11.07.2006 · Auf einmal treibt die „Poseidon“ kieloben im Meer. Außerdem von Donnerstag an im Kino: Ein Lemming im Abfluß überlebt - anders als die Frau des Chefs. Und ein Umzug nach Japan macht alles nur noch schlimmer.
Eine Riesenwelle verursacht die „Poseidon“-Schiffskatastrophe. Außerdem von Donnerstag im Kino: Ein Lemming im Abfluß ist Beginn eines Krimis, ein BMX-Unfall der Start eines Sporterfolgs und der Umzug nach Japan verheißt eine Drifting-Karriere.
Poseidon
Action, Vereinigte Staaten 2006.
Regisseur Wolfgang Petersen („Das Boot“) liefert mit seinem Remake des Erfolgsfilms „Poseidon Inferno“ von 1973 in 95 Minuten, was gefragt ist: die Spannung, die im Katastrophengenre auch darin liegt, nicht nur an die Grenzen der Existenz, sondern auch an die Grenzen des technisch Machbaren zu gehen. „Poseidon“ setzt entschlossen auf die narrative Logik eines Videospiels, in dem man mit jedem Level dem Bootsrumpf näherkommt, wenn man sich nur anstrengt - oder aus dem Spiel ist, wenn man die falsche Luke öffnet. Eine Riesenwelle bringt das Schiff zum kentern und läßt es kieloben treiben, so daß die überlebenden Passagiere vom Ballsaal in den Maschinenraum hinaufklettern müssen, um an die Wasseroberfläche zu gelangen. Seine Besetzung umfaßt den Veteran Kurt Russell, der mit Tochter und potentiellem Schwiegersohn an Bord ist; der aufstrebende Josh Lucas als Spieler, dessen Wandel vom Einzelgänger zum Teamführer sich schneller vollzieht, als der Wasserpegel steigt; Richard Dreyfuss („Der Weiße Hai“) als schwuler Millionär mit Liebeskummer und viele junge Frauen, die in nassen Kleidern eine gute Figur machen. Wie bei „Titanic“ sind die Dialoge in „Poseidon“ gerade mal ein paar Cent wert von den 150 Millionen Dollar, die der Film gekostet hat. Mag schon sein, daß der Film ansonsten sehr leer ist und nach der Havarie kaum noch Leben im Schiffsrumpf, aber Wasser ist halt immer ein Risiko. „Poseidon“ ist schon ab Mittwoch zu sehen.
Lemming
Drama, Frankreich 2005.
Ein lebendig aus dem Küchenabflußrohr geborgener Lemming setzt eine Lawine von Metaphern in Bewegung: Alain, Angestellter einer Elektronikfirma, und seine Frau Benedicte (Charlotte Gainsbourg) bekommen Besuch von Alains Chef Pollock (André Dussollier) und dessen Gattin Alice (Charlotte Rampling). Der Abend geht schief. Alice beschimpft ihren Mann, daß er sie mit Huren betrüge, dann gießt sie ihm ein Glas Wein ins Gesicht. Am nächsten Tag erscheint sie in Alains Büro und versucht, ihn zu verführen. Das ist die erste große Szene des Films: als Charlotte Rampling mit ihrem Gesicht über den Hals von Laurent Lucas streicht, und wie Lucas sich abmüht, ihre Zärtlichkeit nicht zu erwidern.
Solche Momente sind wie Phantome bei Regisseur Dominik Moll, sie lösen sich in Luft auf, bevor man mit dem Staunen überhaupt angefangen hat. Wenig später sucht Alice auch Benedicte heim, und noch ein wenig später ist sie tot. Das ist der Punkt, an dem eine ausgeklügelte Mechanik des Entgleisens in Gang kommt. Der Blutfleck, den die sterbende Alice im Haus des jungen Paars hinterlassen hat, ist nicht abzuwaschen, und der Blick, mit dem sie die entsetzte Benedicte anstarrte, hat sich dieser eingebrannt. Benedicte beginnt, sich in Alice zu verwandeln, und Charlotte Gainsbourg spielt diese Wandlung mit so wenigen Gesten und Tönen, daß man nie weiß, ob man nicht bloß einer Halluzination von Alain zuschaut.
The Fast and the Furious: Tokyo Drift
Action, Vereinigte Staaten 2006.
Im dritten Film der „The Fast and the Furious“-Reihe führt Justin Lin Regie über das Abenteuer um illegale Straßenrennen und geschwindigkeitssüchtige Fahrer. Sean Boswell (Lucas Black) kann es nicht lassen, immer wieder an gefährlichen Rennen teilzunehmen und gerät dadurch mit dem Gesetz in Konflikt. Als er knapp einer Gefängnisstrafe entkommt, wird er kurzerhand nach Tokio geschickt, wo er unter der Aufsicht seines strengen Vaters leben und regelmäßig zur Schule gehen soll.
Doch schnell freundet sich Sean mit Twinkie (Lil' Bow Wow) und D.K. (Brian Tee) an und lernt die wesentlich härtere japanische Variante der Rennen kennen. Da in der japanischen Hauptstadt der Platz knapp ist, werden die Rennen in enge Parkhäuser und steile Bergstraßen verlegt. Dort wird das Driften gepflegt, was wörtlich übersetzt „sich treiben lassen“ bedeutet: Mit Vollgas preschen die Fahrer in die Kurven, drücken dann auf die Bremse, reißen das Lenkrad herum und gleiten auf den Reifen über den Asphalt. Frauen, die so gut wie keine Kleidung tragen, sind die Zuschauer und hübsche Kulisse des Spektakels.
Rebell in Turnschuhen
Komödie, Vereinigte Staaten 2006.
Für ihr Regiedebüt verfilmte Jessica Bendinger ihr Drehbuch über die Geschichte der 17jährigen Kunstturnerin Haley (Missy Peregrym). Der wird eines Tages der Druck als hochkarätige Sportlerin zu viel, und am Vorabend der Weltmeisterschaft haut sie einfach ab. Nach einem absichtlichen Crash mit dem BMX-Rad wird Haley verurteilt, in der Turnakademie von Burt (Jeff Bridges) wieder Leistungssport zu betreiben.
Dort spielt die junge Frau die Rolle der Widerspenstigen. Doch die ständigen Auseinandersetzungen mit Burt und ihrer Mitstreiterin Joanne (Vanessa Lengies) bewirken Veränderungen. Schließlich ist Haley es eines Tages leid, immer die Rebellin zu spielen, und ihre Begeisterung für den Sport erwacht aufs Neue.
Wolf Creek
Horror, Australien 2004.
Liz (Cassandra Magrath) und Kristy (Kestie Morassi) sind auf der Heimreise nach einem entspannten Strandurlaub. Im australischen Hinterland wollen sie einen Meteoritenkrater besichtigen, doch als sie dort eintreffen, geschehen merkwürdige Dinge. Ihre Uhren bleiben stehen, ebenso ihr Auto.
Die Freude über den witzigen Trucker Bazza (Andy McPhee), der sie abschleppen will, währt nicht lange. Er setzt die Mädchen unter Drogen, und nach dem Aufwachen beginnt ein harter Überlebenskampf. Der australische Regisseur Greg McLean ließ sich für das Drehbuch seines Kinodebüts von den so genannten Rucksackmorden Anfang der neunziger Jahre inspirieren.