16.11.2005 · Die Gesellschafter des „Spiegel“-Verlags haben nach ihrer Versammlung am Mittwoch eine Ehrenerklärung aller für alle abgegeben. Die öffentliche Kritik am Blatt und seinem Chefredakteur wird zurückgewiesen.
Vor der Sitzung der „Spiegel“-Gesellschafter an diesem Mittwoch waren Meinungsverschiedenheiten unverkennbar, danach gab es eine Ehrenerklärung aller für alle: „Alle Gesellschafter des ,Spiegel'-Verlages haben auf ihrer heutigen Versammlung die öffentliche Kritik am ,Spiegel', seiner Redaktion und seinem Chefredakteur zurückgewiesen. Das Vertrauen in die Kompetenz der Redaktion und des Chefredakteurs ist durch die Diskussion aus Sicht der Gesellschafter in keiner Weise in Frage gestellt“, hieß es am späten Nachmittag.
Damit stellen sich nicht nur, wie vor dem Wochenende bereits kundgetan, der Gruner + Jahr-Verlag (25,5 Prozent) und die Mitarbeiter KG (50,5 Prozent) hinter die Redaktion und deren Chef, Stefan Aust. Es wird auch unverkennbar, daß Jakob Augstein, der unter den Gesellschaftern die Augstein-Erben mit ihrem Anteil von 24 Prozent vertritt, die geharnischte Kritik seiner Schwester Franziska am „Spiegel“ und dessen Chefredakteur nicht teilt. Das Magazin habe „seinen Platz als Leitmedium verloren“ und sei „zu einem geschwätzigen Blatt unter anderen“ geworden, hatte sie in der vergangenen Woche in Berlin gesagt und gemeint: „Der Fisch stinkt vom Kopf.“ Seither hatten sich die Reihen beim „Spiegel“ geschlossen, die Ressortleiter hatten die Kritik in einem offenen Appell zurückgewiesen und Franziska Augstein persönliche Motive für ihre Abrechnung angelastet.
Noch offen ist, ob die Gesellschafter, wie beabsichtigt, den Ankauf des Kulturmagazins „Monopol“ beschlossen haben. Für siebzehn Uhr war eine große Aussprache der Mitarbeiter KG angesetzt, deren Sprecher Thomas Darnstädt durch seine Äußerungen, warum der Chefredakteur Stefan Aust zu der Gesellschaftersitzung geladen werden sollte, für eine Kontroverse gesorgt hatte.