http://www.faz.net/-gqz-769lr

Michael Mann zum Siebzigsten : Schauspieler wissen, was sie an ihm haben

Wer auf seine Filme schaut und dann auf die Auszeichnungen, die er erhalten hat, muss ihn zu den am meisten unterschätzten amerikanischen Filmregisseure unserer Zeit zählen: Michael Mann zum Siebzigsten.

          Wenn man die Liste der Filme durchgeht, die Michael Mann in den vergangenen zwanzig Jahren gedreht hat, muss man sagen: Er ist einer der Großen, einer, der auf einem ganz eigenen Weg einen großen Bogen um die Frage gemacht hat, ob Filme nun Kunst seien oder Kommerz oder vielleicht beides in sich vereinen können. Seine Filme, das waren 1992 „Der letzte Mohikaner“, 1995 „Heat“, 1999 „Insider“, 2001 „Ali“, 2004 „Collateral“, 2006 „Miami Vice“ und 2009 „Public Enemies“ - alle außer „Collateral“ auch von ihm geschrieben, fast alle von ihm selbst produziert. Dazu kommt die frühe Thomas-Harris-Verfilmung „Manhunter“ (Blutmond), in der Brian Cox die Figur des Hannibal Lecter spielt, mit der Jahre später im „Schweigen der Lämmer“ Anthony Hopkins berühmt wurde, ein Film, der fünf Oscars gewann, darunter für Jonathan Demme als bestem Regisseur. „Manhunter“, der noch um einiges schauriger und fast völlig so gedreht ist, als sei eine Überwachungskamera am Werk gewesen, was das Motiv des Täters ins Visuelle übersetzt - gesehen werden, um begehrt zu sein -, war keiner Academy, keiner Jury außer der beim „Cognac Festival du Film Policier“ eine Auszeichnung wert gewesen.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Wenn man sich nun anschaut, welche Preise Michael Mann gewonnen hat, muss man sagen: Er ist immer noch einer der am meisten unterschätzten amerikanischen Filmregisseure unserer Zeit. Für den Regie-Oscar war er nur einmal nominiert, und zwar für „Insider“. Das war im Jahr 2000, als er für denselben Film auch als Produzent und Co-Autor hätte gewinnen können. Doch er gewann nichts. Die einzige weitere Oscarnominierung galt Martin Scorseses „Aviator“, den Mann mitproduziert hat. Da ging er ebenfalls leer aus. Auch auf den großen Festivals sieht man ihn fast nie. Im Wettbewerb von Cannes war er einmal. Das ist mehr als dreißig Jahre her, er war mit seinem Debütfilm „Der Einzelgänger“ eingeladen, und gewonnen hat er auch dort: nichts.

          Bewegung, die einem den Atem nehmen können

          In England, wo er studiert und lange Jahre gelebt hat, sind wenigstens die Kritiker von ihm begeistert, und da in seinen Filmen Stars vom Kaliber eines Daniel Day-Lewis, Tom Cruise, Johnny Depp, Christian Bale oder Russell Crowe auftreten und er es geschafft hat, Al Pacino und Robert de Niro aufeinander loszulassen, scheinen auch die Schauspieler zu wissen, was sie an ihm haben. Und das Publikum sowieso: Mann setzt Geschichten in Bewegung um, die einem den Atem nehmen können. Nicht nur in Kamerabewegung, das machen viele, sondern in Körperbewegung.

          Daniel Day-Lewis etwa rennt im „Letzten Mohikaner“ fast zwei Stunden ununterbrochen durch die Wälder, eine leichte Zeitlupe verlangsamt das Ganze nur, wenn er aus dem Bild zu laufen droht. Und Los Angeles, der Schauplatz vieler seiner Filme, sieht bei Mann aus, als könne jede Straße, jedes Haus, jeder Pool im nächsten Augenblick in einen Abgrund rutschen. Dass er mit der Fernsehserie „Miami Vice“ in den Achtzigern neue Standards von Cool gesetzt hat, sei der Vollständigkeit halber erwähnt. Michael Mann, der an diesem Dienstag siebzig wird, sollte endlich mehr gepriesen werden.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Es gruselt weiter an der Spitze

          Kinocharts : Es gruselt weiter an der Spitze

          In Nordamerika drängt sich der Horror-Neueinsteiger „Happy Death Day“ an die Spitze der Kinocharts – trotz unbekannter Schauspieler und Mini-Budget. In Deutschland sorgt Stephen Kings Clown weiterhin für Albträume.

          Topmeldungen

          Auch Andrea Nahles hat in der deutschen Politik schon häufig Erfahrungen mit Sexismus gemacht.

          SPD-Fraktionschefin : Nahles: Viel Sexismus in der deutschen Politik

          Sexismus in der deutschen Politik? Überall, immer wieder, sagt Andrea Nahles und beschreibt typische Situationen. Zumindest in der SPD will die neue Fraktionschefin das nun ändern. Frauen sollten Männer mit ihren eigenen Waffen schlagen.
          Mitte September in München: Urteilsverkündung im Prozess gegen zwei mutmaßliche islamistische Kämpfer aus Syrien. 2017 leitete die Bundesanwaltschaft schon mehr als 900 Verfahren wegen Terrorismus ein.

          Bundesanwaltschaft : 2017 schon mehr als 900 Terror-Verfahren

          Die Zahl der Terrorismus-Verfahren in Deutschland nimmt deutlich zu. Das geht einem Bericht zufolge aus den aktuellen Zahlen der Bundesanwaltschaft hervor. Der rapide Anstieg stellt die Behörde vor große Probleme.

          Krise in Katalonien : Mit harter Hand gegen die Separatisten

          Die Zentralregierung greift härter als erwartet durch, aus Protest gehen hunderttausende Katalanen auf die Straße. Regionalpräsident Puigdemont bezeichnet Madrids Vorgehen gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens als „schlimmste Attacke“ gegen die Region seit der Franco-Diktatur.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.