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Medien/Wettbewerb Springer bietet Rückzug aus dem Radio an

19.12.2005 ·  Der Axel Springer Verlag hat sich nach F.A.Z.-Informationen gegenüber dem Bundeskartellamt bereit erklärt, aus allen Medienunternehmen auszusteigen, an denen auch Bertelsmann beteiligt ist. Der TV-Beirat soll das Blatt für Springer wenden.

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Der Springer-Konzern will das Bundeskartellamt bis zum 20. Januar nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vor allem mit dem Argument eines Fernsehbeirats für den Sender Sat.1 von der Fusion mit Pro Sieben Sat.1 überzeugen. Dieser soll nicht nur eine „laufende Verhaltenskontrolle“ ausüben, sondern Bestandteil der Senderlizenz werden und die Programmhoheit ausüben.

Dergestalt verrechtlicht, heißt es aus Verlagskreisen, könnte der Beirat das Argument des Kartellamts entkräften, daß die Fusion zu einer „crossmedialen Verstärkung“ zwischen den Fernsehsendern und vor allem der „Bild“-Zeitung führe.

Mehr Macht dem Fernsehbeirat

Darüber hinaus hat Springer dem Kartellamt dem Vernehmen nach am Montag mündlich angeboten, sich von sämtlichen gemeinsam mit Bertelsmann gehaltenen Beteiligungsunternehmen zu trennen, als da sind: das gemeinsame Druckunternehmen Prinovis, verschiedene Radiosender (zum Beispiel „Antenne Bayern“) und Beteiligungen an Presse-Grossounternehmen. Dies, so hofft man in Springer-Kreisen, könne die beiden Annahmen des Kartellamts schwächen, daß Springer seine Stellung auf dem Anzeigenmarkt bundesweiter Tageszeitungen in unzulässiger Weise stärke und es darüber hinaus zwischen den beiden großen Fernsehgruppen Pro Sieben Sat.1 und RTL zu keinem echten Wettbewerb auf dem Fernsehmarkt mehr komme. Das Kartellamt hatte hier von „symmetrischen Märkten“ ohne echten Wettbewerb gesprochen.

Die wirtschaftliche Kontrolle über Sat.1 will Springer zwar behalten, aber selbst die Berufung des Geschäftsführers des Senders könnte dem noch zu bildenden Fernsehrat überlassen sein. Diesen hatte Springer in der Diskussion mit der Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (Kek) entwickelt, deren Bedenken nun weitestgehend ausgeräumt scheinen. Mit der erwarteten Zustimmung der Kek will Springer nun beim Kartellamt einen neuen Anlauf unternehmen, wenngleich sich Kartellamtschef Ulf Böge im Interview der F.A.Z. bereits skeptisch gezeigt hatte, daß der Fernsehbeirat die kartellrechtliche Lage ändere (siehe: ).

Finanziell ist die Situation für Springer etwas angenehmer geworden. Die Übernahme, heißt es, sei jetzt nicht mehr rund 4,2 Milliarden Euro, sondern nur knapp drei Milliarden Euro schwer. Der an Haim Saban und seine Finanzinvestoren zu zahlende Kaufbetrag von rund 2,4 Milliarden Euro bleibt zwar gleich, doch soll der Betrag, der sich aus Schulden, Transaktionskosten und Bonds von Pro Sieben zusammensetzt, jetzt nur noch bei rund 350 Millionen Euro liegen. Hinzu kommen rund 260 Millionen Euro, die das öffentliche Übernahmeangebot an die Besitzer von Vorzugsaktien der Pro Sieben Sat.1 Media AG kostet. Etwas teurer wird der Deal für Springer jedoch, sobald die Transaktion sich über den Beginn des zweiten Quartals 2006 hinauszieht. Dann nämlich werden an Saban & Co., der das Kartellrisiko trägt, dem Vernehmen nach für jeden weiteren Monat fünfzig Millionen Euro „Wartegeld“ fällig, die Springer selbstverständlich vermeiden will.

Quelle: F.A.Z., 20. Dezember 2005
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