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Veröffentlicht: 02.03.2017, 17:58 Uhr

„Logan“ im Kino Papa, du hast Blut im Bart

Was Wolverine lange stärker gemacht hat als seine Feinde, das vergiftet ihn jetzt: Hugh Jackman nimmt in „Logan“ Abschied von seiner berühmtesten Rolle.

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© AP Zähl die Haare im Gesicht, doch die Schmerzen zähle nicht: Logan (Hugh Jackman) ist des Mordens müde.

Am Anfang wird der Held erschossen, von da an geht’s für ihn bergab. Wäre der Film ein Ort, müsste davor das Schild warnen, das am Zaun des Verstecks hängt, in dem der Held einen kranken Freund und dessen traurigen Pfleger versteckt – „En ruinas“ steht spanisch darauf, zu Deutsch: ruiniert, verfallen. Gemeint ist der Held selbst, James Howlett, auch bekannt als Logan, noch bekannter als Wolverine – die Rolle, die Hugh Jackman zur Schauspielerweltmarke gemacht hat. Sein Lehrer auf dem Siechenbett ist Patrick Stewart als Professor Charles Xavier; nach dem Anfangsbuchstaben seines Nachnamens sind die Comic-Superhelden „X-Men“ benannt. Von deren reichem Ensemble ist in „Logan“, James Mangolds neuem, kunstvoll zerbrochenem Superheldenwestern, nur noch Stephen Merchant als seine Jugendsünden büßender Altenpfleger übrig, dem der Autor Chris Claremont 1981 mit tiefen Hintergedanken den Shakespeareschen Namen „Caliban“ gab.

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Die von diesem Unterstützer zusammengehaltene Hausgemeinschaft eines sterbenden Philanthropen und eines traumatisierten Kriegers gibt Stewart und Jackman, die hier mehr Engagement zeigen als in diesen Rollen je vorher, Gelegenheit zum Kammerspiel; man darf an Hamm und Clov in Becketts „Endspiel“ denken, die sich mit Flüchen wie „Hier ist dein Bootshaken, friss ihn“ anbellen, aber ohne einander nicht sein können.

Verachtung der Comic-Brutalität

Ins Anti-Idyll der drei Alten fällt in „Logan“ ein Kind, für das sie Verantwortung übernehmen müssen – eine Frau mahnt Logan: „Sie ist nicht mein Kind, aber ich liebe sie. Du liebst sie nicht, aber sie ist dein Kind.“ Dieses Kind, Laura, gespielt von der in Trotz und Wut wie in Staunen und Entzücken gleichermaßen überwältigend intensiven jungen Schauspielerin Dafne Keen, die man aus der Serie „The Refugees“ kennen kann, stiehlt den Erwachsenen bald zahlreiche Szenen.

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Das Mädchen liest Comics, in denen man die Voraussetzungen dieser Geschichte findet – das ist bei Mangold kein tarantinoid cleverer, rekursiver sight gag, sondern eine Chance zum Durchbruch wirklichkeitsgerichteter Moral in die spektakuläre Gewaltphantasie: Logan, der erlebt hat, was in den Heftchen abgebildet wird, verachtet die Comic-Brutalität, der er seinen Ruhm verdankt. „Not okay!“, herrscht er die Kleine an, die ihn nachahmt. Was ihn so lange stärker gemacht hat als alle Feinde, die metallische Legierung seiner Knochen, vergiftet ihn jetzt – auch das ist ein Sinnbild: Die Mittel, mit denen man Krieg führt, können zuletzt alle Zwecke des Kampfes zerstören.

© Twentieth Century Fox Deutschland Kinotrailer: „Logan“

Immer wieder zitiert der Film, der bei aller Rasanz und Nahkampfheftigkeit mit geradezu kontemplativem Bedacht um solche Fragen kreist, einen der besten Western, die das ebenfalls tun, „Shane“ (1953) von George Stevens mit Alan Ladd und Jack Palance. Xavier erinnert sich, ihn vor Jahrzehnten das erste Mal gesehen zu haben, und die wichtigsten Dialogsätze daraus werden am Ende von Laura mit jener alterslosen Gravitas gesprochen, zu der nur trauernde Kinder fähig sind. Diese Sätze sagen: Eine Gesellschaft, die Mörder zu Helden macht, weil sie ihrer Not anders nicht Herr wird, muss dringend lernen, solche Helden loszulassen, wenn sie überleben will.

„Logan“ ist fast so gut wie „Shane“, also sehr gut. Man hört, Hugh Jackman habe Wolverine nur noch einmal spielen wollen. Mangold, der mit „Cop Land“ (1997) schon einmal einem Genre, nämlich dem Polizistendrama, den würdevollsten denkbaren Epilog drehen durfte, hat das fürs Superheldenfach jetzt wiederholt und Jackman damit einen großen Abschied geschenkt. Wie sagen doch die Raufbolde so richtig und allzeit zitierfähig, wenn einer der Ihren in aussichtsloser Lage Haltung zeigt? Respekt, Alter.

Glosse

Stolz aufs Vorurteil

Von Franziska Müller

Die amerikanische Rechte feiert ausgerechnet Jane Austen als Symbol einer konservativen, behüteten Welt. Hat man hier lediglich eine Satire nicht verstanden, oder ist die Sache gar noch simpler? Mehr 0

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