31.08.2004 · Der Cannes-Siegerfilm „Oldboy“ erzählt den kafkaesken Albtraum eines Mannes. Woody Allens neuer Film ist wie erwartet allenesk. Außerdem vom Donnerstag an im Kino: ein Coming-Out-Drama mit Robert Stadlober.
Der Cannes-Siegerfilm „Oldboy“ erzählt den kafkaesken Albtraum eines Mannes. Woody Allens neuer Film ist wie erwartet allenesk. Außerdem vom Donnerstag an im Kino: ein Coming-Out-Film mit Robert Stadlober. Die Filmvorschau von FAZ.NET.
Oldboy
Thriller, Südkorea 2003. Ein Thriller mit Anspruch, und der koreanische Regisseur Park Chan-wook hat damit dieses Jahr in Cannes den großen Preis der Jury gewonnen. Ein Mann namens Oh Dae-su wird darin vor einer Telefonzelle im Regen verschleppt und findet sich in einem Raum ohne Fenster wieder, in dem es ein Bett, eine Dusche und einen Fernseher gibt. Fünfzehn Jahre, so erzählt er aus dem Off, wird er dort verbringen, ohne je zu erfahren, wie lange noch, und vor allem ohne je zu wissen, warum. Oh Dae-su mag wie eine Figur von Kafka anmuten, aber mehr noch erinnert "Oldboy" an die Filme von David Fincher, der in "The Game" ein ähnlich zynisches Spiel mit Michael Douglas getrieben hat und an dessen visuellen Spielereien aus "Fight Club" sich Chan-Wook Park offenbar orientiert. "Oldboy" ist ein zwar sehenswerter Film, der sein Potential letztlich aber verschenkt - so wie all die asiatischen Filme, die so cool sein wollen wie Melville und am Ende doch nur hysterisch wirken. Mit Choe Min-shik, Yu Ji-tae und Gang Hye-jeong.
Anything Else
Komödie, Vereinigte Staaten 2003. „Anything Else“ ist ein Woody-Allen-Film wie alle anderen seiner Komödien auch. Seine Ticks hat Allen diesmal dem jungen Witzeschreiber Jerry Falk (wie ein leiblicher Sohn des Stadtneurotikers: Jason Biggs) auf den sportlichen Leib geschrieben. Allens alte Geschichte vom Mann, der nicht nein sagen kann und sich selbst vor lauter narzißtischen Neurosen nicht liebt, erhält in "Anything Else" ihr Gewicht durch den Meister selbst. Der wandert mit dem jungen Jerry durch den Central Park und kommentiert die zahlreichen Fehler im Denken und Verhalten des Jüngeren. Die Pointe der Geschichte besteht darin, daß sich der schmächtige Weise als übler Choleriker entpuppt, der überraschend das Auto zweier Schlägertypen mit einem Wagenheber demoliert. Mit Christina Ricci und Danny DeVito.
Die Kinder des Monsieu Mathieu
Musikfilm, Frankreich/Schweiz 2003. Eine Art Club der lebendigen Sänger gründet der neue Lehrer Mathieu, als er 1949 an einem Internat für schwer erziehbare Jungen anfängt und deren Vorliebe für den Chorgesang weckt. Nostalgischer Überraschungserfolg aus Frankreich von Christophe Barratier mit Gérard Jugnot, Francois Berleand und Kad Merad.
Die Kühe sind los
Zeichentrick, Vereinigte Staaten 2003. Ein wohl letztes Mal kehren die Disney-Studios mit diesem Werk zum traditionellen Zeichentrickfilm zurück. Heldinnen der Western-Parodie sind drei Kühe, die ihre Farm gegen einen Bösewicht verteidigen. Regie William Finn und John Sanford, in der deutschen Synchronfassung hört man Christiane Hörbiger, Hella von Sinnen, Marie Bäumer und die Gebrüder Klitschko.
Riddick - Chroniken eines Kriegers
Fantasy-Action, Vereinigte Staaten 2003. Fortsetzung des Films „Pitch Back - Planet der Finsternis“ aus dem Jahr 2000, abermals mit Hauptdarsteller Vin Diesel. Dem inhaftierten Krieger Riddick gelingt die Flucht; kurz darauf muß er in einem intergalaktischen Krieg gegen einen irren Sektenführer kämpfen. Regie David T. Twohy, mit Colm Feore, Thandie Newton und Dame Judi Dench.
Silent Waters
Drama, Pakistan/Deutschland/Frankreich 2003. Sabiha Sumars Drama ist der erste pakistanische Spielfilm seit langem und der allererste überhaupt von einer Frau; zudem behandelt er Themen - die Vertreibung der Sikhs im Jahr 1947, den islamischen Fundamentalismus, die Lage der Frauen im heutigen Pakistan -, die in seinem Herkunftsland so gut wie tabu sind. Aïcha ist eine Witwe, die mit ihrem Sohn Ende der siebziger Jahre in einem kleinen Dorf im Pandschab lebt. Der Sohn, ein Schönling und Nichtsnutz, schließt sich den vom Regime Zia ul-Haqs geförderten Islamisten an. Eines Tages erfährt er, daß seine Mutter aus einer Sikh-Familie stammt, die 1947 aus Pakistan vertrieben wurde; Aïcha, die jüngste Tochter, blieb als einzige zurück. Der tiefe dunkle Brunnen, in den der Film in seinen Rückblenden immer wieder blickt, ist ein Hort der Greuel ebenso wie der Hoffnung. Mit Kirron Kher, Aarmir Malik und Arshad Mahmud.
Sommersturm
Drama, Deutschland 2004. Im Feriencamp verliebt sich der junge Tobi (Robert Stadlober) plötzlich in seinen besten Freund - dabei hat er doch längst eine Freundin. Zwischen Drama und Komödie pendelnder Film von Marco Kreuzpaintner mit Kostja Ullmann, Alicja Bachleda-Curus und Hanno Koffler.
Street Style
Musikfilm, Vereinigte Staaten 2004. Zwei Freunde, die sich mit Hip-Hop-Straßenkämpfen duellieren, wollen gemeinsam einen Wettbewerb gewinnen. Doch ausgerechnet in diesem Moment bekommt ihre Freundschaft Risse. Hip-Hop-Drama von Christopher B. Strokes mit Marques Houston, Omari Grandberry und Jennifer Nicole Freeman.
Wie ein einziger Tag
Liebesdrama, Vereinigte Staaten 2004. Nick Cassavetes verfilmte einen Bestseller von Nicholas Sparks. Ein Mann liest einer an Alzheimer erkrankten Frau Passagen aus einem Tagebuch vor, die an eine Liebesgeschichte zwischen einem reichen Mädchen und einem Arbeiter erinnern. Die Vergangenheit wird wieder lebendig. Mit Ryan Gosling, Rachel McAdams, James Garner und Gena Rowlands.