06.12.2005 · Durch eine versteckte Tür im Wandschrank gelangen vier Kinder in das Märchenland Narnia, wo eine Hexe und ein Löwe sich bekriegen. Außerdem von Donnerstag an im Kino: Matt Dillon als Charles Bukowski und Bon Jovi als vermeintlicher Mörder.
Durch eine versteckte Tür im Wandschrank gelangen vier Kinder in das Märchenland Narnia, wo eine Hexe und ein Löwe sich bekriegen. Außerdem ab Donnerstag im Kino: Matt Dillon als Charles Bukowski und Bon Jovi als vermeintlicher Mörder.
Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia
Fantasy, Vereinigte Staaten 2005
Es geht um den Sohn des jenseitigen Königs, einen messianischen Löwen names Aslan, der sich für einen schuldbeladenen Menschen opfert und danach wunderbarerweise wieder ins Leben zurückkehrt; es geht um eine Hexe (Tilda Swinton), und es geht schließlich um den Wandschrank, durch den vier sterbliche Kinder - Töchter Evas und Söhne Adams, wie das beim „Chroniken“-Erfinder Clive Staples Lewis heißt - nach Narnia gelangen, wo sich der allegorische Kampf zwischen dem Löwen und der Hexe, dem „Licht der Welt“ und der „Hure Vernunft“, abspielt.
Erst die Effekte, dann der Plot - das scheint wie für die am Storyboard und im Rechner entstehenden Kassenfreßmaschinen der Gegenwart kalkuliert. Von dieser, der rein künstlerischen Seite her, müßte Lewis das also lieben, was seinem Geschichtensalat heute an Effekt-Dressing zugeschossen werden kann. Regie führte bei der Verfilmung des ersten Teils von Clive Staples Lewis siebenbändigen „Chroniken von Narnia“ der Neuseeländer Andrew Adamson, der für seine Regiearbeit am Animationsfilm „Shrek 2“ einen Oscar erhielt.
Factotum
Drama, Niederlande / Vereinigte Staaten / Deutschland 2005
Matt Dillon, der Teenieschwarm der achtziger Jahre, spielt Hank Chinaski, Bukowskis literarisches Alter ego. Dillon ist breiter geworden, er hat sich einen schweren Gang zugelegt, die Haare zurückgekämmt wie der dirty old man und sich auch einen Bukowskibart wachsen lassen, und er macht das alles fabelhaft, weil er nie zuviel macht. Und Lili Taylor als Hanks zeitweilige Lebensgefährtin, die ihn auch mit Filzläusen versorgt, ist mindestens genauso gut wie Dillon mit ihren herben Zügen und ihrer barschen Art, die von den traurigen Blicken immer wieder unterlaufen wird.
Vielleicht sind dem norwegischen Regisseur Bent Hamer mit seinem Film über den amerikanischen Schriftsteller Charles Bukowski manche Szenen ein bißchen zu malerisch geraten, weil immer ein sanftes Spätnachmittagslicht in die kargen Apartments oder Hotelzimmer fällt, aber es geht immer so lakonisch zu, daß der Film im Zweifel eher komisch als melancholisch wirkt. Wenn man nach dem Film mal wieder die alten Bücher aus dem Regal holt, stellt man fest, daß der Film ganz gut und sicher auf eigenen Füßen steht.
Cry_Wolf
Thriller, Vereinigte Staaten 2005
Das renommierte Internat Westlake Academy wird von Angst und Schrecken beherrscht, nachdem eine Schülerin tot aufgefunden wird. Eine Halloween-Party bietet die perfekte Kulisse für einen Jungenstreich, der sich jedoch letztlich gegen die Schüler selbst wendet. Sie kündigen im Names des Mörders per E-Mail weitere Todesfälle an. Doch mit dem wahren Täter ist nicht zu spaßen.
Der Plot inmitten neureicher amerikanischer Jugendlicher steckt voller Irrungen und Wirrungen, Intrigen und Verdächtigungen. Einer der potentiellen Täter wird von Schmuserocker Jon Bon Jovi gespielt, dem einzig bekannten Gesicht unter den jungen Schauspielern, der auch in der Filmrolle seinem Frauenschwarmimage gerecht wird. Regisseur Jeff Wadlow verliert bei in seinem gruseligen Debütfilm auch bei unzähligen Wendungen nie den roten Faden.
Dias de Santiago
Drama, Peru 2003
Schon mit 23 Jahren hat Santiago (Pietro Sibille) einen dreijährigen Armeeeinsatz hinter sich. Im Grenzgebiet zwischen Peru und Ecuador hat er gegen Terroristen und Drogenschmuggler gekämpft, und nun lebt er wieder bei seinen Eltern, ohne Job und ohne Geld. Nach dem Selbstmord eines Freundes erbt er dessen Auto und
nutzt dies als Taxi, um seinen Lebensunterhalt und das Informatikstudium zu finanzieren.
Doch die traumatischen Erlebnisse des Kriegsdienstes lassen Santiago nicht los, die psychischen Folgen stellen sich schnell ein und belasten seine Beziehungen zu Menschen. Regisseur Josué Méndez inszenierte seinen mehrfach preisgekrönten Film ohne Rückblenden, benutzt allerdings Schwarzweiß-Aufnahmen für
die Darstellung der Gedanken.
