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Veröffentlicht: 17.06.2017, 11:46 Uhr

„Mädelstrip“ im Kino Der Schwan hat gepupst

Mutter, Tochter und ganz viele derbe Witze: Für Jonathan Levines Film „Mädelstrip“ mit Amy Schumer ist Goldie Hawn nach fünfzehn Jahren Abwesenheit wieder vor die Kamera getreten.

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© dpa Schmerzhaft gut beobachtet: das Mutter-Tochter-Gespann in „Mädelstrip“

„Okay, Honey.“ Das soll Goldie Hawn gesagt haben, als Amy Schumer ihr vor Jahren in einem Flugzeug atemlos erzählte, sie habe da ein Skript und wolle den Film nur mit ihr gemeinsam drehen. „Okay, Honey“, übersetzbar als „Ich kenne Sie nicht mal, natürlich werde ich das nicht tun“, aber eben in sehr freundlichem Amerikanisch. In den Folgejahren traf Amy Schumer Goldie Hawn immer wieder bei Veranstaltungen und sprach jedes Mal davon. Nach „Groupies Forever“ mit Susan Sarandon hatte Hawn sich aus Hollywood zurückgezogen und eine Bildungsorganisation für Kinder in armen Ländern aufgebaut. Was muss das nun für ein Film sein, der die Einundziebzigjährige zur Umkehr bewegt hat?

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In „Mädelstrip“ spielt Amy Schumer unter der Regie von Jonathan Levine die anstrengende Emily. In der ersten Szene lernt man sie hassen, in der zweiten lieben: Da macht ihr Freund in einem Café mit ihr Schluss, weil seine Band angeblich erfolgreich wird und er jetzt endlich die „Muschis“ bekommt, die er zu seiner Inspiration braucht, also wohlgemerkt Plural. Emily protestiert, außerdem haben sie doch diese Reise nach Ecuador gebucht, ohne Rücktrittsmöglichkeit, was denn damit sei? Man ahnt es bereits: Weil niemand außer ihrer Mutter Linda (Goldie Hawn) sich erweichen lässt, streitet das Mutter-Tochter-Gespann sich bald am Pool über Sonnenschutz, Longdrinks zur Mittagszeit und Emilys Idee, das Resort auch mal zu verlassen. Als sie es tun, werden sie prompt entführt. Das ist allerdings auch für die Kidnapper kein Spaß.

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Die Interaktionen zwischen den beiden sind gerade übertrieben genug, um witzig zu sein – denn im Grunde sind sie reinster Naturalismus: Die Mutter, die ihrer Tochter in den Dreißigern ungefragt Sonnenmilch auf den Schultern verteilt, woraufhin diese in die Bewegungsmuster einer Fünfjährigen zurückfällt und angewidert zappelt. Die Tochter, die sich zwischen Nestwärme und Distanz nicht so ganz entscheiden kann und deshalb zwar mit Mama in den Urlaub fährt, dort aber lieber Selfies an der Bar macht. Drehbuchautorin Katie Dippold, die schon die Skripte zu „Taffe Mädels“ mit Sandra Bullock und Melissa McCarthy und mit Paul Feig das weibliche Remake zu „Ghostbusters“ schrieb, mag ihre Figuren ungeschönt und etwas derb: Als Emily nachts sternhagelvoll ins Hotelzimmer kommt, lässt sie sich neben ihre Mutter ins Bett fallen, pupst vernehmlich und schiebt es auf das gefaltete Handtuch, das sie für einen verwunschenen Schwan hält.

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Es wird ja häufig angenommen, nur Männer hätten bisweilen einen pubertären Humor. Amy Schumer und all ihre weiblichen Fans widerlegen das: In ihren Komödien wird absolut alles ausgesprochen, was andere Menschen höchstens denken. Ungehörige Worte, ungehörige Vorgänge, ungehörige Gedanken – immer raus damit. Und wo wir schon dabei sind: Emilys Bandwurm muss auch auf möglichst ekelhafte Weise raus. Nebenbei rächt der Film sich an allen Filmen, in denen die weiblichen Nebenrollen absurd flach bleiben: Hier sind zur Abwechslung die Männer Holzschnitte. Der geschwätzige Weltenbummler, der „den Moment leben“ will, der supervirile Indiana-Jones-Verschnitt, der keine Ahnung vom Dschungel hat, Emilys Bruder daheim, der das Haus nicht verlassen will – Männer sind zu nichts nutze und gehen reihenweise über die Wupper wie einst die Kurzzeitgespielinnen von James Bond. Hier wird fröhlich zurückdiskriminiert. Denn wer im Mittelpunkt steht, ist klar: Amy Schumer mit ihrer Freude an der Provokation und Goldie Hawn, deren unglaubliche Coolness noch mehr hervortritt, wenn sie einen hysterischen Anfall hinlegt. Es spricht für „Mädelstrip“, dass Goldie Hawn ihre Filmabstinenz aufgegeben hat. Aber es spricht auch für den Humor von Goldie Hawn.

© dpa, Twentieth Century Fox Deutschland Kinotrailer: „Mädelstrip“
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