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Marc Conrad geschasst : Der Untergang des Hauses RTL

In Zeiten der Ratlosigkeit: RTL-Quotenflop „Die Bachelorette” Bild: RTL

Die ersten hundert Tage waren seine letzten: Der neue RTL-Geschäftsführer Marc Conrad muß seinen Posten abgeben. Die Entscheidung zeigt, unter welchem Druck der Sender steht und wie sehr die Dinge aus dem Lot geraten sind.

          Der Sender RTL hält es in der Fernsehbranche seit einiger Zeit wie die Union in der Bundespolitik: Er verliert die Führung oder zumindest die Fassung. Es könnte alles so schön sein bei den aufs Marktführen geeichten Kölnern, ist es aber nicht: Nach nur dreieinhalb Monaten muß der neue Geschäftsführer Marc Conrad seinen Posten abgeben.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Es sei eine gemeinsame Entscheidung gewesen, sagt der Chef der RTL-Gruppe, Gerhard Zeiler, der Conrad selbst ablöst und damit den Job wieder übernimmt, den er eigentlich wegen Arbeitsüberlastung im vergangenen November abgegeben hatte. Es war Zeilers Entscheidung, sagt Conrad gegenüber dem Fachdienst epd medien. Es ist auf jeden Fall eine Entscheidung, die verdeutlicht, wer die Geschicke bei RTL - dem größten Gewinnbringer der Bertelsmann AG - lenkt. Und es ist eine, die zeigt, unter welchem Druck der Sender steht und wie sehr die Dinge aus dem Lot geraten sind.

          Vox-Chefin Anke Schäferkordt neue Stellvertreterin Zeilers

          Sie sind so sehr aus dem Lot, daß am Mittwoch, am Tag vor der Bekanntgabe der Demission Conrads, bei besagtem Fachdienst epd medien sein erstes und zugleich letztes Interview als Chef von RTL erschien, in dem er Perspektiven für den Sender eröffnet, die - sage und schreibe - bis ins Jahr 2009 reichen. Geführt worden war das Gespräch am Donnerstag vor einer Woche, am Montag abend erfuhr Conrad, daß sich sein Amtsvorgänger und Chef Zeiler gegen ihn entschieden hatte. Ohne Angabe von Gründen, wie es heißt. Die konnte Gerhard Zeiler leider auch im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nicht präzisieren.

          Die alt-neue RTL-Spitze: Zeiler und Schäferkordt

          Man habe die Entscheidung gemeinsam gefällt, sagte er, doch sei sie nicht über Nacht gefallen. Manchmal kämen die Dinge eben anders, als man es sich vorgestellt habe. Doch hegten er und Marc Conrad den "gemeinsamen Wunsch, aus dieser Situation als Freunde herauszugehen". Als klare Nummer zwei im Sender, sagte Zeiler weiter, werde im Sender nun die Vox-Chefin Anke Schäferkordt als seine Stellvertreterin positioniert. Während er sich gemeinsam mit Frank Berners um das Programm kümmern will, soll sie sich um die Direktionen Finanzen, Technik, Information, Medienpolitik und die Vermarktung sorgen, ihre Nachfolge bei Vox werde baldmöglichst geregelt.

          Er schwieg - bis es zu spät war

          Somit ist im Augenblick der Absetzung Conrads die Nachfolge schon geregelt und dürfte vorgezeichnet sein, daß nach einer Übergangsphase Anke Schäferkordt nicht nur stellvertretende, sondern die Geschäftsführerin von RTL ist. Sie hat den Sender Vox als kleines, aber feines Beiboot im Geleitzug der RTL-Sender positioniert und genießt - das ist der springende Punkt - das Vertrauen Zeilers und der Werbewirtschaft. Diese hatte in den letzten Wochen zunehmend rumort und sich zum Teil öffentlich gefragt, wohin die Reise mit RTL denn gehe. Marc Conrad aber schwieg beharrlich, bis es - zu spät war. Weder nach innen noch nach außen habe er rechtzeitig für Orientierung gesorgt, heißt es aus Senderkreisen. Sondern im Innern eher für kreatives Chaos gesorgt. Und dabei sei nichts wichtiger, als daß sich eine Marke wie RTL über eine markante Persönlichkeit profiliere. "Personal branding" nennen das die Fachleute.

          Doch sollte es ausgerechnet Marc Conrad daran mangeln? Der bei seinem Antritt im November noch mit viel Vorschußlorbeer als Heilsbringer angekündigt wurde, als ehemaliger Programmchef (der er bis 1998 bei RTL war) sich die Spitznamen "Napoleon" und "Stalin" gleichermaßen verdiente und zwischenzeitlich als Erfolgsproduzent mit seiner Firma Typhoon für RTL genauso wie für Sat.1 und andere Sender reüssierte? Mit dem und dessen Firma Gerhard Zeiler, wie er sagt, künftig noch mehr zusammenarbeiten werde?

          Was sich im Programmportefeuille finden läßt

          Als das missing link sollte Conrad wirken zwischen den RTL-Direktoren, von denen manche seit langem nicht mehr genau wissen, welches Programm sie machen sollen, und der Werbewirtschaft, die wissen will, woran sie bei einem Sender ist. An diesem Spagat ist Conrad allerdings gescheitert, bevor man ihn es hat wirklich versuchen lassen. "Ich selbst bin - als Unternehmer und Produzent - mit leeren Händen gekommen", sagt Marc Conrad in dem nunmehr historischen epd-Interview. Sein Problem aber war, daß er auf eine große Leere traf. Wer heute ins Programmportefeuille von RTL schaut, der wird dort nur uralte Langlaufserien finden, neue Flops und immer mal wieder Trash-Geschichten wie das Dschungelcamp.

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