05.01.2007 · Das vergangene Jahr war ein gutes für die Kino-Branche. Zahlreiche zugkräftige Filme, meist aus Hollywood, kurbelten das lahmende Geschäft der Kinos an. In diesem Jahr soll das so weitergehen. 2007 wird das Jahr der Fortsetzungen.
Von Marcus TheurerFred Kogel kann nicht klagen. "Wir werden für 2006 ein neues Rekordergebnis ausweisen", sagt der Vorstandschef des Filmproduzenten und Filmverleihers Constantin Film. Vor allem mit der Literaturverfilmung "Das Parfüm" hat Constantin-Produzent Bernd Eichinger an den deutschen Kinokassen einen Volltreffer gelandet. Das Unternehmen rechnet deshalb für das vergangene Jahr mit einem Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von mehr als 14,8 Millionen Euro. Der börsennotierte Münchner Mittelständler Constantin Film ist in einem stark von amerikanischen Produzenten dominierten Kinomarkt das größte deutsche Filmunternehmen.
Auch hoch im Norden der Republik sieht man zumindest Licht am Ende des Tunnels. "Wir hatten ein sehr gutes zweites Halbjahr und stehen heute viel besser da als Anfang 2006", sagt ein Sprecher der Hamburger Kinokette Cinemaxx, die zu den größten deutschen Filmtheatergruppen gehört. Im ersten Halbjahr war es der ebenfalls börsennotierten Cinemaxx bereits gelungen, operativ wieder einen kleinen Gewinn zu erwirtschaften. Ein Hoffnungsschimmer für den in den vergangenen Jahren hart gebeutelten und finanziell angeschlagenen Großkinobetreiber. Auch Konkurrenten wie UCI und Cinestar waren angesichts der Kinokrise in Bedrängnis geraten.
Besucherplus von 8 Prozent
2006 kam das Geschäft an den Kinokassen dagegen wieder in Schwung. Das Marktforschungsinstitut Nielsen EDI schätzt das Besucherplus auf rund 8 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 127 Millionen Zuschauern. Der Umsatz dürfte wegen höherer Kartenpreise sogar um knapp 10 Prozent angezogen haben, kalkulieren die Statistiker. Auch in den Vereinigten Staaten, dem größten Kinomarkt der Welt, zeigen Besucher- und Umsatzzahlen aufwärts. "Vor einem Jahr haben viele das Kino totgesagt, das war vorschnell", sagt Bernd Zickert von Nielsen. 2005 waren die Besucherzahlen noch um 19 Prozent eingebrochen, ein beispielloser Exodus an den Kinokassen. Neben schwachen Filmen machten auch der Siegeszug der DVD und das Raubkopieren von Filmen der Branche zu schaffen.
Traumziele von 200 Millionen Zuschauern im Jahr, die viele in der Branche noch vor wenigen Jahren propagiert haben, sind zwar nach wie vor weit entfernt. Doch immerhin geht es wieder aufwärts.
Dank an Hollywood
Zu verdanken haben die deutschen Kinos den Aufschwung vor allem der Filmschmiede Hollywood. "Die großen amerikanischen Filmstudios brachten eine Reihe wirklicher Kassenschlager", sagt Constantin-Chef Kogel. Allein die Fortsetzungen von "Ice Age" und "Fluch der Karibik" lockten hierzulande zusammen fast 16 Millionen Zuschauer vor die Leinwände. Hinzu kam der Überraschungserfolg des WM-Films "Deutschland. Ein Sommermärchen", der vom Leipziger Filmverleiher Kinowelt vermarktet wurde. Auch andere deutsche Filme wie der Stasi-Thriller "Das Leben der Anderen" und die Märchenparodie "Sieben Zwerge - Der Wald ist nicht genug" von Otto Waalkes waren in den vergangenen Monaten Publikumsmagneten.
Optimisten erwarten gar, dass die Fußball-Weltmeisterschaft mit ihren zahlreichen Spielübertragungen auf Großleinwänden (Public Viewing) dem Kino auch längerfristig helfen kann. "Die WM hat vielen Deutschen gezeigt, wie schön das Gemeinschaftserlebnis vor einer Leinwand sein kann", sagt der Sprecher von Cinestar.
2007 - das Jahr der Fortsetzungen
Zuversichtlich ist die Kinobranche auch für dieses Jahr. "Die Versorgung mit vielversprechenden Filmen ist überdurchschnittlich", erwartet Constantin-Chef Kogel. Hoffnung machen allerdings vor allem Neuauflagen erfolgreicher älterer Produktionen. Ob "Harry Potter", "Spiderman 3", "Fluch der Karibik 3" oder "Shrek 3" - 2007 wird wieder einmal das Jahr der Fortsetzungen. Constantin will vor allem mit dem neuesten Werk von Erfolgsproduzent Michael Herbig ("Traumschiff Surprise", "Schuh des Manitu") punkten. Der für den Spätsommer geplante Zeichentrickfilm "Lissi und der wilde Kaiser" ist eine Persiflage auf die Sissi-Filme der fünfziger Jahre. Vorstandschef Kogel sieht das Kino weiter im Aufwind: "Ein Besucherplus von 5 bis 10 Prozent ist im Kinomarkt auch 2007 drin."