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Digitalisierung des Filmerbes : Filme sollten rentenversichert sein

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Wurde rechtzeitig gerettet: Fassbinders WDR-Serie „Acht Stunden sind kein Tag“ – hier der Regisseur mit Schauspielerin Luise Ullrich bei den Dreharbeiten. Bild: Picture-Alliance

Was ist der Unterschied zwischen „Digitalisierung“ und „Restaurierung“? Und welche Probleme bringt die Aufbereitung alter Filme? Ein Erfahrungsbericht aus der Praxis der Digitalisierung.

          Mit den ersten Digitalisierungen von Filmen Rainer Werner Fassbinders begannen wir Anfang der zweitausender Jahre. Und zwar auf den damals üblichen Datenformaten SD (Standard Digital) oder HD (High Definition), die wir als Grundlagen für die Herstellung der ersten DVDs benötigten. Diese Maßnahmen, so jedenfalls hieß es, seien auch für die Langzeitarchivierung der Filme von Nutzen.

          Ab 2006 war diese Information bereits Schnee von gestern. Nun hießen die neuen Datenformate 2k und kurz darauf 4k, was bedeutete: Wir mussten unsere Filme abermals digitalisieren und noch aufwendiger restaurieren, um die neuen Formate der digitalen Kinovorführungen, genannt Digital Cinema Package (DCP) und als „Neue Verwertungsarten“ bezeichnet, bedienen zu können. Wir fingen also wieder von vorne an.

          Was ist der Unterschied zwischen „Digitalisierung“ und „Restaurierung“? Die Digitalisierung analogen Filmmaterials ist nur ein erster Arbeitsabschnitt. Im Idealfall ist das vorhandene analoge Filmmaterial das originale Kameranegativ, das vom Kopierwerk oder Digitallabor eingehend überprüft und mit einem Befund ausgestattet wird. Verletzungen werden sorgfältig behoben, bevor das vorhandene Grundmaterial gescannt oder „digitalisiert“ wird. Mit dem nun entstandenen Rohscan, an dem bislang noch keine digitale Bearbeitung stattgefunden hat, beginnt die Restaurierung.

          Komplette Zerstörung des Trägermaterials

          Bei „Acht Stunden sind kein Tag“ (1972/2017), dessen zugrunde liegendes Filmmaterial ein 16mm Umkehr-Positiv Farbe ist und auf Kodak Ektachrome gedreht wurde, war der Befund beruhigend. Bis auf die letzte Aussage: „Es lässt sich bereits eine erste Stufe des Essigsäure Syndroms feststellen, was in zehn bis fünfzehn Jahren unweigerlich zur kompletten Zerstörung des Trägermaterials führen wird.“ Spätestens jetzt muss alles in Bewegung gesetzt werden, diesen Film vor dem Verschwinden zu bewahren. In unserem Fall hatten wir Glück. Wir hatten bereits Mitte der neunziger Jahre vom Umkehr-Positiv ein 35mm Dupnegativ hergestellt und davon wiederum 35mm Filmkopien. Dies ist bis heute die sicherste Langzeitsicherung.

          Was kostet das alles, und wer bezahlt? Bei der öffentlichen Unterstützung von Filmerbe-Projekten gibt es eine Trennung zwischen der Förderung von Archiven und den Rechtebesitzern, etwa Stiftungen oder Produzenten. Die Rainer Werner Fassbinder Foundation gehört zur zweiten Gruppe. Das heißt konkret: Wir mussten für die Finanzierung unserer ersten SD-Bearbeitungen selbst aufkommen. Für die darauf folgenden Restaurierungen von Fassbinders Fernsehproduktionen, darunter „Berlin Alexanderplatz“ (1979/1980/2007) oder „Welt am Draht“ (1973/2010) sowie die jüngste Restaurierung von „Acht Stunden sind kein Tag“, reichten unsere Eigenmittel allerdings nicht aus. Bei „Berlin Alexanderplatz“, dessen Kosten mit einem Gesamtbudget von 1,375 Millionen Euro für ein Fünfzehneinhalb-Stunden-Filmerlebnis besonders hoch waren, fanden wir die ersten Unterstützer: das New Yorker Museum of Modern Art, die Bundeskulturstiftung und die Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen, obwohl damals digitale Restaurierungen von Filmerbe-Werken Neuland waren. In diesem Fall gelang es sogar, innerhalb von zehn Jahren unsere Restaurierungskosten und darüber hinaus auch alle weiteren Darlehen an die Förderer zurückzuführen.

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