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„Maus“-Reporter Armin Maiwald : Vater der tierischen Querdenkerin

  • -Aktualisiert am

Ein roter Teppich für die Maus Bild: WDR/Grafik Streich

Das mächtigste Leittier des Kinderfernsehens ist eine Maus. Armin Maiwald hat sie erfunden. Nun feiert die Maus ihren fünfunddreißigsten Geburtstag - und steht noch heute konkurrenzlos da.

          Sorgfältig setzt die Maus einen Schritt vor den anderen, und manch einer kennt das Klack-Klack ihrer stämmigen Füße nun seit fünfunddreißig Jahren. Wenn sie sich etwas anschaut, hält sie inne, klappt die Augendeckel in aller Ruhe zu, dann wieder auf, und auch dieses gemächliche Klick-Klick ist uns vertraut.

          Außerdem ist die Maus eine Querdenkerin: Sie findet stets ungewöhnliche Lösungen, nimmt sich Freiheiten heraus, auf die ihre Zuschauer nicht kommen würden, und geht genauso sachlich wie zielstrebig an die Dinge heran, die sie interessieren. Ihre Zugangsweise ist von logischer Direktheit und daher oft überraschend. Sie ist das Urviech unter den Kinderfernsehfiguren unseres Landes, nicht wegzudenken aus dem Programm. Das galt vor der Etablierung des Kinderkanals, und es gilt heute erst recht, obwohl sie soviel Konkurrenz hat wie nie.

          Kleine, feste Schritte

          Armin Maiwald ist ihr erstaunlich ähnlich. Zwar klackert und klickert es nicht, wenn er geht und guckt, und seine Augen sind deutlich kleiner als ihre. Aber auch er nähert sich mit kleinen und festen Schritten seinem Ziel, jede Woche neu, und wie sie faßt er eine Sache in aller Ruhe genau ins Auge, bevor er sie begreifbar macht. Dabei kann er sich Freiheiten herausnehmen, die oft Überraschendes zutage fördern. Und genausowenig, wie die Maus aus dem Kinderfernsehen wegzudenken ist, ist er es aus ihrer Sendung. Mit sich selbst in der Hauptrolle produziert er die Herzstücke der „Sendung mit der Maus“, kurze Wissensfilme, mit denen er Kinderfragen beantwortet. Ein Urgestein des Kinderprogramms ist Maiwald, einer der prägenden Köpfe der ersten Stunden für die kleinen Zuschauer der sechziger Jahre, die vor ihm fast nur Basteltanten kannten. Und für ihre Kinder, deren Medienhorizont beängstigend weit geworden ist, ist er immer noch eine feste Größe.

          Sie findet stets ungewöhnliche Lösungen

          Eigentlich müßte es albern wirken: In diesem auf Jugend getrimmten, ins Kindliche verliebten Medium ist ausgerechnet eine Sendung am beliebtesten und langlebigsten, in der zwei nicht mehr ganz junge Herren herumturnen, Sachen ausprobieren, Fragen stellen, auf die kein vernünftiger Mensch kommt, und nicht ruhen, bis sie die richtige Antwort haben. Aber es ist nicht albern. Das liegt daran, daß beide Herren, Armin Maiwald und Christoph Biemann, alles mögliche sind, nur nicht onkelhaft. Zum Beispiel neugierig bis zum Gehtnichtmehr. „Wir recherchieren, bis der Arzt kommt“, ist Maiwalds Antwort auf die Frage nach dem Erfolgsgeheimnis seiner Filme, die trotz vieler Nachahmungsversuche immer noch die besten ihrer Art sind. Die Kinder lieben sie, weil sie spüren, daß „der Armin“ die Antworten ebenso genau wissen will wie sie selbst, oder sogar noch genauer - ob es nun um die Frage geht, warum der Himmel blau ist oder darum, wie eine Dose Ravioli verschlossen und später wieder geöffnet wird.

          Oft langwierige Vorbereitung

          Armin Maiwald, inzwischen sechsundsechzig Jahre alt, ist nicht im geringsten kindlich, genausowenig wie er ein Opa-Typ ist. Das Zauberwort heißt Authentizität. Kindern tut es gut, statt der sich seltsam gebärdenden Berufsjugendlichen auf dem Bildschirm einmal einen unauffälligen erwachsenen Mann in Jeans, mit grauen Haaren und Brille zu sehen, der sich völlig selbstverständlich vor der Kamera bewegt und auch ganz normal spricht. Diese eingesprochenen Texte sind inzwischen berühmt. Sie werden gerne „einfach“ genannt, sind aber vor allem genau und damit das Ergebnis einer oft langwierigen Vorarbeit. Wenn überhaupt etwas kindlich ist an ihm, dann seine Neugierde und die Begeisterung über Antwort-Fundstücke. Aber diese Grundhaltung sollte sich eigentlich jeder Mensch aus der Kindheit hinüberretten, meint Maiwald. Deshalb wundert er sich auch nicht über die vielen Erwachsenen, die seine Sendungen schauen. Infantilismus ist für ihn etwas anderes: „Wie kann sich einer hinsetzen und so was wie ,Dschungel Camp' angucken?“ fragt er kopfschüttelnd.

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