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Marie Versini zum Siebzigsten Die kleine Schwester Winnetous

10.08.2010 ·  Für viele Mädchen war es ein Traum: Ein Leben an der Seite Winnetous, geschmückt mit schwarzen Zöpfen und besticktem Lederkleid. Dass er für Marie Versini wahr wurde, scheint die Schauspielerin noch heute zu überraschen.

Von Verena Lueken
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Gibt es heute noch kleine Mädchen, die sich nichts sehnlicher wünschen als lange schwarze Zöpfe? Die davon träumen, Winnetous Schwester zu sein, im Kampf verletzte Apachen zu pflegen, Old Shatterhand mit Kompressen aus Heilkräutern und unermüdlichem Auflegen nasser Lappen aus dem Koma zu erwecken, um ihm das Herz zu stehlen und schließlich, auch das, in seinen Armen den letzten Atemzug zu tun? Eher unwahrscheinlich.

Aber für einige Generationen kleiner Mädchen war das der erste Traum von einem anderen Leben. Und dass am Anfang dieses Traums die dicken schwarzen Zöpfe standen und ein besticktes Lederkleid über schmalen Hosen, das hatte weniger mit Karl May als mit Marie Versini zu tun.

Auch sie, so schreibt sie in ihrem Buch „Ich war Winnetous Schwester“, träumte diesen Traum. Dass er für sie wahr wurde und sie 1963 in Harald Reinls Karl-May-Verfilmung „Winnetou I“ die Nscho-Tschi spielen durfte (und später noch einmal in „Winnetou und sein Freund Old Firehand“, außerdem andere dienstwillige junge Frauen in „Der Schut“, „Im Reiche des silbernen Löwen“ und in „Durchs wilde Kurdistan“), scheint sie bis heute zu überraschen.

Für die Kinder der sechziger Jahre ist sie die Nscho-Tschi geblieben

Immerhin war die „junge, sehr reizvolle, schmalgliedrige Französin“, wie es in der F.A.Z.-Kritik vor fast siebenundvierzig Jahren hieß, auf Frankreichs Bühnen schon vorher einigermaßen beschäftigt gewesen, hatte in Jean-Louis Barraults Theatertruppe mitgemacht und bei den Festspielen in Arles Shakespeares Julia gespielt. Aber die Nscho-Tschi blieb die Rolle, an die sich alle, für die die Karl-May-Verfilmungen der sechziger Jahre Teil der Kindheit waren, immer noch erinnern.

Die Erinnerung aufzufrischen und wieder mal in einen dieser Filme hineinzuschauen ist keine gute Idee. Kleinmädchenträume halten dem Altern nicht stand. Auch deshalb ist es kaum zu glauben, dass Marie Versini an diesem Dienstag siebzig wird.

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