Kekexili - Mountain Patrol
Action, China / Hongkong 2004
Die tibetische Antilope ist wegen ihres Fells ein begehrtes Jagdopfer im Hochland Tibets. Die Tiere werden von habgierigen Wilderern gejagt, die mit ihrer Rücksichtslosigkeit Naturschützer auf den Plan rufen. Nach einer wahren Begebenheit inszenierte Regisseur Lu Chuan die dramatische Verfolgungsjagd, die sich eine Patrouille überzeugter Naturschützer mit Wilderern liefert.
Mit eindringlichen Landschaftsaufnahmen kurz vor Wintereinbruch wirkt „Kekexili“ wie eine Dokumentation, zumal die Rollen überwiegend mit Laien besetzt sind. Sandstürme, Kälte und die dünne Höhenluft machen die Aktion der Naturschützer für alle Beteiligten zu einem brutalen Abenteuer, in dem die Grenzen zwischen Jägern und Gejagten fast unsichtbar werden.
Lücke im System
Thriller, Schweiz 2004
Alex und Fred sind Gegner der Globalisierung. Sie wollen das Weltwirtschaftsforum verhindern und schleusen ins Computersystem einer Großbank einen Virus ein, um den internationalen Zahlungsverkehr lahm zu legen. Am entscheidenden Tag verliert Alex durch einen mysteriösen Autounfall sein Kurzzeitgedächtnis.
Als er am nächsten Tag in einer Klinik aus dem Koma erwacht, ist seine Erinnerung an den Vortag komplett erloschen. Um die Amnesie zu besiegen, läßt sich Alex auf eine noch unerprobte Therapie ein. Doch statt der erwünschten Klarheit wirbeln Wirklichkeit, Erinnerung und Traum durcheinander. Der Schweizer Erfolgsregisseur Romed Wyder drehte einen politischen Thriller mit Hochspannung.
Waiting for the Clouds
Drama, Deutschland 2005
Der 10jährige Mehmet hat eine gute Freundin, die 60jährige Ayshe. Als deren Schwester stirbt, zieht sich Ayshe von Mehmet und auch immer mehr aus der dörflichen Gemeinschaft zurück. Das macht Mehmet nicht nur Sorgen, er ist auch enttäuscht, vor allem, als Ayshe nach einer Hochzeitsfeier im Hochland nicht mehr ins Dorf zurück will.
Als ein Fremder auftaucht, der mit Ayshe zu tun hat, wird diese mit ihren familiären Wurzeln konfrontiert und muss sich mit lange gehüteten Geheimnissen befassen - ihrer wahren Identität. Regisseurin Yesim Ustaoglu widmete sich mit diesem politischen und persönlichen Drama einem Tabuthema der türkischen Geschichte, der Situation orthodoxer Griechen in der Türkei.
Winterkinder
Dokumentarfilm, Deutschland 2005
Grimme-Preisträger Jens Schanze hat mit diesem Dokumentarfilm die eigene Familie ins Kino gebracht. In
„Winterkinder“ spürt er den Verstrickungen seines eigenen Großvaters während des Dritten Reichs nach. Bittere Wahrheiten kommen zu Tage, die vor allem seiner Mutter zusetzen, da sie ihre Erinnerungen an einen liebevollen Vater verteidigen muß, als ihr Sohn sie fragt: „War Großvater ein Nazi?“
Dieser sehr persönliche Film soll auch als Denkanstoß für andere Familien dienen. Er zeigt, daß die Fragen und Konflikte auch sechzig Jahre nach Kriegsende noch Kinder und Enkel der Generation, die am Krieg teilgenommen hat, beschäftigen.
12 Tangos - Adios Buenos Aires
Dokumentarfilm, Deutschland 2005
Der deutsche Regisseur und Buchautor Arne Birkenstock („Tango - Geschichte und Geschichten“) porträtiert in seinem Dokumentarfilm „12 Tangos - Adios Buenos Aires“ Argentinier in ihrem täglichen Überlebenskampf. Der 71jährige Tangotänzer Roberto Tonet hat alle seine Ersparnisse verloren, muß sein Haus verkaufen und erinnert sich an bessere Zeiten. Die Tanzschritte des Tango beherrscht er immer noch perfekt, aber seine Karriere ist unweigerlich zu Ende.
Die 20jährige Tangotänzerin Marcela Maiola kann in ihrer Heimat nicht genug Geld mit Unterrichtsstunden verdienen und will nach Frankreich auswandern. Ähnlich geht es auch der vierfachen Mutter Yolanda Zubieta. Schweren Herzens läßt sie ihre Kinder zurück und reist nach Europa, um in Spanien als illegale Immigrantin mit Putzjobs Geld für ihre Familie zu verdienen.
Zwischen den traurigen Bestandsaufnahmen spielt ein All-Star-Orchester zwölf Tangos, und da spürt man dann etwas von der unerbittlichen Kraft und strahlenden Erotik, die diese Tanzmusik prägt. Noch einmal stehen dabei die Bandoneon-Legende José Libertella und der Tenor Jorge Sobral auf der Bühne. Beide starben wenige Wochen nach dem Ende der Dreharbeiten.