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Medien : Feldherr der Finsternis

Gegen Heuschrecken: Der „Berliner Kurier” stellt sich quer Bild: dpa/dpaweb

Bisher ist ihm noch jeder große Deal geplatzt: Warum der britische Medienunternehmer David Montgomery, der die „Berliner Zeitung“ und den „Berliner Kurier“ kaufen will, so gefürchtet ist.

          Seine Freunde nennen ihn „Monty“. So hieß der berühmte General Montgomery unter seinen Soldaten. Aber die Untergebenen bei der Mirror-Gruppe, die unter David Montgomerys autokratischem Führungsstil stöhnten, gaben ihm den Beinamen Rommel, in Anspielung auf den Wüstenkrieg, in dem sich die beiden Feldmarschalle Montgomery und Rommel gegenüberstanden.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          David Montgomery gilt als eiskalter Manager, der wenig über sich preisgibt und es als Schwäche empfindet, Gefühl zu zeigen. Er stellt den Dienst vor alles andere und verlangt den gleichen Einsatz von seinen Mitarbeitern. Das Familienleben kommt dabei zu kurz, was wohl eher erklärt, weshalb der bald 57jährige jetzt in dritter Ehe verheiratet ist, als daß er den Frauen schöne Augen machte.

          Hartnäckig und finster

          Das Adjektiv, das am häufigsten mit seinem Namen in Zusammenhang gebracht wird ist „dour“, was zugleich hartnäckig und finster heißen kann. Alan Watkins, langjähriger Kolumnist des „Independent on Sunday“, an dem sich die Mirror-Gruppe unter Montgomerys Führung 1994 beteiligte, sagte einmal, der Begriff „dour“ verbinde sich so unweigerlich mit ihm, wie Speck nicht von Spiegelei zu trennen sei.

          Montgomery ist ein asketischer Protestant aus Nordirland, der sich für die Sache der Ulster-Unionisten leidenschaftlich engagiert hat. Wenige wissen, daß er als Mittler zwischen Downing Street und dem Unionisten-Führer David Trimble maßgeblich an dem nordirischen Friedensprozeß beteiligt war. Vor einem Treffen mit Trimble pflegte Blair sich bei Montgomery zu erkundigen, wie die Stimmung sei. Seine Verbundenheit mit den Unionisten demonstrierte Montgomery auch mit einer umstrittenen Kampagne im Belfaster „News Letter“. Das Blatt gehört zu der kleinen irischen Zeitungsgruppe, die er 2003 zusammen mit der Risikokapitalfirma 3i erwarb und jetzt mit Gewinn wieder verkauft hat. Bei den Verhandlungen vor zwei Jahren war Montgomery lediglich als Berater ausgegeben worden, obwohl er sich auch persönlich an dem Geschäft beteiligte. Doch kaum war der Vertrag unterzeichnet, erschien er in der Redaktion. Er gilt als der Verfasser eines kämpferischen Leitartikels mit dem Titel „Put the Pride back in Protestant“, mit dem er den über die Konzessionen an die irischen Nationalisten verdrossenen Unionisten wieder Mut zu machen versuchte.

          Stellvertretender Chef-Unterredakteur

          Der steile Aufstieg im britischen Boulevardjournalismus begann nach dem Studium der Politikwissenschaften und Geschichte an der Queen's University, Belfast, auf der tiefsten Sprosse der Karriereleiter. Montgomery fand beim „Mirror“-Büro in Manchester, wo die sogenannte Nord-Ausgabe produziert wurde, eine Einstellung als „sub-editor“. Die sogenannten „Unterredakteure“ sind im britischen Zeitungswesen allein für das Redigieren und Kürzen von Artikeln zuständig, schreiben aber nicht selbst. Montgomery avancierte in London zum stellvertretenden Chef-Unterredakteur und wechselte dann als leitender Unterredakteur zu Murdochs „Sun“, wo er dem für durchgreifende Führungsfiguren empfänglichen Eigentümer hinreichend Eindruck machte, um mit dem Chefredakteursposten des sonntäglichen Sensationsblattes „News of the World“ betraut zu werden.

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