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Maureen O'Hara zum Neunzigsten : Die Königin von Technicolor

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Die temperamentvolle irische Schauspielerin verlieh Hollywoods Abenteuern durch ihr feuriges Temperament einen Schuss Eigensinn. Ihre feuerroten Haare und smaragdgrünen Augen machten Maureen O'Hara zur Königin von Technicolor.

          Als man sie im Alter von siebzehn Jahren bei Testaufnahmen in den Londoner Elstree-Studios in ein Goldlamékleid steckte und ihr Gesicht mit Schminke zupflasterte, sagte sie: „Heilige Mutter Gottes, ich bin doch nicht Mata Hari. Wenn das beim Film wirklich so läuft, dann will ich nichts damit zu tun haben.“ Und so wäre es wahrscheinlich auch gekommen, wenn nicht Charles Laughton die Aufnahmen gesehen und beschlossen hätte, ihr einen Siebenjahresvertrag nach Dublin zu schicken.

          Damals hieß sie noch Maureen FitzSimons, Tochter eines Hutmachers und einer Sängerin, war das zweite von sechs Kindern und hatte eine Ausbildung in der „Ena Mary Burke School of Drama and Elocution“ in Dublin genossen. Weil ihre Mutter aber fand, dass sie wie jedes gute irische Mädchen auch etwas Ordentliches lernen müsse, bekam sie auch noch eine Ausbildung in Stenographie und Schreibmaschine, wovon später John Ford profitierte, für den sie das Drehbuch zu „The Quiet Man“ tippte.

          Im Jahr 1939 spielte sie unter ihrem Künstlernamen O'Hara an Charles Laughtons Seite in Hitchcocks „Jamaica Inn“ und wurde von Laughton auch gleich für den „Glöckner von Notre-Dame“ vorgeschlagen, wo sie als Zigeunerin Esmeralda den Bösewicht Frollo um den Verstand bringt und Quasimodo am Ende daran verzweifeln lässt, dass er nicht aus Stein ist wie die Wasserspeier um ihn herum.

          Feuriges Temperament

          Maureen O'Hara hatte zwar Heimweh, konnte aber wegen des Kriegs nicht zurück in ihre Heimat, begegnete dann aber John Ford, der in ihr die ideale Verkörperung seiner irischen Wurzeln sah. Fünf Mal spielte sie bei ihm, zuerst in „How Green Was My Valley“, dann in „The Quiet Man“, „Rio Grande“, „The Long Gray Line“ und „The Wings of Eagles“, wo John Wayne sie „meinen Tizian-haarigen Liebling“ nennt. Ihre feuerroten Haare und smaragdgrünen Augen machten sie zur Königin von Technicolor, auch wenn dieses Attribut gelegentlich auch Maria Montez und Rhonda Fleming zugeschrieben wird. Diese Farben wurden dann auch in entsprechend bunten Abenteuerfilmen zur Geltung gebracht: „Der Seeräuber“, „Der Seeteufel von Cartagena“, „Die Prinzessin der Wüste“, „Die Flamme von Arabien“, „Der Feuerkopf von Wyoming“ oder „Feuer über Afrika“. Schon den Titeln ist zu entnehmen, dass sie darin ihr feuriges Temperament ausleben durfte - bis dann eben der Richtige kam, um sie zu zähmen. Später sagte sie über ihre Partner, heutzutage gebe es unter den Männern gar kein richtigen Draufgänger mehr: „Sie haben sogar verlernt, wie man mit den Augen zwinkert. Das vermisse ich eigentlich am meisten, das Augenzwinkern.“

          Was die Filme anging, meinte sie: „Ich liebte die Schleier, die Kamele und das ganze Drumherum. Es war sogar so, dass meine Familie mich, wenn sie mich aufziehen wollten, Maureen Sahara nannte.“

          Eine märchenhafte Schäferin mit rostrotem Haar

          Maureen O'Hara tauchte regelmäßig in den Listen der schönsten Frauen der Welt auf, und ihr Ruhm überdauerte schon deswegen ihre in den Sechzigern zu Ende gehende Karriere, weil im Fernsehen jedes Jahr zu Weihnachten „Das Wunder von Manhattan“ ausgestrahlt wird - und am St. Patrick's Day jedes Mal „The Quiet Man“, eine irische Phantasie, deren Verkörperung Maureen O'Hara ist. Der Regisseur Lindsay Anderson schrieb darüber: „Der erste Anblick von ihr ist mit einem geradezu präraffaelitischem Vergnügen am Farbenspiel inszeniert. Eine märchenhafte Schäferin mit rostrotem Haar, der gelbe Ginster im Vordergrund, die grünen Hügel in der Ferne.“ Und wenn John Wayne sich dann fragt, ob sie real sei, bekommt er zur Antwort, das sei nur der Durst, der ihm das vorspiegele. Umso überraschter ist Wayne dann, wenn sich herausstellt, wie handfest diese Frau ist und wie eisern sie daran festhält, dass die Ehe erst vollzogen wird, wenn für die Mitgift gesorgt ist.

          Im wirklichen Leben war Maureen O'Hara drei Mal verheiratet: die erste Ehe mit neunzehn wurde bald annulliert, die zweite scheiterte am Alkohol, und die dritte mit Flieger-As Charles F. Blair jun. endete tragisch mit seinem Flugzeugabsturz. Als Witwe führte sie seine Flugbootlinie auf den Antillen weiter. Aber wie es sich für ein gutes irisches Mädchen gehört, hat sie noch ein Haus in Glengarriff. Und es heißt, sie gehe im örtlichen Pub immer noch zum Stammtisch. Vermutlich auch, wenn sie heute, am Dienstag, neunzig wird.

          Quelle: F.A.Z.

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