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Michael Ballhaus über Paul Newman Bloß nicht zu viel Kunst!

Paul Newman war als Schauspieler wie als Regisseur vor allem an Wahrhaftigkeit interessiert. Ein Mann zum Niederknien, doch völlig normal und ohne Allüren - es war die Persönlichkeit, die ihn groß machte. Der deutsche Kameramann Michael Ballhaus erinnert sich.

Zum ersten Mal bin ich Paul Newman 1985 bei der Arbeit an der „Farbe des Geldes“ von Martin Scorsese begegnet. Er war der erste große Hollywoodstar, mit dem ich zu tun hatte. Entsprechend ehrfürchtig näherte ich mich. Ich hatte einen Heidenrespekt und den Eindruck, jetzt drehe ich einen Film mit einem Mythos.

Ich wäre am liebsten vor ihm niedergekniet. Paul hat sich dann aber völlig normal verhalten und hatte überhaupt keine Allüren. Im Gegenteil, er war lieb, hilfreich bei der Arbeit und machte viele Witze. Allerdings hatte er auch spezielle Vorstellungen, was seine Rolle anging. Und Marty (Scorsese) hatte, wie immer damals, ein genau ausgearbeitetes Storyboard, so dass er Pauls Vorschläge fast ausnahmslos zurückwies, was natürlich nicht so einfach war. Also schob Marty Paul gegenüber mir die Schuld in die Schuhe, dass wir so drehten wie geplant, und umgekehrt machte ich es genauso, wenn Paul mit seinen Ideen zu mir kam. Das war ein Spiel, das Paul natürlich bald durchschaute, und irgendwann hörten wir einfach alle damit auf.

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Hilfsbereit und führend - kein Star, der nur für sich selbst spielte

Tom Cruise, der sein Partner war in der „Farbe des Geldes“, hatte gerade mal einen erfolgreichen Film gemacht. Aber die Mädchen schwärmten schon von ihm, und Paul, der immer als Erster am Set war, sagte immer, wenn das Gekreische draußen losging: Hier kommt Tom. Er verhielt sich ihm gegenüber sehr hilfsbereit, er hat ihn geführt und gestützt. Er wusste, dass er mit einem guten Partner selbst auch besser wurde, aber es gibt ja genügend Stars, die das nicht wahrhaben wollen und immer nur für sich selbst spielen.

Michael Ballhaus © ddp Vergrößern Der Kamermann Michael Ballhaus erinnert sich an Paul Newman

Während der Dreharbeiten bekam Tom seinen ersten Porsche. Nun war Paul ja ein begnadeter Rennfahrer. Er brachte Tom also bei, wie das so ging mit dem schnellen Fahren. Sie kamen fröhlich von ihrer Spritztour zurück und erzählten, wie sie ein Hubschrauber verfolgt hatte, als sei es ein Wettrennen gewesen. Das wurde ziemlich teuer für Tom.

Es war die Persönlichkeit, die ihn so groß machte

Kurz darauf habe ich mit Paul Newman als Regisseur die „Glasmenagerie“ gedreht, mit seiner Frau Joanne Woodward in der Hauptrolle. Er war gut mit Schauspielern und konzentrierte sich bei der Regie völlig auf sie. Mit Bildern konnte er weniger anfangen. Ich habe ihm immer wieder Vorschläge gemacht, wollte die Kamera bewegter halten, als er sich das vorstellte, das hat ihn irritiert. Sein Standardspruch war dann: „This is too artsy-fartsy“, zu sehr Kunst, er wollte es gern einfacher, war allerdings mit dem Ergebnis dann ganz zufrieden. „Hi, how is her this morning“, so begrüßte er mich morgens, das war so seine Art von Humor. Freundlich, deftig auch.

Er hat dann irgendwann von einem Freund, der keinen Alkohol mehr trinken durfte, für sehr wenig Geld einen sehr wertvollen Weinkeller gekauft. Ich erinnere mich an Besuche bei ihm, bei denen wir zum Hamburger-Essen Spitzenweine tranken, einfach so, weil sie nun mal in seinem Keller lagen. Ich weiß nicht, ob es solche Männer nach ihm noch geben wird. Solche Karrieren. Ich glaube eigentlich nicht. Es braucht mehr als gute Rollen oder Schauspieltalent dazu. Bei Paul war es schon die ganze Persönlichkeit, die ihn so groß machte.

Der Kameramann Michael Ballhaus ist vor allem durch seine Arbeit mit R. W. Fassbinder und Martin Scorsese berühmt geworden.

Aufgezeichnet von Verena Lueken

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 28.09.2008, 21:14 Uhr

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