „Schema F“ vor: Til Schweiger ist nicht in der Rolle eines deutschen Nazis, sondern als jüdischer G.I. zu sehen.

Von Andreas Kilb
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Eigentlich kennen wir das aus den fünfziger und sechziger Jahren: ein amerikanischer Regisseur dreht seinen neuen Film bei uns, und die Creme der deutschen Schauspielerei steht Schlange für eine Rolle. So hat es John Guillermin bei seinem Kriegsdrama „Die Brücke von Remagen“ gemacht (mit Peter van Eyck, Hans Christian Blech, Sonja Ziemann, Joachim Hansen und Heinz Reincke), und auch Stanley Kubrick griff für seine in den Bavaria-Studios in Geiselgasteig gedrehten „Wege zum Ruhm“ auf einheimische Kräfte zurück (und lernte so seine Frau Christiane kennen, eine deutsche Nachwuchsdarstellerin). Nicht zufällig spielten viele der besetzungsintensiven Großprojekte in einem der beiden Weltkriege: viel Feind', viel Ehr'; viele Nazis im Skript, ergo viele schöne Parts für bekannte German actors vor der Kamera.

Til Schweiger als jüdischer G.I.

In den siebziger Jahren, als der deutsche Film international ein Wörtchen mitzureden begann, kam das deutsch-amerikanische Produktionsmodell aus der Mode. Aber jetzt, in den Jahren des sogenannten neueren deutschen Filmbooms (der in Wahrheit ein Boomchen aus der Fördergeldspritze des Kulturstaatsministers Neumann ist), kehrt es auf einmal zurück. Erst winkte Tom Cruise mit seinem „Valkyrie“-Projekt, und Christian Berkel, Thomas Kretschmann, Matthias Schweighöfer und Wotan Wilke Möhring kamen zum Casting. Jetzt hat Quentin Tarantino mit dem Drehbuch für seinen Zweiter-Weltkrieg-Schocker „Inglorious Bastards“ gewedelt, und prompt gingen Christoph Waltz, Daniel Brühl, Michael Fassbender und schließlich sogar noch Til Schweiger mit an Bord.

„Inglorious Bastards“, das Remake eines Italo-Kriegsfilms des Blutvirtuosen Enzo Castellari von 1978, wird von einer Gruppe jüdisch-amerikanischer Soldaten handeln, die sich im Jahr 1944 hinter den feindlichen Linien durch das besetzte Frankreich schlagen. Brad Pitt soll diese Truppe anführen, und Christoph Waltz wird seinen deutschen Hauptwidersacher verkörpern. Die Nachricht des Tages ist nun, dass Til Schweiger bei Tarantino keinen Nazi, sondern einen jüdischen G.I. spielen wird. Ein bisschen, so scheint es, haben sich die Zeiten tatsächlich geändert. Die blonde Heldin des Films wird übrigens von der Deutschen Diane Krüger dargestellt. Aber die ist zum Glück ein richtiger Hollywoodstar.

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Jahrgang 1961, Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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