Die Entscheidung für Antony Gormleys „Ein oder Anderer“ als Zierde für den sogenannten vierten Sockel von Trafalgar Square gibt Hunderten von Londonern die Gelegenheit, sich demnächst als lebende Kunstwerke zur Schau zu stellen. Gormley, vor allem bekannt für Abgüsse seiner eigenen Figur, greift bei diesem Auftrag auf Freiwillige zurück, die im Turnus hundert Tage lang rund um die Uhr als menschliche Skulpturen auf dem Sockel stehen werden. Zur Sicherheit hat Gormley eine Art Fangnetz entworfen.
Der Bildhauer erklärte, der Mensch werde durch die Erhebung auf den Sockel, weg von der Masse, zu einer Metapher, „die uns erlaubt, über die Vielfalt, die Verletzbarkeit und die Eigenart des Individuums in der zeitgenössischen Gesellschaft“ nachzudenken. Neben Gormley hat sich auch der aus Nigeria stammende Künstler Yinka Shonibare mit seinem verkleinerten Nachbau von Nelsons Flaggschiff „H.M.S. Victory“ als Buddelschiff in dem Wettbewerb gegen die Entwürfe von Tracey Emin, Jeremy Deller, Anish Kapoor und dem unter dem Namen Bob und Roberta Smith firmierenden Patrick Brill durchgesetzt. Shonibare will in England hergestellte Textilien mit afrikanischen Mustern verwenden, um seine Vorstellung des Modells als Symbol der ethnischen Vielfalt Londons zu unterstreichen. Der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts für ein Reiterdenkmal Wilhelms IV. bestimmte Sockel auf dem Heldenplatz der Nation blieb wegen mangelnder Mittel lange leer.
Seit zehn Jahren ist er zu einem Schaukasten für die zeitgenössische Skulptur geworden. Das Projekt, durch einen Wettbewerb ermittelte Werke in Auftrag zu geben, ging aus dem Bemühen hervor, ein dauerndes Denkmal für den Platz zu finden. Doch die Lösung mit den jeweils nur für einige Monate ausgestellten Provisorien erwies sich als derart erfolgreich, dass die Stadt daran festhalten will. Der neue Bürgemeister Boris Johnson hatte sich im Wahlkampf für die Ehrung von Sir Keith Park, dem verantwortlichen Generalleutnant für die Verteidigung der Hauptstadt bei der Luftschlacht über England im April 1940, durch ein bleibendes Denkmal auf dem vierten Sockel ausgesprochen. Nun ist ein Kompromiss gefunden worden: Park soll wie die zeitgenössischen Ausstellungsstücke seine Sternstunde auf dem Sockel haben, bevor ihm an anderer, noch unbekannter Stelle ein dauerhaftes Ehrenmal errichtet wird.