24.01.2005 · Das Adolf Grimme Institut in Marl bekommt einen neuen Geschäftsführer. Uwe Kammann, leitender Redakteur von „epd medien“, ersetzt den im Streit scheidenden Bernd Gäbler.
Das Adolf Grimme Institut in Marl bekommt einen neuen Geschäftsführer. Es ist Uwe Kammann, der leitende Redakteur des in Frankfurt erscheinenden Fachdienstes „epd medien“.
Kammann löst den scheidenden Grimme-Chef Bernd Gäbler ab, der seinen Job heute morgen überraschend hinwarf. Ihm war von den Gesellschaftern des Instituts, das vor allem für die Vergabe des gleichnamigen Grimme-Fernsehpreises bekannt ist, eine Verlängerung seines Vertrages bis zum 31. Juli dieses Jahres angeboten worden. Doch wolle er nicht, erklärte Gäbler, als „Lückenbüßer“ herhalten. Nach drei Jahren erfolgreichen Wirkens seien die strategischen Gemeinsamkeiten erschöpft, schrieb Gäbler den Gesellschaftern des Grimme-Institus.
Abrupter Rücktritt
Mit seinem abrupten Rücktritt - Zeichen eines seit einiger Zeit vermuteten Zerwürfnisses - kam Gäbler der bereits seit längerer Zeit vorbereiteten Ankündigung seines Nachfolgers zuvor, der dem Vernehmen nach einen Fünfjahresvertrag erhält. Doch war diese bis zur Rückkehr Gäblers nach längerer Krankheit zurückgehalten worden.
Gäblers regulärer Vertrag war bereits zum Jahreswechsel beendet, und im vergangenen Dezember hatten sich die Gesellschafter von Grimme auch schon auf Kammann als neuen Institutschef verständigt. Den Posten wird er nun wohl nicht erst, wie eigentlich geplant, am 1. August antreten, sondern sobald als möglich. Die Gesellschafter wollen darüber, wie es auf Anfrage hieß, in den nächsten Tagen beraten. Der scheidende Institutschef hat ihnen den geplant ruhigen Übergang an der Spitze durchaus verdorben.
Lilienthal folgt auf Kammann
Die Position des neuen Grimme-Chefs Kammann bei dem Fachdienst „epd medien“ übernimmt derweil der bisherige Stellvertreter in der Redaktion, Volker Lilienthal. Er hat sich vor allem einen Namen als investigativer Journalist gemacht. Zuletzt hatte er etwa das heimliche Sponsoring etlicher Sendungen beim ZDF aufgedeckt (unter anderem der Serie „Sabine!“), vor zweieinhalb Jahren hatte er in einzigartiger Manier die NS-Vergangenheit des Evangelischen Pressedienstes epd selbst enthüllt und davor maßgeblich dazu beigetragen, daß die Legende der sauberen Vergangenheit des Bertelsmann-Konzerns im Dritten Reich in sich zusammenfiel. Von der Journalistenvereinigung „Netzwerk Recherche“ wurde Lilienthal kürzlich in Mainz mit dem „Leuchtturm“-Preis für seine außergewöhnlichen Recherchen geehrt.
„Das ist eine sehr reizvolle Aufgabe“, sagte indes der neue Grimme-Chef Kammann im Gespräch mit der F.A.Z. zu seinem Posten, der ihn vom Main in das einstmals als sozialdemokratische Mustersiedlung geplante Marl am Nordrand des Ruhrgebietes verschlägt, das Reisende vor allem aufgrund seiner massiven Zubetonierung der sogenannten Innenstadt beeindruckt.
„Was da ist“
Kammann will seine Aufgabe ganz im Sinne des Grimme-Preis-Gründers Bert Donnepp verstanden wissen, „das Projekt mit dem Fernsehen“ in stetiger Revision dessen zu begleiten, „was da ist“. „Wir erwarten von Uwe Kammann, daß er die Einzigartigkeit des Preises unter den deutschen Medienpreisen erhalten und die besondere Qualität des Institutes, die enge Verbindung von Medien und Erziehung, in der Projektarbeit weiterführen wird“, erklärten die Gesellschafter von Grimme.
Der neue Grimme-Chef Kammann wurde 1948 in Bünde geboren, er leitet „epd medien“ seit 1984, seine Laufbahn als Journalist begann er, nach dem Studium der Germanistik und Romanistik, als Redakteur der „Rheinischen Post“ in Düsseldorf, 1978 wechselte er zum Evangelischen Pressedienst. Dem Grimme-Institut ist er als einflußreicher Juror des Fernsehpreises seit 25 Jahren verbunden.
Organisisiert ist das vorwiegend aus öffentlichen Geldern finanzierte Adolf Grimme Institut als gemeinnützige GmbH, Gesellschafter sind der Deutsche Volkshochschulverband, der das Projekt einst ins Leben rief und zunächst allein trug, der Westdeutsche Rundfunk, das ZDF, die Landesmedienanstalt in Düsseldorf, die NRW Medien GmbH (im Auftrag des Bundeslandes) und die Stadt Marl. Zur Zeit wird darüber verhandelt, daß anstelle des Landes NRW, das über die NRW Merdien GmbH zu 12,12 Prozent an Grimme beteiligt ist, die Filmstiftung NRW eintritt.