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Mann aus Marmor Hundert Jahre Cary Grant

17.01.2004 ·  Die blonden Göttinnen der dreißiger Jahre, Marlene Dietrich und Mae West, hatten ihn zum Ruhm begleitet, und seine Berühmtheit kostete er bewußter aus als die meisten Hollywoodstars.

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"Dark Angel" heißt ein Fotoband mit Bildern aus seinem Leben. Ein dunkler Engel des Kinos, das war Cary Grant in den fünfunddreißig Jahren, in denen er in Filmen von Howard Hawks, Frank Capra, Leo McCarey, George Cukor, Alfred Hitchcock, Stanley Kramer, Henry Koster, Stanley Donen und Blake Edwards auftrat, ein Mann, der mit Licht und Schatten und den Möglichkeiten des Studiotons ebensogut umgehen konnte wie die Regisseure, für die er arbeitete.

Die blonden Göttinnen der dreißiger Jahre, Marlene Dietrich und Mae West, hatten ihn zum Ruhm begleitet, und Grant kostete seine Berühmtheit bewußter aus als die meisten Hollywoodstars. Als erster Schauspieler befreite er sich 1937 aus dem Griff der Filmstudios, um fortan unabhängig zu arbeiten, und als er 1966, nach seinem Auftritt in Charles Walters' "Walk Don't Run", mit dem Kino aufhörte, ersparte er sich und seinen Zuschauern das zwiespältige Vergnügen, ihn auf der Leinwand altern zu sehen.

„Walk, don't run“

So blieb sein Bild, sein Mythos unangetastet wie jener der Diven des frühen Tonfilms. Walk, don't run, das war zugleich das Motto seiner Karriere, auch wenn er in einer seiner erfolgreichsten Rollen, als Roger Thornhill in "Der unsichtbare Dritte", vor einem Flugzeug davonrennt.

Grants kantiges, von Kinn und Nase dominiertes Gesicht, sein starrer Oberkörper und sein britischer Akzent gaben ihm etwas Statuarisches, das Regisseure wie Hitchcock, Donen und Hawks herausforderte: Jene Rollen, in denen seine Filmfigur, wie in "Leoparden küßt man nicht", "Ich war eine männliche Kriegsbraut", "Über den Dächern von Nizza" (unser Foto) und "Charade", in trudelnde dramaturgische Bewegung gerät wie der screwball, dem ein ganzes Filmgenre seinen Namen verdankt, waren seine besten.

Die Kälte, die ihn am Set wie im Leben umgab, war sein Schutzschild gegen die Gefahren einer öffentlichen Existenz; sie befähigte ihn, Agenten, Diebe, Wissenschaftler, Gutsbesitzer, Engel und Offiziere zu spielen, ohne je die Kontrolle über das Bild zu verlieren, das er von sich gab. An dem Abend, als er 1986 zweiundachtzigjährig starb, bereitete er sich auf einen Soloauftritt in Davenport, Iowa, vor. So hielt er bis zum Schluß die Fäden seiner Legende in der Hand.

"Jeder wäre gerne Cary Grant", soll einmal ein Interviewer zu ihm gesagt haben, worauf er antwortete: "Ich auch." Am Sonntag wäre Archibald Alexander Leach aus dem englischen Bristol, der Mann, der Cary Grant war, hundert Jahre alt geworden.

Quelle: kil. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.2004, Nr. 14 / Seite 38
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