30.03.2009 · Seine epische Musik zu Filmen wie „Doktor Schiwago“ und „Lawrence von Arabien“ führte ihn zum Weltruhm: Der französische Komponist und Oscarpreisträger Maurice Jarre ist im Alter von 84 Jahren gestorben.
Von Michael AlthenFür jemanden, der ausgerechnet die Stille für das Wichtigste in der Filmmusik hielt, hat Maurice Jarres Name einen mächtigen Klang. Kaum ein anderer Filmkomponist wird so sehr mit seinen Erfolgen identifiziert wie er. Vor allem mit jener Notenfolge aus „Doktor Schiwago“, die als „Lara's Theme“ bekannt wurde, hatte er einen Ohrwurm geschrieben, der als „Some where My Love“ 1966 die Hitparaden eroberte.
Ursprünglich hatte Regisseur David Lean an etwas gedacht, das er für eine russische Volksweise hielt, das sich aber als Stück entpuppte, dessen Rechte er nicht bekam. So schickte er Maurice Jarre los, er solle mit seiner Freundin in die Berge fahren und ein Stück für sie schreiben. Jarre selbst war weniger begeistert davon, dass Laras Thema im Film immer wieder angespielt wird, aber das sorgte eben auch dafür, dass die Balalaika-Melodie wie ein Parfum den Film mit der Sehnsucht nach Julie Christie durchzieht.
Weltkarriere eines Spätberufenen
Dafür erhielt Jarre den zweiten von drei Oscars, die er alle David Lean verdankt. Den ersten trug ihm „Lawrence von Arabien“ ein, zu dem er eigentlich nur einen kleinen Teil der Musik schreiben sollte. Der Produzent Sam Spiegel wollte Aram Chatschaturjan für die Wüstenszenen, Benjamin Britten für den Teil, der in England spielt, und Jarre für den dramatischen Rest. Als die beiden anderen absagten, entschied Lean, nachdem er Jarres Thema auf dem Klavier gehört hatte, dass er den ganzen Score komponieren solle. Für Leans letzten Film „Reise nach Indien“ bekam Jarre noch einen Oscar, aber seine Lieblingskomposition blieb die für „Ryan's Tochter“.
Ehe er mit Lean zu Weltruhm gelangte, hatte Maurice Jarre schon eine beachtliche Karriere in seiner Heimat hinter sich. Der 1924 in Lyon geborene Franzose war erst spät zur Musik gekommen, hatte sich am Pariser Konservatorium eingeschrieben, war dann für Jean Vilars Thétre National Populaire tätig gewesen und fing in den Fünfzigern mit Musiken für Georges Franju an, für die er die Ondes Martinot einsetzte, eine Art Vorläufer des Synthesizers. Nach „Lawrence von Arabien“ ging er nach Hollywood, wo er für John Huston und Hitchcock, William Wyler und Elia Kazan komponierte, alles in allem 150 Filmmusiken.
Seine schönsten späteren Stücke hat er vielleicht für Peter Weir geschrieben, den Bau der Scheune in „Der einzige Zeuge“ und den späten Triumph des Lehrers im „Club der toten Dichter“. Eine andere Zusammenarbeit bescherte der Berlinale vergangenen Monat einen bewegenden Moment, als Volker Schlöndorff dem Komponisten der „Blechtrommel“ und der „Fälschung“ den Ehrenbären überreichte und der gebrechliche Jarre das goldene Tier zärtlich im Arm wiegte. Am Sonntag ist Maurice Jarre in Los Angeles gestorben.